Manipulationsskandal Kunz ist neuer Chefredakteur der ADAC-"Motorwelt"

Das auflagenstärkste Magazin Europas hat einen neuen Chefredakteur: Martin Kunz übernimmt die ADAC-Mitgliederzeitschrift "Motorwelt". Der Diplom-Ingenieur steht vor einer schweren Aufgabe.

Martin Kunz: "'Motorwelt' im Sinne der Vereinsmitglieder weiterentwickeln"
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Martin Kunz: "'Motorwelt' im Sinne der Vereinsmitglieder weiterentwickeln"


München - Auflage bedeutet Macht, und keine Zeitschrift in Europa hat eine so hohe Auflage wie die "Motorwelt". Der Posten des Chefredakteurs beim Mitgliedermagazin des ADAC, das monatlich an fast 14 Millionen Haushalte verteilt wird, ist entsprechend reizvoll. Das heißt, er war es - denn wenn Martin Kunz seinen Job als Leiter der "Motorwelt" antritt, muss er erst einmal einen riesigen Scherbenhaufen aufkehren.

Kunz ist der Nachfolger von Michael Ramstetter, der die "Motorwelt" von 1998 bis 2014 leitete und zuletzt das Ansehen des Magazins ruinierte und gleichzeitig Deutschlands größten Klub in seine tiefste Krise stürzte. Im Januar 2014 gab er zu, die Stimmzahlen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" manipuliert zu haben. In der Folge wurden immer mehr Ungereimtheiten bei dem Automobilclub aufgedeckt, sowohl Präsident Peter Meyer als auch Geschäftsführer Karl Obermair mussten ihre Posten räumen.

Die Aufarbeitung der Skandale ist noch immer in vollem Gange, die angekündigten Reformen beim ADAC gehen nicht so rasch und radikal voran wie sie viele für nötig halten. Das Amtsgericht München prüft schon seit einiger Zeit den Status des ADAC als Verein. Sollte er aberkannt werden, droht ihm eine immens härtere Steuerbelastung. Hunderttausende Menschen haben ihre Mitgliedschaft nach den Affären gekündigt.

"Überaus spannende Aufgabe"

Das Gratisheft "Motorwelt" unterliegt seit dem Bekanntwerden der Skandale ebenfalls einer kritischen Betrachtung. Ob der ADAC wieder Vertrauen zurückgewinnen kann, wird deshalb auch davon abhängen, wie offen Martin Kunz als neuer Chefredakteur auftreten wird und wie unabhängig er das Magazin führt.

Genügend journalistische Erfahrung bringt er mit: Der Diplomingenieur besuchte die Georg von Holtzbrinck Journalistenschule in Düsseldorf und leitete 15 Jahre lang das Ressort Forschung, Technik & Medizin des Nachrichtenmagazins "Focus". Als Wissenschaftsautor war er für Gruner + Jahr, die "Süddeutsche Zeitung" sowie die "Welt am Sonntag" tätig. Seit 2012 ist Kunz geschäftsführender Direktor der Akademie der Bayerischen Presse in München.

"Es ist eine überaus spannende Aufgabe, die 'ADAC Motorwelt' in diesen Wochen im Sinne der Vereinsmitglieder weiterzuentwickeln", sagte Kunz in einer offiziellen Mitteilung. Am 1. Oktober tritt er seinen Posten an. Er verantwortet dann zusammen mit der Vizechefredakteurin Elisabeth Schneider das Klubmagazin. Schneider hat seit Ramstetters Abgang die kommissarische Leitung.

cst/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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artusdanielhoerfeld 02.06.2014
1. Ich glaube...
...diesem Verein kein Wort mehr, denn wie hat es kürzlich ein Kabarettist auf den Punkt gebracht: "Da sind ja die Hells Angels transparenter!"
trevi 02.06.2014
2. Hoffentlich weniger Werbeanzeigen -
Als erste Aufgabe sollte Hr.Kunz den Werbeanteil radikal kürzen (von Treppenlifter bis Fluss-kreuzfahrten und Eigenwerbung ohne Ende) Die Notwendigkeit von Anzeigenerlösen besteht bei der Kassenlage des ADAC nicht. Den freiwerdenden Textraum sollte er mit guten,technischen Artikeln (a-la-Autobild) und einer echten kritischen Behandlung dringender Verkehrsprobleme füllen. Und als letzte Maßnahme zur Glaubwürdigkeits-Rückgewinnung die "Klüngelei mit der Politik" beenden sondern harte Kritik üben.
sorrento48 02.06.2014
3. Der frische Wind zeigt Wirkung
denn auch ich habe meine Plus-Mitgliedschaft gekündigt. Und zwar unmittelbar nachdem ich zufällig einen dieser peinlichen Werbespots der neuen "Imagekampagne" gesehen habe....
lilioceris 02.06.2014
4. Wie wäre es denn mal, lieber ADAC,
mit einem Forum auf der ADAC-Webseite? Von mir aus nur für Mitglieder zugänglich. So etwas soll es schon bei anderen, wesentlich kleineren Vereinen, geben. Oder sollte der Verein gar nicht an seinen Mitgliedern interessiert sein? Sicher, es gibt in der ADAC-Mitgliederzeitung diese Rubrik "Leserbriefe". Für manches Thema kann das gut sein. Aber für die schwierige Situation, in der der ADAC immer noch steckt, ist das kein passendes Medium. Der ADAC hat viel Vertrauen verspielt. Es wird höchste Zeit, dass er es sich wieder erarbeitet. Ein Forum könnte dabei helfen.
Kaffki 03.06.2014
5. Als....
ob ADAC die einzigen sind, die Ihre Zahlen nicht ordnungsgemäß angeben. Irgendetwas müssen die ja beim ADAC RICHTIG gemacht haben, wenn die "Nationale" Presse auf Sie so einschlägt. Also ich bin deswegen bei ADAC eingetretten. Mit Plus & RS.
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