Mini Rocketman: Zurück zur alten Größe

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Mini denkt um: Nachdem die Autos der britischen Marke unter bayerischer Regie immer größer und schwerer geworden sind, kehrt die Studie Rocketman zu den Wurzeln zurück. Die BMW-Tochter könnte einen Smart-Konkurrenten gut brauchen - oder ist das Auto nur ein Messe-Gag?

Mini-Studie Rocketman: Eine Nummer kleiner Fotos

Als Alec Issigonis vor gut einem halben Jahrhundert den Mini entwarf, wollte er von Luxus nichts wissen. Nicht einmal über ein Radio ließ der Konstrukteur der British Motor Company anfangs mit sich reden. Seit Mini zu BMW gehört, ist Askese jedoch verpönt. Der Kleinwagen aus England wurde zum Luxus-Zwerg, für den die Kunden im Durchschnitt für 3500 Euro Extras ordern. Auch den ursprünglichen formalen Minimalismus des Autos gibt es nicht mehr. Der Ur-Mini ist 3,05 Meter lang, mit dem neuen Modell Countryman durchbrachen die Münchner kürzlich erstmals die Vier-Meter-Marke.

Doch jetzt besinnen sich die Verantwortlichen offenbar wieder auf die Kernwerte - zumindest auf dem Genfer Auto-Salon (3. bis 13. März). Denn dort zeigt Mini eine Studie, die auf den ersten Blick wie ein Klon des Klassikers aus den fünfziger Jahren aussieht: Mit 3,41 Metern immerhin 30 Zentimeter kürzer als das aktuelle Modell und vergleichsweise schlichtem Interieur, zeigt sie die Vision eines Mini-Mini und passt damit perfekt zum aktuellen Downsizing-Trend. Nur der Name irritiert: Rocketman soll wohl nach Höhenflug klingen, Pocketman hätte besser gepasst.

"Wir wollen zeigen, dass wir uns durchaus Gedanken über kleinere Konzepte machen und der Mini auch wieder schrumpfen kann", sagt Designer Oliver Sieghart über die Studie, an der seit gut einem Jahr gearbeitet wurde. Die Studie Rocketman sollte die alten Proportionen aufnehmen, ohne zum Retromobil zu werden. Im Gegenteil: Nur die beiden Dellen in den Flanken zitieren die außen liegenden Türscharniere von früher, und natürlich bleiben die Kulleraugen-Scheinwerfer erhalten. Doch in den Kühlergrill wurde hundertfach das Markenlogo gestanzt und die Rückleuchten ragen wie Henkel aus dem Heck.

Obwohl Mini erkennbar mit dem Ur-Modell kokettiert, wird es unter BMW-Regie kein Billigmodell für die Basimobilität geben. "Auch für einen Kleinstwagen gilt der Premium-Gedanke, deshalb ist dieses Auto für uns keine Verzichtserklärung", sagt Sieghart. Im Gegenteil: Feines Nubukleder ziert die Sitze und kaschiertes Papier wertet die Konsolen des Interieurs auf.

Lichtspielereien hinter transparentem Wachspapier

Der Clou der Studie ist eine Lightshow: Hinter Waben aus gefaltetem Wachspapier schimmert der Rocketman-Innenraum mal rot, gelb oder blau. "Das entspricht dem jeweiligen Fahrszenario und korrespondiert mit der Anzeige auf dem Center Globe, der Weiterentwicklung des zentralen Kombiinstruments ist", sagt der Designer. Fährt man solo im Rocketman, gibt er die kleine Rakete. Das Interieur glüht rot und über den 3D-Bildschirm flimmert im "Chase Mode" eine virtuelle Verfolgungsjagd, bei der man gegen sich selber fährt. Ob man sich damit noch auf den Verkehr konzentrieren kann, ist durchaus fraglich.

Hat man den Partner an Bord, sorgt der Mini mit orangefarbenem Licht für romantische Stimmung. Via Bluetooth liest die Elektronik die Smartphones der Insassen aus und sucht aus Musiklisten und Adressbüchern jeweils die Schnittmenge heraus. Während der Rocketman zum gemeinsamen Lieblingsitaliener navigiert, läuft also auch noch der Lieblingssong beider Insassen. Ist der Fahrer mit Kumpels unterwegs, wechselt der Mini ins blaue Szenario, wird zum Party-Mobil und sucht mit dem "Buddy-Finder" nach weiteren Freunden und Mini-Fahrern in der Gegend.

Wer vorn sitzt, sitzt sehr komfortabel

"Der wahre Luxus ist in dieser Klasse aber der Platz", sagt Sieghart und öffnet die Tür zu einer überraschend geräumigen Lifestyle-Lounge. Obwohl äußerlich knapp geschnitten, wirkt der Rocketman innen großzügiger als der normale Mini. Zumindest vorn. Dafür haben die Designer das Cockpit neu gestaltet und stärker auf den Fahrer zugeschnitten. Die Sitze sind überaus dünn und der Sozius rückt ein Stückchen nach vorn. Hinten geht es enger zu. Nur rechts im Fond gibt es ein ordentliches Sitzpolster, links lediglich einen Notsitz. Bevor dort jemand Platz nimmt, muss man erst den Rucksack entfernen, den die Designer dort verstaut haben.

Neue Wege geht Mini auch beim Türkonzept. Damit man auch in engen Parklücken selbst nach hinten bequem einsteigen kann, sind die Seitentüren extrem lang, aber dafür mit einem doppelten Scharnier angeschlagen. Ähnlich wie seinerzeit beim Renault Avantime, öffnen die Türen nach vorn und zur Seite und geben so einen großen Durchschlupf frei, ohne selbst viel Raum zu beanspruchen. Ähnlich pfiffig ist die Schublade unter der Heckklappe: Sie dient wahlweise als zusätzlicher Gepäckträger oder als Einschub für die Einkäufe.

Der Motor fehlt noch, ein passender Dreizylinder wird erst entwickelt

Der Rocketman soll nicht nur Verkehrsfläche, sondern vor allem Sprit sparen. So passt unter die Haube auch der kommende Dreizylindermotor, den BMW gerade entwickelt. Außerdem nutzen die Entwickler ihre Karbon-Erfahrung, um auch bei diesem Modell das Gewicht zu drücken. Die Karosseriestruktur ist aus Kohlefaser gebacken. Das sieht man am besten von oben, wo der Karbonrahmen unter dem beleuchteten Plexiglasdach die Streben des Union-Jack nachbildet. "So dürfte der Rocketman deutlich unter 1000 Kilo wiegen und auf einen Verbrauch von drei Litern kommen", sagt Mini-Sprecher Cypselus von Frankenberg.

Ein Dilemma des Rocketman sind die vielen neuen Ideen. Sie machen das Auto einerseits attraktiv, andererseits aber auch extrem teuer. Eben weil es noch keine Plattform gibt, weil Karbon noch viel mehr kostet als Stahl und der neue Motor auch noch nicht fertig ist. All das spricht nicht für eine schnelle Umsetzung. Auch von Frankenberg bleibt zurückhaltend: "Bei unseren letzten Showcars war die Serienfreigabe meist nur eine Formsache. Aber im Fall des Rocketman ist das Ergebnis völlig offen."

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Verunglücktes Design
README.TXT 23.02.2011
Gibts heute keine gescheite Designausbildung mehr? Wird dort nur noch die Bedienung des Modellierungsprogrammes gelehrt? Die Henkel, die Türschaniere, das Dach, ... das ist alles zu viel. Das ist designtechnischer Doppelgenickbruch.
2. Fetter Knirps
wakaba 23.02.2011
Wie wärs eigentlich einfach mal alles unnötige wegzulassen. Dann kriegt man auch ein Blechauto auf 600kg runter. Die Studie ist adipös, die Detaillösungen blöd. Stattdessen endlich mal ein anständiges Fahrwerk und ein haltbarer einfacher Einnocker 2l Saugbenziner im 600kg Mini mit 130 echten PS anstatt Playstation (PS).
3. Gegen Titel
cor 23.02.2011
Zitat von wakabaWie wärs eigentlich einfach mal alles unnötige wegzulassen. Dann kriegt man auch ein Blechauto auf 600kg runter. Die Studie ist adipös, die Detaillösungen blöd. Stattdessen endlich mal ein anständiges Fahrwerk und ein haltbarer einfacher Einnocker 2l Saugbenziner im 600kg Mini mit 130 echten PS anstatt Playstation (PS).
Ah ja. Ziel-Kundschaft verfehlt? Der Mini soll nicht dem Lotus Elise Konkurrenz machen sondern ist für Leute gedacht, die ein kleines flottes Stadt-Auto haben wollen, mit dem sie am WE auch mal zum Snowboarden fahren können. Ich find die Studie sehr schön und die Neuerungen sehr innovativ. Da gibt es deutlich schlechtere Studien.
4. Grausliches Teil.
der lurch 23.02.2011
Designtechnischer overkill. Das blaubeleuchtete "Party-Mobil" für die abendliche Exctasy-Tour mit guten "Kumpels". Howdy. Design-Schnösel meets BWL-Schnösel. Selbsterhaltende Systeme nennt man das. Aber solange die café latte-Trinker und -Trinkerinnen sowas kaufen, soll er doch gebaut werden. Hauptsache das Teil ist hip und hat eine I-Phone docking station. Wichtiger wären allerdings zukunftsweisende Antriebskonzepte jenseits von Diesel und Benzin. Aber das ist sicher nur gutmenschelnde Miesmacherei.
5. Ganz genau!
Matthias Hofmann 23.02.2011
Zitat von der lurchDesigntechnischer overkill. Das blaubeleuchtete "Party-Mobil" für die abendliche Exctasy-Tour mit guten "Kumpels". Howdy. Design-Schnösel meets BWL-Schnösel. Selbsterhaltende Systeme nennt man das. Aber solange die café latte-Trinker und -Trinkerinnen sowas kaufen, soll er doch gebaut werden. Hauptsache das Teil ist hip und hat eine I-Phone docking station. Wichtiger wären allerdings zukunftsweisende Antriebskonzepte jenseits von Diesel und Benzin. Aber das ist sicher nur gutmenschelnde Miesmacherei.
Zuerst das Original genommen und mit Luftpumpe aufgeblasen, jetzt das Ganze wieder zusammengequetscht. - Sieht immer grausliger aus.
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