29. April 2013, 14:29 Uhr

Autogramm BMW Z4

Für Sonnentagsfahrer

Von Tom Grünweg

Die Modellpflege für den BMW Z4 ist - trotz großspuriger Worte des Herstellers - eher kosmetischer Natur. Für das Auto gibt es zwar einen neuen Basismotor mit 156 PS, doch der war den Verantwortlichen offenbar nicht potent genug, um ihn zur Fahrvorstellung mitzubringen.

Der erste Eindruck: Der "neue Z4"? Da nimmt BMW den Mund aber ziemlich voll. Denn außer den Scheinwerfern und den Rückleuchten haben die Münchner an dem Roadster im Prinzip nichts geändert. Dass der Wagen dennoch frisch wirkt, liegt am grellen Valencia Orange Metallic-Lack, dem ab sofort auf Wunsch auch schwarz oder silberfarben lackierten Dach - und daran, dass man den Z4 ohnehin eher selten sieht. In Deutschland jedenfalls fährt er (3119 Neuzulassungen im 2012) deutlich hinter Konkurrenten wie dem Mercedes SLK (7138 Neuzulassungen) oder dem Audi TT (4834 Neuzulassungen).

Das sagt der Hersteller: Die Phrasendreschmaschine dreht im Falle des Z4 hochtourig. "Das Zusammenspiel von klassischen Proportionen und modernster Technik prägt seinen unverwechselbaren Charakter", heißt es beispielsweise über den Z4. Prompt wird er in eine Ahnenreihe gestellt mit dem legendären Z1, der vor fast genau 25 Jahren in den Handel kam.

Zudem habe der Z4 den Weg geebnet zur "neuen Begeisterung für das klassische Konzept eines offenen Zweisitzers". Ganz so offen ist der Wagen aber gar nicht mehr, denn der Z4 trägt keine Stoffhaube wie etwa der Vorgänger Z3, sondern einen Deckel aus Blech und Kunststoff.

Das ist uns aufgefallen: Wenn es schon keine großen Neuheiten gibt, kann man sich auch mal um die Kleinigkeiten kümmern - zum Beispiel um das Interieur-Paket Design Pure Traction. Neben den Rallyestreifen auf den schwarzen Ledersitzen und der Alcantara-Verkleidung an den Türinnenseiten beinhaltet das eine faszinierende, aus Metallfäden gewobene Einlage auf dem Armaturenbrett. Endlich mal etwas anderes als Holzimitate, Karbonfolien, poliertes Aluminium oder poppiges Plastik.

Metallgewebe statt Karbon - ist das nicht schlecht fürs Gewicht? Quatsch! Bei nicht einmal einem halben Quadratmeter der metallischen Verkleidung macht das auf der Waage ganz sicher keinen Unterschied. Ohnehin fühlt sich der Z4 bei der Kurvenhatz ungeheuer leicht und handlich an, und mit einem Gewicht von rund 1,5 Tonnen - im Falle der Varianten mit Vierzylindermotor - zählt der Wagen zu den Fliegengewichten in dieser Klasse.

Das muss man wissen: Dass BMW zur Modellpflege die Motorpalette erweitert hat - und zwar in diesem Fall mal ausnahmsweise nach unten. Für Einsteiger gibt es den zwei Liter großen Vierzylinder-Benziner ab sofort also auch mit 156 PS Leistung - er heißt dann Z4 18i. Damit sinkt der Preis gegenüber dem nächst stärkeren Modell (Z4 20i; 184 PS) um glatte 3000 Euro. Im Datenblatt stehen für die neue Variante 240 Nm, ein Sprintwert von 7,9 Sekunden und 221 km/h Höchstgeschwindigkeit - also alles völlig ausreichend für eine flotte Fahrt in den Frühling.

Für BMW aber offenbar nicht gut genug. Zumindest nicht, wenn es um die Positionierung gegenüber der Presse geht. Weil da der Markenslogan "Freude am Fahren" das oberste Gebot ist, steht zur Fahrvorstellung des aufgefrischten Z4 erst mal nur das Top-Modell Z4 35is mit drei Liter Hubraum, sechs Zylindern und 340 PS bereit - und ist erwartungsgemäß rasant unterwegs. Dazwischen gibt es - wie bisher auch schon - noch zwei weitere Versionen des Zweiliter-Vierzylindermotors: als 20i mit 184 PS und als 28i mit 245 PS sowie den Sechszylinder in abgespeckter Version namens 30i mit 306 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Wie sehr sich der Charakter des Z4 verändert, wenn man das jetzt endlich auch während der Fahrt zu öffnende Dach nach hinten gleiten lässt. Geschlossen ist der Z4 ein ziemlich unterkühlter Sportwagen, dem man schon ordentlich die Sporen geben muss, damit er das Blut in Wallung bringt. Offen dagegen wird er sogleich zu einem Gute-Laune-Garanten. Das sonst eher lästige Dröhnen des Auspuffs im Sportmodus klingt dann plötzlich verlockend, die Fehlzündungen machen geradezu Spaß und mit jeder Kurve wächst die Freude. In aller Offenheit: So kann der Sommer endlich kommen.


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