Motoraver Frisch frisiert im Internet

Im Drift durch den Kreisverkehr, ein Donut auf der Kreuzung, die Agentenwende in der Einbahnstraße - exstatische Fahrmanöver in fein frisiertem Altmetall, das ist die Welt der Motoraver. Ab sofort sind die Hamburger Auto-Aficionados im Internet neu am Start.

Von Jürgen Pander


Vor sechs Jahren hatten einige ambitionierte Automobilisten in Hamburg genug von der etablierten Motorpresse, stellten das Jammern ein und nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Ergebnis war die "Vollgasredaktion Motoraver", wie Gründungsmitglied und Chefredakteur Helge Thomsen es formuliert. Von dem Heft (Auflage 25.000 Exemplare), in dem es um Motoren, Musik, Mode und Mädchen geht, sind inzwischen 17 Ausgaben erschienen. Auch im Internet war der Verlag schon länger präsent, in diesen Tagen nun wurde der Auftritt auf der Datenautobahn komplett erneuert und massiv getunt.

Fotostrecke

6  Bilder
Motoraver: Burnout im Internet

Entstanden ist ein regelrechtes Portal für die Fans angejahrter Autos wie Opel Commodore, Ford Granada oder Mercedes Strich-Acht, denen Schraubenschlüssel und Flammenlackierung wichtiger sind als Chrompolitur und Originalersatzteile. Zum Auftritt gehören unter anderem ein Kalendarium mit allen wesentlichen Terminen der Szene, ein Forum, ein sogenannter Garage Sale, beeindruckende Fotoalben und natürlich ein Online-Verkauf von Merchandising-Produkten.

"Wir wollten für die Szene, die wir bedienen, nicht mehr nur das Heft, sondern eine größere Plattform einrichten", sagt Chefredakteur Thomsen. Dazu komme ein Trend, der wohl auch mit den zunehmend verstopften Straßen und dem immer teureren Benzin zu tun hat. "Statt zum Lenkrad zu greifen und das Gaspedal durchzutreten, beschäftigen sich viele Leute heute mit der Playstation, schrauben ein bisschen in der Garage oder suchen im Internet das geeignete Umfeld, um sich über ihre Karren auszutauschen", hat Thomasen beobachtet. Sein Fazit: "Cocooning ist jetzt auch in der Autofanszene angekommen."

Und davon kann eine Internetseite wie jene der Motoraver eigentlich nur profitieren. Denn trotz des offenbar großen Potentials der Szene gibt es erstaunlich wenige einschlägige Seiten - von den Hunderten im Internet präsenten Autoclubs und speziellen Fanseiten für bestimmte Modelle einmal abgesehen. Neben den Motoravern hat sich noch das Team der Seite "Chromjuwelen" der kreativen Lust am Automobil angenommen - und das amerikanische "Gearhead", eine Art Urzelle der Szene, die im Spannungsfeld zwischen Oldtimer-Originalität, TÜV-Gutachten und Tempolimits offenbar immer größeren Zuspruch erfährt.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.