Monica 560 Für den Ruhm der Republik

Viertürige Sportwagen wie Porsche Panamera oder Aston Martin Rapide sind derzeit in Mode - die Idee ist freilich schon älter: Ein frühes Beispiel war das französische Fabrikat Monica 560 aus den siebziger Jahren. Das Auto ist nahezu unbekannt - nur 17 Exemplare wurden gebaut.

Aus München berichtet


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Moncia 560: Zufallsfund aus Schweden
Ferruccio Lamborghini, Alejandro de Tomaso oder Peter Monteverdi: Der Münchner Unternehmer Alexander Wiesner hat einen Faible für die Querköpfe der Automobilindustrie - und für ihre Konstruktionen. In Wiesners eindrucksvoller Autosammlung stehen neben Ferrari und Maserati deshalb vor allem exotische Sportwagen, die selbst Insidern unbekannt sind. Das gilt für den Monteverdi High Speed 375/4 ebenso wie für den Lamborghini Espada. Zu den seltensten und skurrilsten Stücken in Wiesners Halle aber gehört der Monica 560.

Das blaue Exemplar, das auch farblich aus Wiesners ferrariroter Sammlung heraussticht, ist das einzige fahrtüchtige Exemplar in Deutschland, sagt sein Besitzer. Darüber hinaus ist es das einzige Modell, das demnächst öffentlich zu sehen sein wird. Nach knapp zehn Jahren im Verborgenen stellt Wiesner die Rarität beim Concours d'Elegance in Bensberg vor (10. bis 12. September).

Die Geschichte des Monica-Sportwagens ist eine von Träumen und Tragödien. Ins Leben gerufen wurde die Marke vom Franzosen Jean Tastevin, der es partout nicht verwinden konnte, dass die Grande Nation seit dem Ende der Sportwagenmarke Facel Vega Mitte der Sechziger in der Oberklasse nichts mehr anzubieten hatte.

Tastevin, reich geworden mit dem Bau von Eisenbahnwaggons und beflügelt von nationalem Ehrgefühl, plante ein Auto auf Augenhöhe mit Rolls-Royce. Ende der sechziger Jahre präsentierte er einen Prototypen, den er nach seiner Gattin Monique benannte: den Monica.

Zufrieden war Tastevin mit dem Wagen jedoch nicht. Immer wieder ließ er das Chassis neu einkleiden, wechselte Motoren und Mechaniker und hatte dabei regelmäßig Pech: Kaum hatte er das italienische Designstudio Vignale engagiert, starb dessen Chef Alfredo Vignale und die Firma wurde aufgelöst. Erst im Herbst 1972 zog Tastevin auf dem Pariser Salon das Tuch vom fertigen Auto, einem eleganten Viertürer im Sportwagenlook. Noch einmal wurde das Auto modifiziert - es sollte ein stärkerer Motor her. 1973 ging es dann mit einem 5,6 Liter großen V8-Aggregat von Chrysler als Monica 560 an den Start.

Das viertürige Coupé kostete damals umgerechnet rund 105.000 Mark

Das Auto war endlich fertig, aber es passte nicht mehr in die Zeit. Die Welt litt unter der ersten Ölkrise, kein Mensch interessierte sich für einen Super-Sportwagen. Erst recht nicht für das Auto eines Nobodys, das mehr kosten sollte als ein Rolls-Royce Silver Shadow. So wurde Monica beinahe zu Tastevins Ruin. Zwei Jahre nach Beginn der Produktion war der Traum schon wieder vorüber. Wie viele Autos genau gebaut wurden, ist in den Sammlerkreisen heftig umstritten. Wohlwollende Quellen taxieren die Gesamtproduktion der französischen Marke in den siebziger Jahren auf lediglich 17 Fahrzeuge. Heute existiert davon vielleicht noch ein halbes Dutzend.

Der Monica 560 hatte durchaus das Zeug zum Star: die schnörkellose Karosserie, die Klappscheinwerfer und der großvolumige Motor unter der Haube - das alles passt. Das Triebwerk leistete 305 PS und beschleunigte den Wagen auf bis zu 240 km/h - damals durchaus ein eindrucksvoller Wert. Im Innenraum erkennt man noch heute französische Raffinesse. Der Wagen ist mit weichem, hellem Leder und feinen Hölzern ausgekleidet, der Teppich ist flauschig, und das imposante Cockpit erinnert an die Auslage eines Juweliers. "Und in welchem anderen Sportwagen reist man schon in Schalensesseln", fragt Wiesner, der von den meisten seiner anderen Autos enge Rennwagensitze gewohnt ist.

Ersatzteile gibt es nur noch für den Motor

Das blaue Viertürer-Coupé hat, obwohl mehr als 35 Jahre alt, erst gut 30.000 Kilometer auf dem Tacho. "Der Wagen stand lange Jahre in einem Museum, war dann im Elsass und in Schweden, wurde aber nie viel gefahren", berichtet Wiesner. Was der Sammler vor einem Jahr für den Monica 560 bezahlt hat, mag er nicht sagen; auch der aktuelle Wert ist kaum zu erfassen. "Es werden ja nie Monica-Modelle gehandelt", sagt der Besitzer. Nach seinem suchte er rund zehn Jahre, bis er die Annonce des schwedischen Vorbesitzers zufällig in einer britischen Sammlerzeitschrift entdeckte.

Unabhängig vom Wert - der Moncia 560 ist eine exklusive Rarität, für die es kaum Ersatzteile gibt. "Motorteile sind dank des Großserientriebwerks von Chrysler zwar problemlos zu bekommen", sagt Wiesner, dann höre es aber auch schon auf. Ob der Schriftzug am Heckdeckel oder das Sitzgestell für den Beifahrer - was zu Bruch geht, muss einzeln angefertigt werden.

Dennoch fährt Wiesner den Wagen regelmäßig. Schon aus Schweden überführte er das Auto auf eigener Achse. Und wenn es demnächst beim Concours in Bensberg zum ersten Mal seit Jahren wieder im Rampenlicht steht, ist der Tachostand schon wieder um rund 600 Kilometer höher - denn auch zum Schönheitssalon in der Nähe von Köln rollt der Monica 560 so, wie es sich für ein Auto gehört: aus eigener Kraft.



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Seite 1
Blitztrumpf 13.08.2010
1. wow
Traumhaft schöner Wagen! Sieht bedeutend schöner aus als die neuesten 4 Türigen Sportcoupes. Wobei ich gerne mehr Bilder gesehen hätte, insbes. vom Innenraum....
MJM1605 13.08.2010
2. Ja der Monica,
Ich war damals 12-13 Jahre alt (Baujahr 1960) und hatte ihn in den Autokatalogen wie Automobil Revue entdeckt. Was mich aber schon damals fürchterlich gestört hat war 1) der Name. Wie kann man ein Auto nur Monica nennen. Eine Luxuslimousine muss doch Kraft und Entschlossenheit ausdrücken, ähnlich einer Dampflok. Solch ein weicher, weiblicher Name passt da wie die Faust aufs Auge. Und apropos Dampflok währe ich auch schon an das was mich auch schon damals wahnsinnig gestört hat nämlich 2) die Front. Diese passt nun so gar nicht zu dem Rest des Autos. Eine solche Front passt auf ein Coupe oder einen kleinen Spider, eine Luxuslimousine muss aber ein großen Kühlergrill und möglichst runde Augen (Lampen) haben. Lieber eine Front wie der heutige Maserati Quattroporte, mit dem er im Profil sowieso Ähnlichkeit hat. Ansonsten ist die Silhouette atemberaubend schön und auch das Heck ist absolut zeitlos. Einfach perfekte Proportionen, die man im modernen Automobildesign sucht.
wanderprediger, 13.08.2010
3. Monica + Mercedes
Zitat von MJM1605Ich war damals 12-13 Jahre alt (Baujahr 1960) und hatte ihn in den Autokatalogen wie Automobil Revue entdeckt. Was mich aber schon damals fürchterlich gestört hat war 1) der Name. Wie kann man ein Auto nur Monica nennen. Eine Luxuslimousine muss doch Kraft und Entschlossenheit ausdrücken, ähnlich einer Dampflok. Solch ein weicher, weiblicher Name passt da wie die Faust aufs Auge. Und apropos Dampflok währe ich auch schon an das was mich auch schon damals wahnsinnig gestört hat nämlich 2) die Front. Diese passt nun so gar nicht zu dem Rest des Autos. Eine solche Front passt auf ein Coupe oder einen kleinen Spider, eine Luxuslimousine muss aber ein großen Kühlergrill und möglichst runde Augen (Lampen) haben. Lieber eine Front wie der heutige Maserati Quattroporte, mit dem er im Profil sowieso Ähnlichkeit hat. Ansonsten ist die Silhouette atemberaubend schön und auch das Heck ist absolut zeitlos. Einfach perfekte Proportionen, die man im modernen Automobildesign sucht.
Dann fahren sie besser niemals eine(n) Mercedes
walter_e._kurtz 13.08.2010
4. Genau!
Zitat von BlitztrumpfTraumhaft schöner Wagen! Sieht bedeutend schöner aus als die neuesten 4 Türigen Sportcoupes. Wobei ich gerne mehr Bilder gesehen hätte, insbes. vom Innenraum....
"Wow" ist auch mir als erstes in den Sinn gekommen! Einfach geil, sorry! Etwas Ferrari Daytona vorn (wer war überhaupt zuerst da?), dann die Vorwegnahme des Jaguar XJ-Hecks hinten, dazu dass mega-stilvolle Interieur, überhaupt die Innereien: ZF-(5-Gang!)Automatik zu der Zeit(!), Ami-V8 mit Leistung (nix mit zwölfndrölfzig Litern und bloß 170PS) Mann, Mann, Mann: Hätte da Ferrari, Maserati oder Aston Martin draufgestanden, das Gefährt wäre sicher eingeschlagen, wie eine Bombe!
MJM1605 13.08.2010
5. Sehr schöner Vergleich
Zitat von wanderpredigerDann fahren sie besser niemals eine(n) Mercedes
Aber im Falle von Mercedes kann man sich ja noch mit Daimler-Benz trösten.
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