Der erste Eindruck: Muss dass sein? Als wäre der Countryman nicht schon auffällig genug, haben die Briten den hochgebockten Mini jetzt als Sportmodell John Cooper Works noch weiter aufgespritzt. Wie Asterix nach einem großen Schluck Zaubertrank protzt und posiert der Fünftürer im Stadtverkehr. Zweifarbige Kriegsbemalung, wuchtige 18-Zoll-Räder, Spoiler und Schürzen aus dem Aerodynamik-Paket und ein tiefergelegtes Fahrwerk - zumindest kann den Wagen so wirklich keiner mehr übersehen.
Das sagt der Hersteller: Ähnlich wie die M GmbH innerhalb von BMW versteht auch Mini den Tuning-Ableger John Cooper Works als Marke in der Marke. Und John Cooper Works, kurz: JCW, hat das Sortiment mit dem Countryman jetzt komplettiert. Nun existiert für alle sieben aktuellen Mini-Baureihen ein Sportmodell, und auf die aufgebrezelten Varianten entfallen im Schnitt zwei Prozent der Zulassungen. Bei JCW-Aufpreisen von rund 6000 Euro auf das jeweils teuerste Normalomodell ist das kein schlechtes Geschäft.
Dass nun auch das Allradmodell Countryman getunt wird, ist in gewisser Weise eine Verwässerung des bislang fetzig-kompakten JCW-Images. Andererseits: Wenn man einen guten Deal machen kann und es genug Nachfrage nach einem getunten Kompakt-Allradler gibt, dann verzichtet man offensichtlich gern auf ein wenig Purismus in der Außendarstellung. Ausreichend sportlich ist der Countryman JCW ja immer noch, und um das zu unterstreichen, ist auch das aktuelle Rallyeauto von Mini im Look des Countryman gestaltet.
Das ist uns aufgefallen: Es ist bemerkenswert, wie geschickt Mini auf der Klaviatur der Motor- und Modellvarianten spielt. Was mit einer Karosserie und einem Antrieb begann, ist inzwischen eine fein verästelte Modellfamilie mit Dutzenden Ablegern. Das macht sonst mit so viel Erfolg nur Porsche beim 911. Und die Kunden zahlen - auch das eine Parallelität zu den Schwaben - für die Sportversionen bereitwillig ein Heidengeld.
Das muss man wissen: Dank eines neuen Ladeluftkühlers für den Turbomotor kommt der Countryman auf 218 PS und wird damit zum stärksten Mini im Modellprogramm - wenngleich der Vorsprung auf die anderen JCW-Modelle lediglich sieben PS ausmacht. Allerdings ist der Wagen auch der durstigste Spross der Sippe: schon im Normzyklus gönnt sich der Motor 7,4 Liter.
Im Herbst startet der Verkauf des Autos zu Preisen ab 34.800 Euro. Der Countryman JCW verfügt bereits über ein paar Details, die auch in den anderen Mini-Typen sukzessive Einzug halten werden. Dazu gehören beispielsweise Fensterheberschalter, die nun in den Türen sitzen, und nicht mehr in der Mittelkonsole. Und der Wagen ist das erste JCW-Modell, das es auch mit Automatikgetrieb gibt.
Die Spitzenstellung in der Mini-Familie wird dem Countryman JCW momentan aber von einem noch auffälligeren Sondermodell streitig gemacht: Für 36.800 Euro baut Mini 2000 Exemplare des John Cooper Works GP, der Rennstrecken-Atmosphäre auf die Straße bringen soll. Das Auto ist abgeleitet vom normalen Dreitürer, übernimmt den 218 PS-Motor, ist als Zweisitzer konfiguriert und erhält ein noch strammeres Fahrwerk sowie noch größere Spoiler. Das Gewicht des Sondermodells beläuft sich auf 1160 Kilo, den Sprint von 0 auf 100 schafft das Auto in 7,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 225 km/h und Nordschleifen-Bestzeit bei 8:23 Minuten.
Das werden wir nicht vergessen: Wie viel Spaß man mit dem Mini haben kann, wenn man sich erst einmal an leicht pubertären Mätzchen gewöhnt hat. Dann findet man Gefallen am kehligen Klang des 1,6-Liter-Turbomotors und spürt erfreut die Konturen der sportlich geschnittenen Sitze, wenn der Vierzylinder mit maximal 300 Nm zupackt. Der Zeiger des Drehzahlmessers im rot eingefassten Cockpit schnellt nach oben, der flotte Landmann macht einen Satz nach vorn, und ehe man sich's versieht, bewegt man sich außerhalb der StVO.
Tempo 50 in der Stadt und Tempo 100 auf dem Land - da muss man schon ein bisschen aufpassen, wenn man nach der Fahrt keine Erinnerungsfotos aus Flensburg bekommen möchte. Immerhin schafft der Countryman den Standardsprint in 7,0 Sekunden und rennt locker 225 km/h. Solche Fahrdaten bieten andere Autos zwar auch, doch das straff gefederte Fahrwerk und das wirklich knusprige Fahrgefühl vor allem auf kurvigen Strecken verlocken immer wieder, es mit diesem Auto etwas zu überreizen.
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