Was passiert, wenn der weltgrößte Softwarehersteller bei der bekanntesten Tuningschmiede der Welt ein Auto in Auftrag gibt? Es entsteht ein Gadget mit 400 PS - der Micro-Stang. Der Name ist ein Totalschaden, aber ansonsten kann sich die Kollaboration zwischen Microsoft und der durch die MTV-Serie "Pimp my Ride" bekannten Tuningschmiede West Coast Customs durchaus sehen lassen.
Zeigen, was geht - darum geht es Microsoft bei der Studie. Deswegen stellte der Software-Riese den Tunern einen Ford Mustang in die Halle - nebst einer Palette mit elektronischem Spielzeug made by Microsoft. Dass man Ford als Partner wählt, ist nachvollziehbar: Zum einen stellt Microsoft bereits die Technik für Ford SYNC: Das System bietet Funktionen wie Sprachsteuerung, Bluetooth und Wi-Fi. Zum anderen profitiert die - vor allem im Vergleich zu Konkurrent Apple - etwas blasse Marke aus dem Silicon Valley vom breitbeinigen Image eines Ford Mustangs.
West Coast Customs hat dann im Übermut gleich zwei Mustang-Modelle aufeinander geschraubt: Die Bodengruppe stellt ein aktueller Mustang aus dem Jahr 2012, die Karosserie ist ein Replika eines 1967er Mustang Fastback. Das ist schon ein beachtlicher Stunt - und doch erst der Anfang.
Ferngesteuerte Flüstertüte
Denn das Show-Car beeindruckt auch durch seine Performance auf der Datenautobahn. Mit seinem 4G-Drahtlosnetzwerk ist das Muscle-Car immer online, anhand einer App kann man von überall auf der Welt auf die Trickkiste zugreifen.
Zum Beispiel kann man das Auto sprechen lassen: Wie man in sein Smartphone hineinplappert, so schallt es über ein Audiosystem aus dem Auto heraus.
Und wie entscheidet man, ob nun Autodiebe weggebrüllt oder attraktive Passanten angesäuselt werden, wenn der Wagen am anderen Ende der Welt parkt? Ganz einfach: An den Stoßstangen des Micro-Stang sind Kameras eingebaut, die Livebilder übers Internet streamen. Da versteht es sich fast von selbst, dass man das Auto per Fernbedienung auch starten, verriegeln und öffnen kann.
Im Interieur ist noch mehr High-Tech untergebracht: Geschwindigkeits- und Drehzahlmesser werden auf einem Tablet-PC angezeigt, je nach Geschmack kann man sich die Instrumente im Stil des 1967er oder des 2012er Mustangs auf dem Touchscreen herbeiwischen. Daten wie Geschwindigkeit, Position, Drehzahl und Kraftstoffverbrauch werden auf der Tablet-Anzeige in Echtzeit ausgewertet und per Head-Up-Display auf die Windschutzscheibe projiziert.
Auf der Heckscheibe gibt es noch größeres Kino - das Fenster ist nämlich ein Bildschirm. Senkrecht aufgeklappt dient es als Projektionsfläche für Videos und Computerspiele. Im Kofferraum ist zu diesem Zweck die Microsoft-Konsole Xbox 360 verankert.
Was fehlt: die Killer-App
Für Microsoft geht es bei dem Projekt nach eigenem Bekunden vor allem darum "zu zeigen, was möglich ist". "Nicht viel", ist man versucht zu antworten. Denn so nett die ganzen Spielereien sein mögen, mit echten Neuheiten kommt das Konzeptauto nicht um die Ecke.
Funktionen wie Sprachsteuerung, Bedienung per App und Datenauswertung in Echtzeit finden sich inzwischen in fast allen Premiumklasse-Autos und sogar in vielen Kompakten. Und die Daddel-Ideen lassen auf den Schulhöfen dieser Welt sicher einige Kinnladen runterfallen - Entwickler versetzt man damit aber nicht ins Staunen.
Ein Auto sprechen lassen ist zweifellos ein gelungener Streich, aber den Worten müssen Taten folgen: aus einer Applikation fürs Auto wird erst dann eine Killer-App, wenn es sich damit wirklich fernsteuern lässt.
cst
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