Von Tom Grünweg
Ulm, Hamburg, San Diego: Was Daimler vor knapp drei Jahren mit 50 Smarts in Ulm begann, wird peu à peu zu einem globalen Erfolgsmodell. Die Spontan-Mietwagen, die man ohne lästigen Papierkram überall am Straßenrand übernehmen und am Ende der Fahrt innerhalb des Aktionsgebiets einfach wieder abstellen kann, erobern immer mehr Städte. Mittlerweile seien schon weit über 2000 Fahrzeuge im Einsatz, sagt der verantwortliche Daimler-Manager Robert Henrich. Versorgt werden bislang Ulm, Hamburg, Amsterdam, Austin, San Diego, Vancouver und Wien; Düsseldorf sowie Lyon werden bald folgen.
"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Car-2-Go bis 2016 in 40 bis 50 europäische Städte zu bringen und eine zweistellige Anzahl von Städten in Nordamerika abzudecken", sagt Henrich. Weil die Schwaben mit mindestens 200 bis 300 Smart-Modellen pro Stadt planen, kommt da einiges zusammen. "Wir reden über eine deutlich fünfstellige Anzahl von Fahrzeugen", sagt Henrich.
Die bisherige Bilanz: Mehr als tausendmal am Tag bucht irgend jemand eines der Autos der Car-2-Go-Flotte. Vor wenigen Wochen wurde die millionste Smart-Miete abgewickelt, und kürzlich wurde in Hamburg der fünfzigtausendste Kunde registriert. Das soll sich bald auch finanziell auszahlen. "Natürlich braucht so eine Innovation gewisse Investitionen", sagt Henrich, aber mit den neuen Standorten werde Car-2-Go konsequent zu einem profitablem Geschäftsmodell ausgebaut. "Wir rechnen mit einem Break Even im Jahr 2014."
Ganz neu im Netzwerk ist die kalifornische Gute-Laune-Stadt San Diego, in der genau wie in Amsterdam ausschließlich elektrische Fahrzeuge zum Einsatz kommen. 300 Smart stromern dort seit Mitte November durch Gastown, den Balboa Park oder das Surferparadies Pacific Beach und machen San Diego nach Einschätzung von Nicholas Cole, dem Chef der amerikanischen Car-2-Go-Flotte, zur Stadt mit der größten Elektroauto-Flotte in den USA.
In San Diego fahren die Leih-Smarts rein elektrisch
Die Wahl fiel nicht ohne Grund auf San Diego. Auch wenn Bürgermeister Jerry Sanders privat einen zünftigen Pick-up fährt ("Ich bin leidenschaftlicher Gärtner und Heimwerker"), gibt sich die Stadt ein besonders grünes Image. "San Diego tut alles dafür, dass Elektrofahrzeuge so schnell wie möglich im Alltag ankommen", sagt Daimler-Mann Cole und verweist auf die Ladeinfrastruktur. Schon jetzt gebe es mehrere hundert Ladesäulen, und bis Mitte 2012 sollen es 1200 sein, laute das Versprechen des Bürgermeisters.
Die sind auch dringend nötig, damit das Smart-Projekt nicht ins Stocken gerät. Denn im Prinzip sind die Nutzer selbst dafür verantwortlich, dass die Autos immer flott, also die Akkus geladen sind. "Wir haben alle Autos online im Blick und ein eigenes Serviceteam, das sie zur Not zu einer Ladesäule bringt", sagt Walter Rosenkranz, der den Betrieb in San Diego leitet. Aber genau wie die Kunden in Hamburg oder Ulm mit einer von Car-2-Go gestellten Kreditkarte in Eigenregie tanken, sollen sie in San Diego auch selbst die Akkus laden. Als Dank dafür gibt es von Rosenkranz eine Gutschrift auf den Mietpreis von 35 Cent pro Minute, 12,99 Dollar pro Stunde und 65,99 Dollar am Tag.
Wer sich San Diego oder Amsterdam, wo Car-2-Go nach dem gleichen Prinzip ebenfalls rein elektrisch funktioniert, demnächst ganz genau anschauen dürfte, ist Wolfgang Schuster. Der Oberbürgermeister von Stuttgart wird bald Schirmherr über die angeblich größte E-Mobil-Flotte der Welt sein: 500 batteriebetriebene Spontan-Mietwagen will Daimler mit zahlreichen Partnern am Stammsitz in Stuttgart bereitstellen und so beweisen, dass elektrisches Carsharing auch in Deutschland funktionieren kann. Dafür werden neue Kombi-Pakete mit dem öffentlichen Nahverkehr geschnürt, spezielle Parkplätze im Stadtgebiet ausgewiesen und rund 500 Ladesäulen aufgestellt, an denen ausschließlich Ökostrom gezapft wird.
Im neuen Jahr soll die internationale Vernetzung erfolgen
Mit jeder neuen Nadel auf der Car-2-Go-Weltkarte rückt inzwischen eine Frage in den Vordergrund, die bis dato eher hypothetischer Natur war: Die internationale Vernetzung der einzelnen Projekte. Mit einem Car-2-Go-Chip aus Hamburg durch Amsterdam stromern? Beim Urlaub in Vancouver einfach einsteigen und losfahren? Als Ulmer in Düsseldorf schnell ein Auto mieten oder als Wiener in Stuttgart?
Soweit ist es leider noch nicht. Mitmachen darf zwar jeder, der einen Führerschein hat. Aber er muss sich in jeder Stadt neu registrieren lassen. Das haben auch die Verantwortlichen als Problem erkannt. "Wir sind gerade dabei, letzte steuerliche, versicherungsrechtliche und buchhalterische Hürden aus dem Weg zu räumen", sagt Daimler-Manager Henrich. "In der ersten Hälfte des neuen Jahres werden wir dann das so genannte Roaming für unsere Kunden freischalten."
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