Messerundgang New York Autoshow Hochbeinig in Manhattan

Keine Stadt in Amerika ist so ungeeignet fürs Autofahren wie New York. Und trotzdem hat Manhattan die besucherstärkste Autoshow des Kontinents. Besonders gefragt sind dort wieder Geländewagen - vor allem aus Deutschland.

Tom Grünweg

Aus New York berichtet


Der Weg von Soho zum Jacob Javits-Center kann verdammt ungemütlich sein - selbst in einer großen Limousine. Denn die Straßen in New York sind nicht nur proppenvoll, sondern vor allem in einem miserablen Zustand. Immer wieder poltert der Luxusliner deshalb so tief in die Schlaglöcher, dass man Angst um Bodenblech und Rückenwirbel haben muss. Kein Wunder, dass New Yorker - wenn überhaupt - am liebsten einen Geländewagen fahren.

Das weiß auch Joachim Schmidt. Er ist Vertriebsvorstand von Mercedes und enthüllt im besagten Messezentrum auf der New York Autoshow einen Wagen, der wie für Manhattan gemacht ist: Denn neben dem frisch gelifteten GLK und der SL 65 AMG mit einem noch mal über die Zeit geretteten 630 PS-Zwölfzylinder zieht er das Tuch von der zweiten Generation des GL.

Komfortabel wie eine Luxuslimousine und mit ähnlich vielen Assistenzsystemen bestückt, macht diese "S-Klasse fürs Grobe" nicht nur in der Wüste von Arizona und den Bergen von Colorado eine gute Figur, sondern vor allem in den Straßen von Manhattan: Bei mehr als fünf Metern Länge und einer Sitzhöhe wie im Transporter fühlt man sich im Verkehrsgetümmel auf dem Broadway nicht verloren, die großen Rädern können selbst die tiefsten Schlaglöcher nicht schrecken, und bei bis zu 2300 Litern Kofferraum steht auch den Shoppingfreuden nichts im Wege.

Stelldichein der deutschen Hersteller

Das Konzept kommt an bei den Amerikanern. Während in Deutschland vom GL im letzten Jahr kaum mehr als 1000 Exemplare verkauft wurden, hat die US-Kundschaft auf der Zielgeraden heftiger denn je bestellt: Allein 27.000 GL hat Mercedes im letzten Jahr an die Amerikaner ausgeliefert. Kein Wunder, dass der GL im Sommer auch erst dort eingeführt wird, bevor er im November mit einem V8-Benziner oder einem V6-Diesel zu uns kommt.

Der GL ist nur eines von vielen deutschen Autos, das bei den Amerikanern gut ankommt. Egal ob Mercedes, BMW, VW, Porsche oder Audi - alle Deutschen melden auf dem genesenen US-Markt ein Rekordergebnis nach dem anderen. So hat zum Beispiel VW im ersten Quartal um 40 Prozent zugelegt und Mercedes will 2012 zum besten US-Jahr aller Zeiten machen , sagt Landeschef James Cannon. Für den üppigen Zulauf revanchieren sich die Deutschen in New York mit großen Premieren wie dem GL oder kleinen Neuheiten wie dem BMW X1, der jetzt erstmals auch jenseits des Atlantiks angeboten wird und dafür gleich ein kleines Facelift bekommt. Porsche will den Amerikanern im Cayenne jetzt den Diesel schmackhaft machen und VW versucht es mit dem neuen Alltrack beim Passat wieder einmal mit einem Kombi.

Die US-Hersteller melden zwar genauso wie die Importeure Rekordzahlen und präsentieren sich nach der Kriese stärker denn je. Doch abgesehen von der neuen Viper bei Chrysler und dem Fisker Atlantic haben ihre New Yorker Neuheiten in diesem Jahr wenig Sexappeal. Aber dafür umso mehr wirtschaftliches Potenzial. Nicht umsonst enthüllt Chevrolet hier den neuen Impala, der verlorenen Boden bei den klassischen Familienkutschen gut machen soll. Außerdem gibt es bei den SUV für die breite Masse ein Facelift für den Chevrolet Traverse und einen sportlichen Ableger für den neuen Ford Explorer.

Konkurrenz aus Asien

Ob das reichen wird, um den in diesem Segment besonders starken Asiaten Paroli zu bieten? Das darf in New York angesichts von Neuheiten wie dem Nissan Altima, dem neuen Lexus ES und der nächsten Generation des Hyundai Santa Fe getrost bezweifelt werden. Sie zielen alle auf Kernsegmente des US-Marktes, bauen auf eine große Schar an Stammkunden und sehen obendrein einfach verdammt gut aus. Bei den Limousinen kann das den Europäern herzlich egal sein, weil es die ohnehin nicht über den Atlantik schaffen werden. Doch zumindest der Santa Fe steht ab September auch bei uns und buhlt um Kunden, denen der VW Touareg zu teuer und der Jeep Grand Cherokee zu protzig ist.

Garniert wird das vergleichsweise bodenständige Messeprogramm von ein paar schillernden Exoten. So steht im Keller im gelben Dress der New Yorker Taxis der MV1, der als erstes Auto speziell für die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern zugeschnitten wurde. Im Foyer hat Terrafugia außerdem das erste funktionierende Flugauto der Welt ausgestellt. Mini hat als verspäteten Aprilscherz einen eilig zusammengeschusterten Schwimmwagen auf die Messe gerückt, und Tuninglegende Caroll Shelby zeigt einen Mustang, den 1000 PS zum schnellsten Modell in der Geschichte des Musclecars machen.

Neuauflage des Yellow Cab

Aber die Messe in New York bietet nicht nur brave Familienkutschen, gewaltige Geländewagen und ein paar neue Alternativen für reiche Raser mit und ohne Umweltgewissen. Sondern der eigentliche Star der Show ist ein kleiner gelber Lieferwagen, den wir als Nissan NV200 schon seit Jahren kennen. Im Jacob Javits Center steht er zum ersten mal als "Taxi of Tomorrow", das vom nächsten Jahr an sukzessive die mehr als 16.000 Yellow Cabs ersetzen soll, weil es sparsamer ist als der alte Ford Crown Victoria, mehr Platz bietet als der Ford Escape und weniger kostet als der Toyota Sienna.

Viel bequemer als in einer großen Limousine wird man zwar auch mit ihm nicht durch die Straßen von Manhattan rumpeln. Doch für den Stau gibt es dann immerhin Bordfernsehen und Ladestecker fürs Handy.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sosonaja 05.04.2012
1. Werbung
Wenn Sie schon Werbung für Mercedes machen, dann sollten Sie den Text als Anzeige kennzeichnen!
ManRai 05.04.2012
2. Grottenhaesslich
Alle diese sg Autos sind unnoetig und einfach grottenhaesslich
grizzly787 05.04.2012
3. Oje..
Zitat von sysopTom GrünwegKeine Stadt in Amerika ist so ungeeignet fürs Autofahren wie New York. Und trotzdem hat Manhattan die besucherstärkste Autoshow des Kontinents. Besonders gefragt sind dort wieder Geländewagen - vor allem aus Deutschland. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,825954,00.html
...nach der "Kriese"..., jaja..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.