Mini Coupé: Flachmann mit hohem Spaßfaktor

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Ein Dach wie eine falsch herum aufgesetzte Baseball-Kappe, ein knackiges Fahrwerk und kräftige Motoren: So gibt der Mini Coupé den Sportwagen für ewig Junggebliebene. Eine Probefahrt mit einem der ersten Prototypen - noch vor der IAA-Premiere und dem Verkaufsstart im Oktober.

Mini Coupé: Mützenschild nach hinten Fotos

Wer an Mini denkt, denkt oft an die Ikone, die einst die Rallye Monte Carlo gewann. Die vielen Derivate sind dagegen in Vergessenheit geraten. Der Kastenwagen etwa, der ein Jahr nach dem Mini-Debüt 1959 vorgestellt wurde, oder die Kombiversion Estate, der Pickup und das Freiluftwägelchen Mini Moke. Doch bei BMW besitzt man ein langes Gedächtnis. "In der Geschichte des Mini gibt es fast nichts, was es nicht gibt", heißt es bei der Konzern-Mutter der englischen Marke.

Mit Berufung auf diese vielfältige Tradition wirkten die bayerischen Herren im Hause Mini, die 2001 mit dem Mini One den Kleinwagen-Mythos wiederbelebten, von Anfang an der Monokultur entgegen. Auf den Dreitürer folgten das Cabrio und der etwas länger gestreckte Clubman, dann kam der viertürige SUV-Mime Countryman - und im September wird Mini-Designchef Anders Warming auf der IAA in Frankfurt das Tuch von einem neuen Coupé ziehen. "Auch diese Modellvariante hat bei Mini Tradition", sagt Warming und zeigt alte Fotos von Mini-Umrüstungen namens Broadspeed, Unipower, Marcos oder Midas.

Während diese Garagen-Umbauten - vorsichtig ausgedrückt - recht eigenwillig wirken, ist das neue Mini Coupé stilistisch ein großer Wurf. Der zum Zweisitzer degradierte Winzling steht knackig auf der Straße, wirkt kräftig und kess. Das verdankt er dem eigenwilligen Kappen-Dach, das kurz und knuffig auf der um 13 Grad schräger gestellten Front- und der lang gezogenen Heckscheibe sitzt. Inklusive Dachspoiler und dem Zuschnitt der hinteren Seitenscheiben sieht es aus wie eine verkehrt herum aufgesetzte Baseballkappe. Die Optik soll dem 3,73 Meter langen Coupé etwas Lausbubenhaftes geben.

Viel zu sehen ist davon momentan noch nicht. Denn alles wirklich Interessante ist vorerst noch mit Tarnfolie abgeklebt. Schließlich ist es noch drei Monate hin bis zur Weltpremiere, und verkauft wird das Auto erst ab 1. Oktober. Derzeit will Mini auf die Fahrdynamik des kleinen Coupés aufmerksam machen. "Wir haben viel investiert, damit das markentypische Go-Kart-Gefühl besonders gut heraus kommt", sagt Heinz Krusche aus der Fahrwerksentwicklung.

Ein Vorteil ist schon mal der niedrigere Schwerpunkt, weil das Auto drei Zentimeter flacher ist. Auf der anderen Seite wiegt der Wagen aufgrund der großen Heckklappe etwa 25 Kilogramm mehr als der normale Dreitürer. Deshalb wurden alle elektronischen Regelsysteme neu abgestimmt und Dämpfer sowie Stabilisator an der Hinterachse stärker dimensioniert. Die auffälligste Änderung ist der kleine Heckspoiler, der bei Tempo 80 automatisch ausfährt. Für die Stabilität erforderlich sei der zwar nicht, sagt Krusche. Doch neben dem Showeffekt bringt er bei Vollgas 40 Kilogramm zusätzlichen Abtrieb auf die Hinterachse. "Das hilft bei schnellen Kurven und verbessert das Lenkgefühl.

Der Spaßbringer aus der Hütchengasse

Entsprechend flott fegt der Flachmann über die enge und kurvenreiche Teststrecke. In einem Parcours, in dem man wahrscheinlich schon am Volant des Countryman ordentlich arbeiten müsste, wuselt das Coupé mühelos durch Schikanen und Hütchengassen. Bereits der kleinste Lenkradeinschlag führt zum Richtungswechsel. Die Sensibilität der Lenkung erfordert zwar ein wenig Gewöhnung, doch dann beginnt schnell ein gewisser Suchtfaktor zu wirken. Zumal das Mini Coupé dank des 211 PS starken Turbomotors aus der Modellvariante John Cooper Works auch noch über das entsprechende Spurtvermögen verfügt.

Die Maschine ist die kräftigste von insgesamt vier Varianten, die es für das Auto geben soll. Geplant sind noch zwei weitere 1,6-Liter-Benziner mit 122 und 184 PS sowie als Diesel eine 2,0-Liter-Maschine mit 143 PS. Alle Coupés fahren damit schneller als 200 km/h, gleichzeitig verbraucht kein Typ mehr als 7,1 Liter - zumindest auf dem Prüfstand. Nach 20 Runden auf dem Rennkurs dagegen zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von weit über 20 Litern an.

Was bei der ersten Ausfahrt neben dem beachtlichen Spaßfaktor noch auffällt, ist das Platzangebot: Weil die Verkleidung über den beiden Sitzen je eine kleine Ausbuchtung hat, gibt es selbst unter dem Flachdach genug Kopffreiheit. Und weil man keine Rücksicht auf Hinterbänkler nehmen muss, haben jetzt auch lange Beine ausreichend Platz. Schade nur, dass es nicht auch für ein neues Interieur gereicht hat. Die Kofferraumabdeckung mit zwei kleinen "Powerdomes", unter denen die Lautsprecher der Musikanlage sitzen, zeugt zwar von einer gewissen Liebe zum Detail. Doch vorn blickt der Coupé-Fahrer auf das bekannt verspielte Einerlei wie im Dreitürer - und fingert durch eine billige Plastiklandschaft. Dabei wird auch das Coupé - wie jeder Mini - kein Schnäppchen werden. Markenchef Kay Segler sagt: "Den Umbau zum Zweitürer gibt's nicht zum Nulltarif." Der Aufpreis wird zwischen 1500 und 2000 Euro betragen; das Basismodell dürfte also etwa 21.000 Euro kosten.

Im nächsten Frühjahr folgt dann die Roadster-Variante

Unter der Heckklappe gähnt ein Kofferraum mit 280 Liter Fassungsvermögen, davon können die Fahrer des Dreitürers nur träumen. "Außen klein, innen groß - dieses Markenversprechen gilt für das Coupé ganz besonders", sagt Designchef Warming. Und führt anschließend ein zusätzliches Staufach im Unterboden und die Durchreiche in der Trennwand vor.

Obwohl die offizielle Weltpremiere noch aussteht, geht hinter den Kulissen geht die Familienplanung bereits weiter. "Wir haben 2002 mit einem Fahrzeug und drei Varianten begonnen. Jetzt, knapp zehn Jahre und beinahe zwei Millionen Autos später, haben wir fünf Karosserievarianten und 35 Modelle im Programm", sagt Mini-Marketingchef Jörg Dohmen. Schon im Frühjahr gehe es weiter mit dem Roadster, also der offenen Variante des Coupés. Und danach? "Sehen Sie sich die Studie Paceman an", heißt es bei Mini, "die wird ihnen womöglich bald wieder begegnen."

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insgesamt 20 Beiträge
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1. ....
Pepito_Sbazzagutti 09.06.2011
Sieht immerhin nicht so stinklangweilig aus wie ähnliche Modelle anderer Hersteller.
2. Schön ist anders!
Gegengleich 09.06.2011
Zitat von Pepito_SbazzaguttiSieht immerhin nicht so stinklangweilig aus wie ähnliche Modelle anderer Hersteller.
Das ist auch das einzig positve am Design. So wie in den Bildern dargestellt halte ich dieses Auto eher für einen würdigen Nachfolger des Fiat Multipla - als häßlichstes Auto.
3. Autsch!!!
dreinachvier 09.06.2011
welcher zwölfjährige hat denn das design zusammengeklatscht? der schlägt ja in seiner hässlichkeit, sogar den porsche panamera um längen. Liebe Autohersteller, bitte, bitte, bitte, gebt euch doch wieder mehr mühe und baut schöne Autos!
4. Coupé?
Art Mooney 09.06.2011
Was für ein Design! Eine Kreuzung aus MG TF mit ´nem Opel Tigra. Hey, Designer bei Mini, habt Ihr noch nie ein Coupé gesehen? Das hier ist ein wirklich hässlicher Entwurf, da hilft auch die "umgekehrt aufgesetzte Baseballkappe" nichts, von der im Mini-Marketing schon ewig geschwafelt wird. Baseballkappe ist out, ist das noch nicht angekommen? Wie kann man denn den schönen alten Mini nur immer mehr ins Lächerliche ziehen? Und ein Verbrauch von 20 Liter... Aber die Kiste wird sich trotzdem verkaufen. Selbst Bangle Design wurde gut verkauft.
5. Teuer genug um Verkaufsschlager zu werden
Tahouin 09.06.2011
Zitat von GegengleichDas ist auch das einzig positve am Design. So wie in den Bildern dargestellt halte ich dieses Auto eher für einen würdigen Nachfolger des Fiat Multipla - als häßlichstes Auto.
Dennoch wird es sich gut verkaufen - dafür sorgt schon der hohe Preis, der ja etwas besseres als bei der Konkurrent gekauft suggeriert und das "ich kann es mir leisten, meine Frau in so etwas zu setzen"-Image des BMW Mini. ...auf ewig rotiert John Cooper in seinem Grab - Gott hab ihn seelig!
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