Modellauto-Veredler Egin Cabuk: Pimpen mit Pinzette

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Schweißgerät, Sprühpistole oder Schraubenschlüssel sind die Arbeitsgeräte von Auto-Tunern. Egin Cabuk brezelt ebenfalls Autos auf, jedoch mit Lupe, Feinpinsel und Pinzette. Der Bastler aus Mörlenbach an der Bergstraße veredelt ausschließlich Modelle im Maßstab 1:18.

Modellautoveredler: Tuning mit der Lupe Fotos
Egin Cabuk

Es begann ganz harmlos als Hobby. Wann immer Egin Cabuk Zeit hatte, klebte und bastelte er an einem Modellbausatz, und meistens waren es Autos. Irgendwann wurde ihm die Massenware zu langweilig. Und Cabuk tat genau das, was Golf-, Astra- oder 3er-Fahrer auch tun, wenn ihnen das Serienmodell zu fad ist: er griff in die Tuning-Trickkiste. Die Modellautos wurden also anders lackiert, sie wurden tiefer gelegt, mit Breitreifen bestückt, mit Spoilern bewehrt oder mit aufgeblähten Kotflügeln sowie Sportauspuffanlagen. "Wie bei den echten Tunern", sagt Cabuk, "nur eben im Maßstab 1:18". Im Prinzip also pimpen mit der Pinzette.

Als Cabuks Kumpel seine kleinen Renner sahen, wollten sie auch solche Autos haben. Bald meldeten sich auch deren Kumpel, Bekannte, Nachbarn, Kollegen. Allmählich wurde aus dem Hobby ein Broterwerb. Inzwischen ist Cabuk einer der wenigen professionellen Modellautoveredeler in Deutschland.

Er sitzt auch nicht mehr im Hobbykeller, sondern in einem kleinen Laden zwischen Mannheim und Darmstadt, in dem man sich zwischen den Modellautokartons kaum mehr bewegen kann. Mehr als hundert Fahrzeuge stehen in den Regalen, bereits erledigte Aufträge und Rohware, die er von Modellbaufirmen wie Novell, Minichamps, Norev oder Revell einkauft. "Es sind vor allem Sport- und Supersportwagen", sagt Cabuk, "außerdem die großen Luxuslimousinen." Bentley, Lamborghini, Ferrari, Bugatti, viele Mercedes SL und SLS, der Audi R8 und immer wieder der Porsche 911 in allen Varianten werden von den Kunden gefragt.

Die Kundschaft klassifiziert Cabuk in drei Gruppen. Das seien zum einen die Träumer. Sie könnten sich das Originalauto nicht leisten, wollten sich andererseits aber auch nicht mit einem ganz normalen Spielzeug zufrieden geben. Dann gebe es die stolzen Besitzer, die ihr heiß geliebtes Auto auch im Büro oder im Wohnzimmer in der Nähe haben wollten, und deshalb eine Kopie des eigenen Fahrzeugs bestellen. Am liebsten sind Cabuk aber die Experimentierfreudigen. Das sind jene, die ihr Auto tunen lassen möchten, zunächst jedoch beim Modell-Tuner einen oder gar mehrere Entwürfe und Tuningvarianten entwerfen lassen - für Komplettpreise von mehreren hundert, bisweilen gar tausend Euro.

Spezialwünsche im Kleinformat werden auch erledigt

"Doch nicht jeder will einen Komplettumbau", sagt der Karosserie-Künstler. Fälle wie jener eines Scheichs, der seinen Ferrari in einem viertürigen Kombi verwandeln lassen wollte und zuvor Modelle orderte seien ebenso selten wie der eines Ehemannes, der ein Sportwagenmodell mit Swarovski-Steinen belegen ließ , um seine Gattin zu besänftigen.

"Das Geschäft lässt sich ziemlich genau mit dem eines normalen Tuners vergleichen", sagt Cabuk. "Viele wollen nur andere Reifen und Räder, manche einen anderen Auspuff, manche ein paar Spoiler." Das bekommt man bei Cabuk, der sogar eigene Felgen entwirft und Reifenprofile schneiden lässt, für 80 oder 100 Euro. Wer mehr zahlt, erhält beispielsweise neue Interieurs in Stoff und Farbe nach Wahl, Details wie Sicherheitsgurte, Bremsanlagen oder Motorkomponenten, eine individuelle Lackierung oder die Sponsoren-Aufkleber für den vermeintlichen Renneinsatz. Auch mit Echtkarbon hat Cabuk schon gearbeitet. "Weil alle Vorlagen zu grob waren, musste ich Motorhaube, Spiegelgehäuse und Lufteinlässe von Hand mit Kohlfaserfäden belegt."

Jüngster Trend ist der so genannte Used-Look. So, wie Jeanshersteller Löcher in die neuen Hosen scheuern, verbeult Cabuk fabrikneue Modelle, trägt millimeterfeinen Kunstschmutz auf, zerpflückt die Sitzkissen und fräst Rostlöcher in die Karosserie. Oder er lässt Rennwagen altern, die dann nicht mehr glänzend aussehen wie beim Start, sondern staubig und abgekämpft wie am Ende eines 24-Stunden-Rennens.

Detailgetreue Szenen aus der Welt des Automobils

Neben rund 500 Modellautos pro Jahr baut Cabuk gut ein Dutzend Dioramen - Autowelten im Kleinen. Meist sind es Garagen- oder Werkstattszenen, bei denen jedes Detail stimmt - vom Pin-up-Kalender an der Wand bis zur Brotzeit auf der Werkbank. Damit ist er oft mehrere Wochen beschäftigt, weil die allermeisten Teile eigens gefertigt werden müssen. "Die Figuren kann man kaufen, aber sie müssen meist neu lackiert werden. Und Werkzeuge, Kühlschränke oder Farbkübel, werden selbst hergestellt." Kein Wunder also, dass der Preis der dreidimensionalen Szenenbilder oft vierstellig ist.

Cabuk kann von der Modellautoveredelung inzwischen gut leben und hat sogar Mitarbeiter eingestellt. "Zwei Modellbauer arbeiten mit mir an den Fahrzeugen, ein Kollege kümmert sich ums Internet und ein paar andere verpacken die fertigen Autos", sagt der PS-Picasso. Laufkundschaft kommt nämlich kaum vorbei, fast die Hälfte der Produktion wird exportiert. In den Arabischen Emiraten hat der Modellauto-Veredler viele Kunden. "Und wir beliefern viele Firmen", sagt Cabuk. Autohersteller und -tuner, Sponsoren und Rennteams, die Modelle für Kunden und Geschäftspartner möchten. Die Schattenseite des Erfolgs: So richtig entspannen kann Cabuk beim Modellbau nicht mehr. "Dafür", sagt er, "müsste ich mir ein neues Hobby suchen."

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Korrektur
daytona5000 18.03.2011
Zitat von sysopSchweißgerät, Sprühpistole oder Schraubenschlüssel sind die Arbeitsgeräte von Autotunern. Egin Cabuk brezelt ebenfalls Autos auf, jedoch mit Lupe, Feinpinsel und Pinzette. Der Veredler aus Mörlenbach an der Bergstraße veredelt ausschließlich Modelle im Maßstab 1:18. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,751434,00.html
Werte Redaktion, der Herr heisst Engin Cabuk und nicht Egin Cabuk. Gruss & schönes WE
2. Meist sind die Ausgangsmodelle, genau betrachtet
Sapientia 18.03.2011
Zitat von sysopSchweißgerät, Sprühpistole oder Schraubenschlüssel sind die Arbeitsgeräte von Autotunern. Egin Cabuk brezelt ebenfalls Autos auf, jedoch mit Lupe, Feinpinsel und Pinzette. Der Veredler aus Mörlenbach an der Bergstraße veredelt ausschließlich Modelle im Maßstab 1:18. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,751434,00.html
Spielzeug für nicht erwachsen gewordene Männer mit Träumen im Massstab 1:18, doch hinreichend; die Veredlung wirkt doch fast immer kitschig. Allein wie er Rost echt aussehen lässt, wäre interessant zu wissen.
3. Vice versa
artusdanielhoerfeld 18.03.2011
Zitat von SapientiaSpielzeug für nicht erwachsen gewordene Männer mit Träumen im Massstab 1:18, doch hinreichend; die Veredlung wirkt doch fast immer kitschig. Allein wie er Rost echt aussehen lässt, wäre interessant zu wissen.
Und wie schaut das Spielzeug für nicht erwachsen gewordene Frauen mit Träumen aus? Schminkkasten, Botox und Minirock.
4. Schwach.
alaxa 18.03.2011
Schwach, diesen Herren so hervor zu heben. Wenn er dasselbe in 1:87 machen könnte, wäre es einen Bericht Wert gewesen. Na ja, vielleicht ist er ja "alterssichtig".
5. ...
FoxhoundBM 19.03.2011
Bei den Kommentaren hier fehlt bloß noch "Schwanzverlängerung für die Vitrine" oder "Klimakiller für's Wohnzimmer". Mal 'ne Frage: Meckert ihr Spinner hier drüber, weil ihr es selbst nichtmal halb so gut hinbekommen würdet? Der Mann hat ein Hobby halt zum Beurf gemacht, wer kann das heute noch?
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