Sieben Jahre hat der Freelander auf dem Buckel, jetzt spendiert ihm die britische Marke Land Rover eine Modellpflege. Aber die Karosserie-Kosmetik ist zu dürftig. Das Auto enttäuscht - es sei denn, man wagt damit einen Ausbruch von der Straße.
Der erste Eindruck: Huch, den gibt es ja auch noch. Angesichts des Booms kompakter SUV-Modelle hatte man den Land Rover Freelander fast schon vergessen. Schließlich war er bei seiner Markteinführung vor 15 Jahren einer der ersten dieser Spezies, und die jetzige Baureihe ist auch schon seit sieben Jahren auf der Straße. Die aktuelle Renovierung bescherte dem Wagen zwar eine neue Frontschürze und LED-Leuchtringe in den Scheinwerfern sowie frisch modellierte Rückleuchten - dennoch wirkt das Auto wie ein alter Kumpel, der sich über die Jahre kaum verändert hat.
Das sagt der Hersteller: Knapp 900.000 verkaufte Exemplare seit 1996 - damit ist der Freelander für Mark Wilson, den Verantwortlichen für die Baureihe bei Land Rover, ein Erfolgsmodell. Das Auto sei ein echter Land Rover ohne Abstriche, betont er. "Dieses Auto kann alles, was man von einem Modell unserer Marke erwartet", sagt Wilson und schickt die Autotester mit diesen Worten auf einen Abenteuerparcours durch den Winterwald.
Das ist uns aufgefallen: Die Jahre sind nicht spurlos am Freelander vorüber gegangen. Äußerlich sieht der Geländegänger jetzt zwar etwas moderner aus, aber innen wirkt das Auto trotz einer entrümpelten Mittelkonsole und neuen Schaltern ziemlich verstaubt und ausgesprochen bieder. Die Instrumente bleiben auch mit dem neuen Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser schmucklos, die Bedienelemente sind schlichter gestaltet als in manchem Nutzfahrzeug, die Sitze bieten nur wenig Langstreckenkomfort und die Oberflächenmaterialien wirken billig. Darüber täuschen auch ein paar Kleckse Klavierlack und einige Zierstreifen aus Chrom nicht hinweg.
Eine elektrische Handbremse ist an Bord, aber außer ESP und einer Bergabfahrhilfe gibt es keine weiteren Assistenzsysteme. Automatische Abstandsregelung? Totwinkelwarner? Spurführungshilfe? Notbremssystem für den Stadtverkehr? Da muss sich Land Rover mittlerweile von Nachahmern aus München, Wolfsburg oder auch aus Korea vorführen lassen.
Als Raufbold für die Rumpelpiste ist der Freelander dagegen fit wie eh und je. Kaum ein Konkurrent in dieser Klasse bewegt sich so spielend leicht und souverän durchs Unterholz wie der Haudegen aus dem Königreich. Jedoch gehören diese Offroad-Qualitäten zu jenen Tugenden, die von der Kundschaft in West- und Mitteleuropa praktisch nie eingefordert werden. Und das bisschen Schnee auf dem Weg zum Waldkindergarten schafft Mutti oder Vati auch mit jedem anderen Allradler.
Das muss man wissen: Der Freelander ist die billigste Art, einen Land Rover zu fahren - das bleibt auch nach der Modellpflege so. Weil die Ausstattung aufgewertet wurde, versprechen die Briten bei unverändertem Grundpreis (28.200 Euro) sogar einen Kundenvorteil von gut tausend Euro.
Der wichtigste Motor für den Freelander ist der 2,2-Liter große Diesel, den es wahlweise mit einer Leistung von 150 oder 190 PS gibt. In der sparsamsten Version mit Frontantrieb und Handschaltung verbraucht diese Motorisierung 6,0 Liter auf 100 Kilometer.
Wesentlich geringer dürfte das Interesse der deutschen Kundschaft am Benziner-Modell sein. Allerdings ist dieser Motor neu im Freelander-Angebot. Es handelt sich um ein Vierzylinder-Aggregat mit Benzindirekteinspritzung und Turbo, der den bisherigen 3,2-Liter-V6-Benziner ablöst. Die Leistung der Maschine liegt bei 240 PS und das maximale Drehmoment bei 340 Nm. Der Verbrauch beträgt 9,6 Liter - gut zehn Prozent weniger als bislang beim V6-Motor. Der Preis des Freelanders mit diesem Benziner: 37.300 Euro. Bei der Testfahrt fällt der Turbo allerdings immer wieder in ein tiefes Loch und will mit der sechsstufigen Automatik nicht recht warm werden.
Das werden wir nicht vergessen: Die Suche nach dem Sinn dieses Autos, das viel weniger Charme und Charakter bietet als der kaum teurere Range Rover Evoque. Überzeugende Argumente, warum man ihm den Freelander vorziehen sollte, haben wir nicht gefunden.
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