Modellfahrzeug des Jahres: Kleine Traumwagen für die Vitrine

Von Jürgen Pander

Wenn Männer träumen, sind manchmal Autos im Spiel. Wenn sich diese materialisieren, werden sie häufig ganz klein - sagen wir Maßstab 1:43 oder gar 1:87, und stehen fein ausgerichtet in Vitrinen. Und einmal im Jahr werden die besten Auto-Miniaturen prämiert.

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Modellfahrzeug des Jahres: Parken hinter Glas
"Modellfahrzeug des Jahres" - der Titel klingt wenig aufregend, doch in Sammlerkreisen hat diese Auszeichnung einen Stellenwert, vergleichbar etwa mit dem des Oscar in der Filmwelt. Für die Herstellerfirmen der prämierten Auto-Miniaturen springt sogar mehr dabei heraus als nur Ruhm und Ehre - immerhin setzt die Modellauto-Branche in Deutschland nach Einschätzung von Experten rund 400 Millionen Euro um - und mehr als die Hälfte davon werden mit hochwertigen Sammler-Modellautos erzielt. Für 2009 wurden die Preise jetzt in 22 Kategorien vergeben - vor mehr als hundert geladenen Gästen im Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen.

Organisiert wurde die Wahl zum "Modellfahrzeug des Jahres" nun schon zum 19. Mal von der Fachzeitschrift "Modellfahrzeug", die wiederum seit 20 Jahren existiert. Alljährlich im Sommer werden die Leser aufgefordert, ihr Votum abzugeben. "Damit ist die Wahl zum Modellfahrzeug des Jahres die einzige repräsentative Aussage über den Markt und die aktuellen Trends", sagt Andreas A. Berse, Gründer und Chefredakteur von "Modellfahrzeug".

Der Titel "Supermodell des Jahres 2009" geht in diesem Jahr an den Ferrari Sharknose im Maßstab 1:18 des Hersteller CMC. Die deutsche Firma aus Denkendorf lässt in einer Fabrik in der Nähe von Hongkong produzieren. "Da können Sie vom Boden essen", erklärt Berse, "das sieht dort aus wie in einer Uhrmacherwerkstatt, die Ledersitze der Modellautos beispielsweise werden auf links genäht und dann über das Sitzgestell gestülpt." Das Siegermodell etwa besteht aus rund 1500 Einzelteilen, die von Hand zusammengebaut werden und kostet rund 230 Euro.

Planen und ausarbeiten in Deutschland, Produktion in Fernost - seit die Aachener Firma Minichamps 1990 die Herstellung hochwertiger Sammlerautos nach China verlegte und damit großen Erfolg hatte, ist dieses Geschäftsmodell etabliert und hat die Branche gewaltig umgekrempelt. Inzwischen gibt es zu nahezu jedem Original mindestens ein Modellfahrzeug. "Heute haben wir fast zu viel Ware auf dem Markt", sagt Modellauto-Experte Berse, der selbst mehrere tausend Bonsai-Fahrzeuge besitzt und alle zwei Monate mit seinem Magazin die Sammlergemeinde im deutschsprachigen Raum auf dem Laufenden hält.

Der Modellautomarkt bildet die große Welt immer detailgetreuer ab

Längst vollzieht sich die Entwicklung des Originals und der Miniatur parallel. Den Porsche Panamera - gibt es längst schon im Maßstab 1:18 von der Firma Norev; Audi A5 Sportback oder BMW X1 - werden von Herpa im Maßstab 1:87 nachgebaut; Minichamps hat bereits den Bentley Mulsanne, der als Original erst im nächsten Sommer auf den Markt kommt, in 1:43 im Programm und sogar die BMW-Studie Vision Efficient Dynamics von der IAA im September gibt es schon als 1:43-Modell von Premium Classixxs Unique zu kaufen.

Die Vielfalt und immer weitere Diversifikation prägt den Modellautomarkt seit Jahren - auch damit ahmt die Miniaturwelt die Entwicklung des realen Automobilmarktes nach. In Liliput jedoch geht die Aufsplitterung noch weiter. Denn es gibt nicht nur immer mehr und immer spezialisiertere Fahrzeuge, sondern diese dann auch in verschiedenen Maßstäben und in unterschiedlichen Preisklassen. Vor allem in den überaus beliebten Größen 1:43 und 1:18 sind klassische Sammlermodelle wie Mercedes 300 SL oder Ferrari GTO in zig Ausführungen erhältlich: vom 30-Euro-Modell bis zum filigranen, bis in kleinste Details ausgearbeiteten 200-Euro-Auto.

Die Autohersteller kassieren für jedes Modell Lizenzgebühren

Bei den Herstellern der Vorbilder wird der Trend zum Autosammeln und die immer genauere Wiedergabe der Originale gerne gesehen. Die kleinen Flitzer sind als Marketing- und Image-Transporteure hoch willkommen. Bei den deutschen Herstellern beispielsweise begutachten erst die Designabteilungen eine Miniatur, ehe sie für den Verkauf freigegeben wird. Im Gegenzug erhalten die Modellauto-Hersteller die CAD-Oberflächendaten des Auto-Originals. Und natürlich fließt auch Geld. Circa fünf bis sieben Prozent des Kaufpreises eines Automodells gehen als Lizenzgebühr an Mercedes, Opel, Porsche oder VW. Um einen Formel-1-Rennwagen als Miniatur nachbauen zu dürfen, werden sogar bis zu 20 Prozent an Lizenzgebühr fällig.

Mit Spielzeugautos, die in der Grabbelkiste landen und in wilden Verfolgungsjagden über den Teppichboden malträtiert werden, hat das Sammlerwesen nichts mehr zu tun. Bereits Automodelle im Maßstab 1:43 - ein VW Golf misst in dieser Größe 9,8 Zentimeter - verschlingen knapp 35.000 Euro an Entwicklungskosten. Bei sehr fein ausgearbeiteten Fahrzeugen kann diese Summe auf mehr als 160.000 Euro ansteigen. "Der Aufwand", sagt Modellauto-Experte Berse, "ist erheblich, und auch die Ansprüche werden immer höher."

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Sammlerleidenschaft
mickir 02.12.2009
Der Verfasser des Artikels und der Fotostrecke war wohl jemand der es zuvor niemals mit Modellautos oder Eisenbahnen zu tun hatte. Bei Bild 4 wird der Name des Herstellers mit V geschrieben. Der Name buchstabiert sich korrekt Wiking und lässt bei jedem Sammler der mit Modellen vertraut ist das Herz höher schlagen. Wiking kann man wohl getrost als deutsches Kulturgut bezeichnen.
2. Na dann...
Caiman, 03.12.2009
Zitat von sysopWenn Männer träumen, sind manchmal Autos im Spiel. Wenn sich diese materialisieren, werden sie häufig ganz klein - sagen wir Maßstab 1:43 oder gar 1:87, und stehen fein ausgerichtet in Glasvitrinen. Und einmal im Jahr werden die besten Auto-Miniaturen prämiert. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,664294,00.html
... oute ich mich mal als Erster hier - ja, ich sammele diese Dinger auch, und zwar Werbetrucks im Maßstab 1:87. Die Grösse spricht eigentlich gegen eine besondere Detailgenauigkeit, aber auch da gibt es Hersteller, die überraschend versessen sind, so originalgetreu wie möglich zu arbeiten. Wie kommt mann zu so einem "abgefahrenen" Hobby? Wie die Jungfrau zum Kind als Käufer eines Eimers verschiedener Käsesorten, die Zugabe war nebem dem Eimer ein Modell mit dem Logo des Marktschreiers (allerdings rätsele ich bis heute, warum der Sattelzug ausgerechnet einen Tankauflieger hat, die Transportart war mir neu für Käse...). Das kleine Ding (Länge ca. 19 cm) fristete einige Jahre ein recht stiefmütterliches Dasein neben Gläsern und sonstigem Nippes in der Wohnzimmervitrine, bis der Zufall es wollte, daß ich als kleine Belohnung für Hilfe bei einem PC-Problem einer Freundin zwei weitere dieser kleinen Werbeträger bekam. Ab da fing das Ganze an, irgendwie etwas ausser Kontrolle zu geraten, mann machte sich im Web schlau, was es denn da noch so alles Schönes gibt, die samstäglichen Supermarktprospekte fanden plötzlich lebhaftes Interesse - kurz und gut, das Sammelfieber war ausgebrochen, und die Zeit bis zur ersten eigenen Vitrine für die kleinen Schönheiten war nicht mehr lang... Zu meiner Verteidigung muss ich anführen, daß mir meine bessere Hälfte diesen Spleen durchaus gönnt und ihn auch unterstützt - z.B. durch neue Vitrinen zu Weihnachten (statt SOS-Geschenken). Allerdings wird der Sammeltrieb auch irgendwann seine natürlichen Grenzen finden, sowohl durch bauliche Gegebenheiten als auch durch das Veto der besten Ehefrau von allen gegen den Plan, auch die ein oder andere Wand im Bad für den Vitrineneinbau nutzbar zu machen. Aber in ungestörten Stunden wie dieser keimen halt doch immer wieder Gedanken auf, welche Flächen noch "beackert" werden könnten... und Webseiten für Sammler oder gar eBay sind nach wie vor ein magnetischer Anziehungspunkt... ;-)
3. man(n) hat halt seine macken
Dunkeltroll 03.12.2009
ich gestehe das ich seit meinem 12. lebensjahr Wiking-Modelle 1:87 sammel. es sind mittlerweile ein paar geworden und manche von ihnen erfreuen mich täglich beim blick in die vitrinen. den 300 sl von 1961, den 190´er offen oder hardtop, den silberpfeil oder das goliath dreirad, sie eines gemeinsam, charme. sie wurden mit liebe zum detail produziert und strahlen die eleganz einer ehemaligen epoche wieder die heute im design einheitmüll (grade VW ist da grausamst) nicht mehr existiert. selbst nutzfahrzeuge wie der UNIMOG besitzen eine ausstrahlung. wenn denn bei besuchern der komentar kommt, ach wie süß - plastikautos, kann ich nur grinsen und spare mir jeden kommentar. mit einigen dieser heutigen oldtimer fuhr ich selber und es hängen auch erinnerungen dran, schön sie zu haben, die erinnerungen und modelle. ja ich habe auch eine märklin eisenbahn ! für meine kinder gab es auch eine carrera bahn. pc folgte erst viel später, genauso wie gameboy. zu weihnachten wird wieder carrera aufgebaut und mensch kann sich kaum vorstellen wie heute 16 und 19 jährige jungs ihre runden drehen, rennen austragen und stunden lang fahren können. das gibbet bei allen x-box, gameboy und co nicht, reales erleben. übrigens darf ich mit 47 dann auch ein paar runden rehen, aber meistens als mechaniker und einstetzer eingesetzt werde. :D
4. Modellautos sind eine Sucht!
modellautofan 25.12.2009
Hallo erstmal ;) Ich sammle seit ich etwa 10 Jahre alt bin Modellautos und kann es einfach nicht mehr lassen :) Angefangen hat das Ganze mit einem Ferrari F40 von Bburago in 1:18. Mann waren die Modelle damals aufregend für einen kleinen Jungen! Heute sind es mittlerweile ca. 150 Modellautos in 1:18, allerdings nur noch seltene Sammlerstücke plus die alten Schätze aus der Anfangszeit der Sammlung. Ich muss allerdings sagen, dass ich finde, dass mit steigender Perfektion der Modellautos ein gewisser Reiz doch ein wenig verloren gegangen ist. Das Unperfekte der alten 1:18er Modelle hat irgendwie seinen eigenen Charme gehabt. Es gab in den 90ern eben nur wenige gute Hersteller und die Schere zwischen schlechter und guter Qualität ging deutlich auseinander. Heute sind fast alle Modelle in 1:18 in zumindest akzeptabler Qualität gefertigt, sogar die Low-Budget Modelle für 15 Euro :). Was mir auch auffällt, ist dass die Preise deutlich angestiegen sind. Zahlte man zu D-Mark-Zeiten noch ca. 80-100 Mark für ein wirklich gutes Topmodell in 1:18 sind es heute 60-120 Euro und mehr! Gut, die Qualität ist auch bei den Topmodellen deutlich gestiegen und hat bei den großen Marken bereits Regionen erreicht, wo man nur staunen kann. Belederte Sitze, echte Scharniere an den Hauben, Tankdeckel zum Öffnen, Klappscheinwerfer usw. sind schon beeindruckende Details bei so einem kleinen Modell. Eben wegen diesen Details sammle ich mittlerweile nur noch die High-Class-Modellautos. Oder ich kaufe mir hin und wieder ein veredeltes Modell. Was ich bis vor kurzem gar nicht wusste ist, dass es wie bei den richtigen Autos eine Tuning-Szene im Modellautobereich gibt :) Für alle die, die genauso erstaunt schauen wie ich es tat habe ich folgenden Link: http://www.tuningmodelle.de . Man muss nicht jede Art von Tuning mögen, aber es werden doch immer wieder reichlich gute Tuningmodelle von Fans hergestellt. Ich finde diese Art von Tuning eine echte Bereicherung für den Automodellbau, denn man kann sich so doch das eine oder andere Modellauto zusammenbasteln, was es eben so immer noch nicht zu kaufen gibt. Im 1:18er Bereich ist man trotz fortschreitender Auswahl an Neuheiten noch lange nicht so mit Vielfalt verwöhnt wie im Maßstab 1:43. Dennoch ist der 1:18er Maßstab für mich der Königsmaßstab. Ich warte gespannt auf weitere interessante Artikel zum Modellbau hier und wünsche bis dahin allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010!
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