"Jedes Jahr ein neues Modell." Dieses Mantra trägt Mini-Chef Kay Segler vor sich her. Bislang hat er auch danach gehandelt. Dreitürer, Cabrio, Kombi, Allradler, Coupé und Roadster zählen bislang zur Mini-Meute. Dabei wird es jedoch nicht bleiben, denn Segler sagt, er könne sich "mittelfristig bis zu zehn Modelle vorstellen".
Das klingt beinahe schon wie eine Drohung. Denn die Frage ist doch: Braucht die Marke Mini wirklich ein Stufenheckmodell oder eine Großraumlimousine im typischen Look, an dem man sich allmählich satt gesehen hat? Oder braucht sie gar einen Lieferwagen? Auf dem Autosalon in Genf wird nämlich genau so ein Modell stehen: die Studie Clubvan Concept.
Das Auto basiert auf dem Kombimodell Clubman und verfügt auch über dessen ungewöhnliches Türkonzept: Am Heck also gibt es zwei außen angeschlagene Türen, und auf der Beifahrerseite eine gegenläufig angeschlagene Türe zum Fond. Das soll in diesem Fall den Zugang zum Laderaum erleichtern, der durch den Verzicht auf die Rückbank entsteht. Zum Schutz vor herumfliegenden Lasten ist hinter Fahrer- und Beifahrersitz ein Trenngitter eingezogen.
Mal im Ernst: Wie soll ein Lieferwägelchen in eine Flotte überteuerter Kleinwagen passen, die vor allem von besserverdienenden Großstadt-Yuppies gekauft werden? Und welcher Handwerker oder Händler soll sich einen Laster kaufen, der ihn wahrscheinlich doppelt so viel kosten würde wie ein Renault Kangoo, aber nicht einmal halb so viel Platz bietet? Doch vielleicht hat Mini ja Kunden wie die Dessous-Kette Victoria's Secret oder den Edeljuwelier Tiffany im Visier; bei diesen wären die Päckchen hinreichend klein und die Gewinne ausreichend groß, um Lieferwagen wie den Clubvan einzusetzen.
Vielleicht gibt es das Auto auch nur, weil eine große Automesse wie der Salon in Genf nicht ohne Mini-Neuheit stattfinden soll. Vielleicht aber drängt es die Marketingstrategen aus München tatsächlich ins Flottengeschäft. Dort wittern auch andere Hersteller gute Geschäfte, und begünstigt durch modulare Fahrzeug-Plattformen sind passende Modellvarianten rasch zusammengeschustert. Ob aber ausgerechnet eine Marke wie Mini, die das Wort Premium geradezu inflationär bemüht, mit einem Lieferwagen auf dem richtigen Weg wäre, muss bezweifelt werden. Obwohl der Clubvan irgendwie schon ganz schick aussieht.
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