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Das Ende des 700-Peso-Lappens: Mexiko-Stadt führt Führerscheinprüfung ein

Aus Mexiko-Stadt berichtet

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Verkehrschaos in Mexiko-Stadt: Schluss mit dem 700-Peso-Lappen

Mexiko-Stadt ist eine der verkehrsreichsten Metropolen der Welt. Aber bislang gab es dort keine Führerscheinprüfung. Gegen eine Gebühr von rund 40 Euro durfte jeder Auto fahren.

Auf den Straßen von Mexiko-Stadt herrscht das Auto. Dem Fahrzeug wird in der 22-Millionen-Metropole mit religiöser Hingabe gehuldigt - Fußgänger und Radfahrer gelten als störende Elemente.

Wer zu Fuß oder auf dem Zweirad auf seinem Recht gegenüber dem Auto beharrt, der wird bestenfalls beschimpft und schlimmstenfalls über den Haufen gefahren.

Die Chilangos, so werden die Hauptstadtbewohner genannt, telefonieren gern beim Fahren und biegen ab, ohne zu blinken. Manchmal wird auch links geblinkt und rechts abgebogen. Dabei ist nie ganz klar, ob es die Fahrer nicht besser wissen - oder einfach nicht anders wollen. Denn bis jetzt konnte sich jeder ans Lenkrad setzen, dessen Fuß bis an die Pedale reicht. Unglaublich, aber wahr: Eine der verkehrsreichsten Städte der Welt hat keine Führerscheinprüfung. Man geht einfach zum Bezirksamt und kauft sich die Fahrerlaubnis. Kostet 704 Peso, umgerechnet 37 Euro.

Korruptionsbekämpfung mit drastischen Folgen

Das war nicht immer so. Vor zwölf Jahren schaffte die Regierung von Mexiko-Stadt die Fahrprüfung einfach ab, um die Korruption zu bekämpfen. Denn von der obligatorischen Prüfung kauften sich die Antragsteller gern mit der "Mordida", dem Bestechungsgeld, frei. Wo es keine Prüfung gibt, kann auch kein Schmiergeld fließen - so lautete die Logik hinter der Abschaffung der Führerscheinprüfung. Aber niemand dachte an die Folgen für den Straßenverkehr.

In Mexiko-Stadt sterben im Schnitt täglich drei Menschen bei Verkehrsunfällen. In einer Umfrage wurde die Metropole vor einigen Jahren zur Stadt mit dem weltweit größten Verkehrschaos gekürt: Nirgends auf dem Planeten leidet der Autofahrer mehr. Ähnlich schlecht fühlen sich nur Fahrzeuglenker im chinesischen Shenzhen und in den afrikanischen Megastädten Johannesburg und Nairobi.

Deshalb ist jetzt Schluss mit dem 700-Peso-Lappen. In dieser Woche ist eine neue Straßenverkehrsordnung in Kraft getreten, die das Chaos regeln soll. Die Höchstgeschwindigkeit wird von 70 auf 50 km/h gesenkt - und es wird künftig auch Tempo-30-Zonen geben. Aber viel wichtiger: Die Führerscheinprüfung kehrt zurück.

Einparken? Dafür gibt es Leute, die winken

Theorie, Praxis, Sehtest - das sollen fortan auch die Chilangos wieder absolvieren. Aber man hört aus der zuständigen "Secretaria de Movilidad", dass es noch am nötigen gesetzlichen Rahmen für die Prüfungen und vor allem dem Budget fehlt. Daher lässt die Umsetzung der neuen Anforderungen noch ein wenig auf sich warten. Erst Anfang 2016 soll es so weit sein.

Allerdings gilt das Führerscheingebot nicht rückwirkend. Die Mehrheit der Hauptstadtbewohner würde derzeit ohnehin keine gängige Führerscheinprüfung bestehen. Ampeln gelten vielen Autofahrern als farblich-dekoratives Element. Einparken? Kann keiner. Dafür gibt es die Parkplatzeinwinker, eine aufstrebende Berufssparte in Mexiko.

Nun also soll der Führerschein Besserung bringen. Aber dazu müssten die Parkplatzeinwinker erst mal durch eine andere, neue Berufsgruppe ersetzt werden: Denn es gibt fast keine Fahrlehrer in Mexiko-Stadt.

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