Neues Emissionsmessverfahren Der Reality-Check

Der Schadstoffausstoß von Autos soll in der Europäischen Union künftig auch unter realen Bedingungen gemessen werden. Bislang kommen die Werte nur im Labor zustande. Das hat Folgen - vor allem für Diesel-Pkw.

Im Verkehr unsauberer: EU beschließt neues RDE-Messverfahren für Stickstoffoxide
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Im Verkehr unsauberer: EU beschließt neues RDE-Messverfahren für Stickstoffoxide


Die Schummelei der Autohersteller bei Verbrauchs-, und Emissionsangaben empört Umweltverbände und Autofahrer schon seit Langem. Zuletzt wurde die krasse Diskrepanz zwischen Labor- und Realmesswerten beim Ausstoß von Stickstoffoxiden heiß diskutiert. Stickoxide werden als gesundheitsschädlich eingestuft und können zu Atemwegserkrankungen führen.

Nach der Euro-6-Norm dürfen Fahrzeuge nicht mehr als 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen. Aber gerade die Emissionen von Diesel-Pkw im Straßenverkehr lägen zum Teil um ein Vielfaches über den Laborwerten, so das Bundesumweltministerium. Diesel-Pkw seien daher maßgeblich für die hohen Belastungen durch Stickstoffdioxid in Innenstädten verantwortlich.

Vom Laster zum Pkw

In der Europäischen Union werden nun neue Regeln zur Messung des Schadstoffausstoßes von Pkw eingeführt, die der Abgasnorm Euro 6 unterliegen. Das berichtet das Bundesumweltministerium und verweist auf eine aktuelle Entscheidung des zuständigen EU-Fachausschusses.

Bislang werden die Emissionen im Rahmen der EU-Typgenehmigung nur im Labor ermittelt. Künftig kommt noch die sogenannte real-driving emissions-Methode, kurz RDE, dazu. Dabei wird der Ausstoß der Stickstoffoxide im realen Fahrbetrieb auf der Straße gemessen. Bereits seit 2011 wird das Verfahren für Euro-6-Laster eingesetzt und hat sich dabei bewährt, wie das Ministerium berichtet.

RDE ist somit beschlossen und tritt sofort in Kraft. Allerdings müssen EU-Mitgliedstaaten und EU-Kommission noch festlegen, nach welchen Kriterien Abweichungen zwischen beiden Messverfahren (Labor und RDE) angerechnet werden können, so ein Ministeriumsmitarbeiter.

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Dr.W.Drews 19.05.2015
1. Und der Kraftstoffverbrauch?
Es wäre ein Leichtes auch den Kraftstoffverbrauch im realen Betrieb zu messen. Und zwar nicht mit einer Meßfahrt sondern durch Auslesen der Bordelektronik bei jeder Hauptuntersuchung. Die Fahrzeuge könnten dann jeweils neu eingestuft werden. Denn es ist schlicht nicht relevant was ein Auto im Testbetrieb verbraucht, sondern es zählt alleine was die Fahrer auch durch ihr Verhalten zum Verbrauch beitragen. Einige Sportwagen und SUV würden dann gan anders klassifiziert werden.
zerr-spiegel 19.05.2015
2.
Zitat von Dr.W.DrewsEs wäre ein Leichtes auch den Kraftstoffverbrauch im realen Betrieb zu messen. Und zwar nicht mit einer Meßfahrt sondern durch Auslesen der Bordelektronik bei jeder Hauptuntersuchung. Die Fahrzeuge könnten dann jeweils neu eingestuft werden. Denn es ist schlicht nicht relevant was ein Auto im Testbetrieb verbraucht, sondern es zählt alleine was die Fahrer auch durch ihr Verhalten zum Verbrauch beitragen. Einige Sportwagen und SUV würden dann gan anders klassifiziert werden.
Vergessen Sie's. Dazu sind die eingesetzten Durchflusssensoren viel zu ungenau. Die sind nicht in der Lage, den hohen Durchfluss überhaupt zu messen. Bei meinem Senator B ging die Messskale bis 39,8 l/100 km (Digitalanzeige), bei meinem W221 geht es gerade noch bis 25 l/100 km. Beim Senator war die Abweichung zwischen angezeigtem Verbrauch und tatsächlichem Verbrauch auch sehr gering (0,5-1 l/100km). Beim Benz sind es locker 2 l/100 km. Also ist auch hier der Sensor viel zu klein bemessen.
jaguaros 19.05.2015
3. Sehr einfach
Keine Autos mehr kaufen und die Politiker nehmen sofort alle Regulierungen zurueck. So einfach ist das. Aber bringen sie die Deppen dazu den Kauf vom SUV um ein oder zwei Jahre zu verschieben. Wenn dann zehntausender Arbeiter auf der Strasse stehen dann wird sich zeigen ob fuer die da oben die Produktion oder die Gesundheit wichtiger ist. Man lebt heute schlimmer als in Osteuropa for 1989.
Autofahrer... 19.05.2015
4.
Die Messwerte sind vorhanden, werden nur nicht angezeigt, um den Fahrer nicht zu verunsichern. Habe ein altes Auto von 1999, welches 2001 noch beim Losfahren an der Ampel 99.9l/100km anzeigte. Nach einer Inspektion dann nur noch 25l/100km...Nachfrage bei der Werkstatt ergab dann folgende Antwort: "Die Kunden haben sich über den hohen Verbrauch beschwert, da wurde dann ein max-Wert in der SW hinterlegt"...Also, messen können die schon, was einem angezeigt wird, ist ein anderes Thema....
boardinggoofy 19.05.2015
5. Bitte so schnell wie möglich
und bitte auch mit den realen Verbrauchsangaben - ob 0,2 Liter hin oder her interessiert mich dabei nur peripher. Diese Augenauswischerei mit heuchlerischen Laborwerten hingegen nervt total.
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