Berlin - Für junge Menschen auf dem Land sind solche Situationen nicht ungewöhnlich: Im Sprint zur Haltestelle, doch geholfen hat es nichts - der Bus ist weg. Und der nächste fährt erst wieder in einer Stunde. Wer einen wichtigen Termin hat oder zur Arbeit will, könnte froh sein, wenn ein motorisiertes Gefährt zur Verfügung steht - zum Beispiel ein Moped. Doch bislang liegt die Altersgrenze für die entsprechende Fahrerlaubnis bei 16 Jahren.
Das ändert sich nun. Ein Modellversuch für den Moped-Führerschein mit 15 Jahren startet am 1. Mai in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ziel sei eine bessere Mobilität vor allem junger Leute auf dem Land, teilten die Verkehrsministerien der drei Länder am Freitag mit. So soll es den Jugendlichen möglich sein, auch Ausbildungsstellen anzunehmen, die nicht oder nur unzureichend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Damit wurde ein Bericht in der Freitagsausgabe der "Ostthüringer Zeitung" bestätigt.
In dem Versuch können Jugendliche über eine Fahrschulausbildung schon in Alter von 15 Jahren den Führerschein der Klasse AM für Mopeds mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h bekommen. Der auf fünf Jahre angelegte Test soll wissenschaftlich begleitet werden. Inwiefern dies zum Vorbild einer bundesweiten Neuregelung werden könnte, ist noch offen.
Die Furcht des Bundesverkehrsministeriums
Die EU ermöglicht ihren Mitgliedstaat das Absenken der Altersgrenze auf 15 Jahren für den Moped-Führerschein. Allerdings hatte sich Deutschland bislang dagegen entschieden, weil das Bundesverkehrsministerium negative Einflüsse auf die Verkehrssicherheit befürchtete. Nun könnten gesicherte Erkenntnisse diese Einschätzung widerlegen.
Nach dem Versuch würden auch die Auswirkungen auf die Sicherheit analysiert, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums auf Anfrage in Berlin. Erst danach könnten weitere Aussagen getroffen werden. Sachsen hatte 2011 die Initiative für einen solchen Test ergriffen. Ressortchef Sven Morlok (FDP) sagte, die jungen Leute sollten mit einer fundierten Vorbereitung in Theorie und Praxis Schritt für Schritt an den Straßenverkehr herangeführt werden.
Die Grünen im Thüringer Landtag kritisierten, Gefahren würden heruntergespielt. Es sei zu hoffen, dass die zusätzlichen Ausbildungsanforderungen tatsächlich fruchteten.
rom/dpa
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