Autogramm Mazda 6: Alle mal herschauen

Von Tom Grünweg

Mazda 6: Dressman aus Hiroshima Fotos
Mazda

Hundert Kilo abspecken, den Verbrauch um 20 Prozent drücken, das kann nicht nur der VW Golf, sondern auch Mazdas neues Mittelklassemodell. Doch der Mazda 6 ist nicht nur sparsam - sondern verschafft dem Fahrer auch Momente, die man sonst nur mit Supersportwagen erleben kann.

Der erste Eindruck: Respekt, endlich mal ein japanisches Auto, das lieber bunter Hund als graue Maus sein will. Inspiriert von den Studien Kodo und Takeri ist aus dem neuen Mazda 6 ein richtig leidenschaftlich geformtes Auto geworden. Scharfe Kanten, schlanke Konturen und kräftige Muskeln, ein verführerischer Scheinwerferblick und eine fesche Chromspange durch Kühlergrill und Scheinwerfer - da schaut man gern ein zweites Mal hin. Und das gilt nicht nur für den Kombi, der zuletzt auf einen Verkaufsanteil von mehr als 80 Prozent kam, sondern auch die früher stinklangweilige Limousine ist nun ein Blickfang.

Das sagt der Hersteller: Mazda nennt den 6er einen Meilenstein. Nicht nur, weil er konsequent die neue Designsprache umsetze, sondern auch, weil er technisch wegweisend sei. Motoren, Getriebe, Fahrwerk und Chassis stammen aus dem neuen Skyactiv-Baukasten und sollen vermeintliche Gegensätze vereinen - Fahrvergnügen und Effizienz, Komfort und Agilität, maximale Sicherheit und geringes Gewicht.

Zumindest letzteres ist auch belegbar: Ähnlich wie VW beim Golf hat Mazda allein durch den intelligenten Umgang mit konventionellen Materialien, also ohne Carbon et cetera, beim Gewicht bis zu 100 Kilogramm eingespart. Allerdings machen die Japaner nicht so viel Gewese darum wie die Niedersachsen.

Für Mazda ist die neue 6er-Baureihe ein Herausforderer für Modelle wie Renault Laguna, Toyota Avensis oder Opel Insignia, und zugleich ein Hoffnungsträger gegen die heraufziehende Krise. Mit dem frischen Typen CX-5, Mazda 6 und dem kommenden Mazda 3 hofft Deutschland-Chef Jo Schmid, im nächsten Jahr mit einem blauen Auge durch die Absatzflaute zu kommen.

Das ist uns aufgefallen: Dass der Mazda 6 nicht nur gut aussieht, sondern auch gut fährt. Das Auto bewegt sich flüsterleise, das Fahrwerk ist sehr komfortabel und die Lenkung arbeitet präzise. So rollt man gelassen auch über schlechte Landstraßen und steigt nach langen Autobahnetappen entspannt aus. Schmissig vorantreiben lässt sich der 6er bei Bedarf auch, und als Fahrer hat man dabei ein prima Gefühl für Auto und Straße.

Nicht minder eindrucksvoll ist das Spartalent des Aggregats. Offiziell liegt der Normwert des Wagens bei 3,9 Liter, nach einer flotten Testrunde meldet der Bordcomputer 5 Liter. "Das macht den Mazda 6 zu einem der sparsamsten Autos im Segment", sagt Hiroshi Kajiyama. Der VW Passat Blue Motion beispielsweise bietet weniger Leistung und verbraucht mehr.

Bemerkenswert am Mazda 6 ist auch der Innenraum, denn die bisherige Tristesse ist passé. Noble Materialien, ein an Klarheit kaum zu überbietendes Kombiinstrument und durchdacht platzierte Schalter - auch in dieser Hinsicht schließt der Wagen dicht zum VW Passat auf.

Noch allerdings ist nicht alles perfekt. Der riesige Handbremshebel auf dem Mitteltunnel etwa wirkt in Zeiten elektrischer Knopfdrucksysteme antiquiert, in manchen Ausstattungsvarianten beißt sich die Farbe der Zierleisten mit dem Rest des Innenlebens, und das grob gepixelte Schwarz-Weiß-Display rechts des Tachos erinnert an die Frühtage des PC. Dass es Mazda besser kann, ist zwanzig Zentimeter weiter rechts zu besichtigen, dort gibt es ein farbiges Tomtom-Navigationsgerät samt Google-Suche.

Das muss man wissen: Der Vorverkauf der ersten Varianten startet Ende November, so richtig los geht es am 2. Januar. Dann steht der Mazda 6 als Kombi und Limousine mit drei Ausstattungs- und fünf Motorvarianten beim Händler und die Kunden werden sich über die Preise wundern.

Denn der Kombi kostet ebenso viel wie die Limousine - nämlich 24.990 Euro in der günstigsten Austattungsvariante; die stärkste Dieselvariante mit Topausstattung kostet 35.090 Euro. Natürlich kann man immer noch mehr Geld ausgeben, etwa für Extras wie einen Tempomat mit Abstandsregelung, eine automatische Notbremsfunktion oder einen Spurführungs- und Spurwechselassistenten.

Drei Benziner sind im Angebot, mit Leistungen von 145, 165 und 192 PS. Die beiden Dieselvarianten leisten 150 oder 175 PS. Als Getriebe stehen eine Sechsgang-Handschaltung und eine Sechsgang-Automatik zur Wahl. Dass der Wagen bis zu 20 Prozent weniger verbraucht als früher, liegt nicht nur an den neuen Motoren und Getrieben sowie am Leichtbau. Sondern vor allem auch am so genannten i-Eloop-System.

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Art elektrischer Energiepuffer: Nicht mit einer Batterie, sondern mittels eines Kondensators von der Größe eines Handfeuerlöschers wird jener Strom gespeichert, den die Lichtmaschine immer dann erzeugt, wenn das Auto etwa auf eine rote Ampel zurollt, bergab fährt oder abgebremst wird. Im Prinzip also die bekannte Bremsenergierückgewinnung oder Rekuperation.

Ein Kondensator jedoch lädt sich sehr viel schneller auf als ein Akku, und er gibt den Strom auch schneller wieder ab. Er puffert genug Energie, um Radio oder Klimaanlage auch bei stillgelegtem Motor mindestens eine Minute zu betreiben. Deshalb wird das Start-Stop-System des Mazda öfter aktiv als bei anderen Fahrzeugen, denn im Stop-and-Go-Verkehr ist der Kondensator fast immer komplett gefüllt.

Im Alltag bringe das System, so die Ingenieure, einen Verbrauchsvorteil von bis zu zehn Prozent. Pech für Mazda: Im Normzyklus taucht die Wirkung des i-Eloop-Systems nicht auf - der Wert wird nämlich ohne elektrische Nebenverbraucher ermittelt.

Das werden wir nicht vergessen: Die bewundernden Blicke, die andere Autofahrer dem Mazda 6 nachwerfen und die neugierigen Passanten, die auf dem Parkplatz interessiert ums Auto schleichen. Das kennt man sonst nur von Sportwagen, für japanische Mitteklasse-Limousinen ist das neu.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. In der Tat....
axelkli 12.10.2012
...ein formal sehr gelungener, schöner Wagen mit harmonischen Proportionen (besonders als Kombi). Allein das Armaturenbrett sieht etwas altbacken und der Navibildschirm wie nachträglich reingebastelt aus.
2. Antiquiert???
miketh 12.10.2012
Ich ziehe den Hut vor Mazda, dass sie nach wie vor eine klassische Handbremse verwenden. Elektrische Handbremsen können nicht dosiert werden (nur an/aus), verhindern das Anlaufenlassen bei leerer Batterie und frieren im Winter gerne mal fest. Ungewollte Blockade durch Softwareprobleme gibt es auch immer wieder. Die klassische Handbremse hat über 100Jahre niemand gestört. Wer natürlich nicht am Berg anfahren kann, der braucht wohl Krücken wie ein Knöpfchen.
3.
Stäffelesrutscher 12.10.2012
Ein Auto mit einer solchen Dachlinie hätte man früher als Coupé bezeichnet. Kann man da hinten einsteigen, wenn man größer ist als 1,50?
4.
_derhenne 12.10.2012
Super, schon die Tatsache, dass der mal nicht in Firmenwagenweiß oder Leasingschwarz präsentiert wird, wirkt ungeheuer erfrischend. Da ist Mazda VWAUDIBMWMB schon weit vorraus.
5.
drehstuhlpilot 12.10.2012
Warum gibt es keine nur keine Autos mit klassischer gerade Dachlinie mehr?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Mazda-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 50 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 6 (2012)
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 2.198 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 380 Nm
Von 0 auf 100: 9,1 s
Höchstgeschw.: 211 km/h
Verbrauch (ECE): 3,9 Liter
CO2-Ausstoß: 104 g/km
Kofferraum: 489 Liter
Gewicht: 1.480 kg
Maße: 4865 / 1840 / 1450
Preis: 28.490 EUR


Aktuelles zu