Mini "Inspired by Goodwood": Ein Rolls wie ein Opern-Handtäschchen

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Was kommt dabei heraus, wenn ein Designer von Rolls-Royce den Mini verfeinert: Ein Kleinwagen mit Klavierlack, Walnuss-Wurzelholz und Walknappa-Leder für 46.900 Euro. Der kleine Krösus ist kein Einzelfall. Auch Fiat und Aston Martin folgen dem Trend zum Nobelzwerg.

Mini à la Rolls-Royce: Luxus im Kleinformat Fotos

Die Marke Mini ist für BMW so etwas wie eine automobile Melkkuh. Nicht nur, dass sich die Retro-Kleinwagen verkaufen wie geschnitten Brot, sondern darüber hinaus bestellen die Kunden auch noch jede Menge Extras und treiben den Preis damit bereitwillig in die Höhe. "Kein anderer Hersteller in Europa hat eine höhere Ausstattungsrate", sagt ein Mini-Manager. Mehr als 3000 Euro investiere ein Mini-Käufer im Durchschnitt in Ausstattung und Accessoires. Bislang geschah dies per Streifzug durch die Aufpreisliste, die das Format einer Zeitschrift erreicht. Künftig muss das gar nicht mehr sein. Denn in der Woche vor Ostern zeigt Mini auf der Autoshow in Shanghai das Sondermodell "Inspired by Goodwood", und in dem Wagen sind alle verfügbaren Extras schon an Bord - und noch ein bisschen mehr.

Die auf 1000 Exemplare limitierte Sonderserie stammt aus der Feder von Alan Sheppard, der im Hauptberuf das Design der vornehmen BMW-Marke Rolls-Royce verantwortet. Für den Edel-Mini hat Sheppard das Lager der Manufaktur am Rolls-Royce-Firmensitz in Goodwood geplündert. Wie die Luxuslimousine Phantom funkelt nun auch der Mini im Farbton "Diamond Black Metallic" und empfängt den Besitzer im Innenraum mit einem warmen, beigen Ambiente in Cornsilk. Der Knirps hat die gleichen dicken Teppiche wie ein Rolls-Royce, ist mit Walnuss-Furnieren aus der Holzabteilung der Nobelautobauer ausgeschlagen, trägt auf Sitzen und an den Türen weiches Leder sowie Zierkonsolen mit Walknappa-Überzug. Selbst die Tasten des Multifunktionslenkrads sind mit Klavierlack überzogen, und sogar die Instrumente wurden behandelt: Sie verfügen nun über schwarze Ziffernblätter mit den gleichen Schrifttypen wie die Rolls-Royce-Modelle.

Aus unverständlichen Gründen blieben allerdings die verchromten Zierringe und Schalter unangetastet. Sie sind weiterhin aus Plastik und fühlen sich auch so an. Das satte Klacken und die sanfte Kühle, die die Hebel und Schalter aus dem großen Vorbild so unverwechselbar machen, sucht man vergebens. für Menschen, die gerne ihrem Tastsinn folgen ein entscheidender Makel.

Auch in Goodwood wurde gespart

Auch die Technik ließen die Ingenieure unangetastet. Die Erklärung dafür liegt allerdings auf der Hand: Der 6,75 Liter große V12-Motor des Phantom würde wahrscheinlich nicht mal in den Innenraum, geschweige denn unter die Haube des Kleinwagens passen. Es bleibt also beim bekannten Vierzylinder-Turbo mit 184 PS, dem Aggregat aus dem Cooper-S-Modell - was indes kaum einen Nachteil darstellt. Zumal sich Mini in diesem Fall die etwas prollige Lufthutze verkneift - das Auto trägt die geschlossene Motorhaube des Dieselmodells.

Der maßgeschneiderte Smoking aus Goodwood macht den Mini nicht nur zum nobelsten Kleinwagen der Firmengeschichte, sondern auch zum teuersten. Mit einem Grundpreis von 46.900 Euro kostet das Auto dreimal mal so viel wie das Basismodell. Und selbst gemessen am 23.650 Euro teuren Cooper S beträgt der Aufschlag rund 100 Prozent. Noch eindrucksvoller: Fürs gleiche Geld gibt's bei der Konzernmutter BMW einen gut ausgestatteten 5er.

Dass der exorbitante Preis den Nobel-Mini zum Ladenhüter machen könnte, fürchten die Verantwortlichen jedoch nicht. Sie verweisen auf entsprechende Vorbilder, die augenscheinlich gut funktionieren. Aston Martin etwa hat einen Dreisitzer zum Mittelklasse-Tarif im Angebot. Er heißt Cygnet und gibt für Preise ab 37.995 Euro im Verständnis von Firmenchef Ulrich Bez "das elegante Beiboot zu Modellen wie dem Rapide oder dem Vantage".

Technisch basiert der Knirps auf dem Toyota iQ mit 98 PS, und wie bei Mini gibt es unter der Haube keinerlei Änderungen. Dafür allerdings schlägt Aston Martin den Cygnet nicht nur mit demselben Leder aus wie Vantage und Co und dekoriert den Innenraum mit Chrom, Karbon und Aluminium; die Briten schmücken den gesichtslosen Japan-Winzling auch von außen mit einer Aston-Martin-Anmutung. Ursprünglich nur als Zweitwagen für Aston-Martin-Besitzer avisiert, soll der Wagen nun doch für Jedermann erhältlich sein.

Ferrari-Schminke für den Fiat 500

Dritter im Bunde der aufgebrezelten Kleinwagen ist der Fiat 500. Weil die Italiener mit dem Retro-Mobil auch Kunden aus gehobenen Fahrzeugsegmenten ansprechen, haben sie schon vor einiger Zeit eine besondere Serie aufgelegt: in Ferrari-Rot lackiert, mit Ledersitzen der italienischen Manufaktur Paltrona Frau, mit tiefer gelegtem Fahrwerk und rot lackierten Bremssätteln steht das Auto seitdem als Ersatzwagen bei vielen Ferrari-Händlern. Entwickelt wurde das Wägelchen in Turin und Maranello, gebaut wurden 200 Exemplare, die in wenigen Monaten vergriffen waren.

Für Branchenkenner wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sind die kleinen Nobelhobel ein ideales Marketing-Instrument. "Beim Cygnet waren sicher auch der CO2-Ausstoß und der Flottenverbrauch ein Thema, weil das Auto schließlich als Aston Martin verkauft wird", sagt der Automobilwirtschaftler. "Bei Fiat und Mini jedoch spielt die CO2-Bilanz keine Rolle, denn da sind die Stückzahlen eher wie ein Tropfen Wasser im Ozean."

Dass der Mini "Inspired by Goodwood" ein großer Erfolg wird, hält Dudenhöffer jedoch für fraglich: "Rolls-Royce und Mini trennt eben doch mehr, als die beiden Marken verbindet." Stattdessen wertet der Experte solche Sonderserien als Versuch, ein wenig Leben in die Modellreihen zu bringen. "Das ist sicher nicht der ganz große Sturm, aber immerhin ein Lüftchen."

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Spitze
Sabi 14.04.2011
Zitat von sysopWas kommt dabei heraus, wenn ein Designer von Rolls-Royce den Mini verfeinert: Ein Kleinwagen mit Klavierlack, Walnuss-Wurzelholz und Walknappa-Leder für 46.900 Euro. Der kleine Krösus ist kein Einzelfall. Auch Fiat und Aston Martin folgen dem Trend zum Nobelzwerg. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,756712,00.html
Spitze der Dekadenz ist mit 45.000 € für einen Mini erreicht !
2. Jo
Leser161 14.04.2011
Auto gefällt mir. Aber warum kostet das jetzt das Doppelte? Soviel kann das bisschen Leder und Holz ja nun nicht wert sein. Und was muss ich abdrücken, wenn den Tachozierring in Metall will? 1000 Euro?
3. Äpfel und Birnen
cor 14.04.2011
Zitat von sysopEr heißt Cygnet und gibt für Preise ab 37.995 Euro im Verständnis von Firmenchef Ulrich Bez "das elegante Beiboot zu Modellen wie dem Rapide oder dem Vantage".
Aha, sehr interessanter Vergleich. Und jetzt zeigt mir bitte Herr Bez wo bei Mini oder BMW das Pendant zum Rapide oder Vantage ist. Ich bin äusserst gespannt. Der Vergleich ist völliger Bullsh..... nichtsdestotrotz glaub ich sofort, dass sich der Mini verkaufen wird. Aber nicht Besitzer von diversen Luxus-Autos werden diesen kaufen, sondern irgendwelche Mini-Fans, die jegliches Mass verloren haben und denken, dass sie vor der Eisdiele irgend jemand mit dieser Möchtegern-Nobel-Semmel am Sonntag Mittag beeindrucken könnten - oder beim nächsten Mini-Treffen an der Tanke. Für 46k gibt's eindeutig bessere und exklusivere Autos.
4. Da hört halt die Serienfertigung auf...
cone-a 14.04.2011
...und ein Haufen Topspezialisten in Goodwood schneiden von Hand Leder und Teppiche für den Zwerg zurecht. Daß das nicht gerade wirtschaftlich ist, dürfte auf der Hand liegen. Ganz ehrlich gesagt finde ich den Preis für den RR-Mini einigermaßen angemessen im Vergleich zu den Unverschämtheiten, die in der "normalen" Mini-Preisliste auftauchen. Z.B. 2000 € Aufpreis für das Business-Navi. Also, wer's braucht...
5. Passt schon
Schnarchhahn 14.04.2011
Zitat von Leser161Auto gefällt mir. Aber warum kostet das jetzt das Doppelte? Soviel kann das bisschen Leder und Holz ja nun nicht wert sein. Und was muss ich abdrücken, wenn den Tachozierring in Metall will? 1000 Euro?
Warum kostet ein Audi soviel mehr als der entsprechende VW? Soviel kann das bisschen Weichmacher und Softlack ja nicht Wert sein. Jetzt mal ernsthaft. Praktisch jedes (deutsche) Auto läßt sich durch Extras auf das Doppelte des Grundpreises hieven. Der Rolls-Royce-Mini soll ja angeblich schon serienmäßig Vollausstattung haben. Dementsprechend fällt der Aufpreis für aufwendigste Lackierung, hochwertigstes Leder und Furnier sowie die handwerkliche Verarbeitung regelrecht günstig aus.
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