Mountainbike-Trend Die 29-Zöller kommen

Mehr Grip, stabilerer Lauf, besser im Gelände - Mountainbikes mit extra großen Laufrädern haben viele Vorteile. Vor allem MTB-Einsteiger können davon profitieren. Bleibt die Frage: Warum sind die XXL-Räder noch so selten?

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Es funktioniert fantastisch! Ich sitze auf einem Trek-Mountainbike mit 29-Zoll-Rädern und fühle mich wie ein Traktorfahrer, der mit hoher Geschwindigkeit über die Straße heizt. Die größten Reifen - das galt bislang nicht gerade als erstrebenswertes Ziel unter Radfahrern. Doch mit den auch Twenty-Niner genannten MTBs könnte sich das ändern.

Seit der Erfindung des Mountainbikes in den siebziger Jahren galt das 26-Zoll-Mantra. Die Laufräder durften nicht so groß sein wie bei herkömmlichen Straßenrädern, damit die Velos im Gelände schön wendig blieben. Doch seit einigen Jahren predigen einstige 26-Zoll-Verfechter wie Gary Fisher 29 Zoll als das neue Maß der Dinge.

Wobei hier gleich klargestellt werden muss: Die 29 Zoll sind gelogen. Denn die Twenty-Niner nutzen 28-Zoll-Felgen, wie sie beispielsweise auch in Trekkingbikes stecken. Weil die Mäntel aber so viel dicker sind als bei anderen Rädern, tauften findige Marketingleute die Reifengröße einfach 29 Zoll.

Für den klassischen Geländefahrer sind die riesigen Laufräder natürlich erst mal eine Zumutung: "Wenn man als Mountainbiker mit 29-Zoll-Laufrädern antritt, ist der Sprung zu Einkaufskörbchen und Schutzblechen auch nicht mehr weit", schrieb das Fachblatt "Bike" augenzwinkernd über den neuen Trend. Ein MTB mit 29 Zoll grenze fast schon an Verrat.

Immer schön geradeaus

Die Skepsis gegenüber den Mountainbikes XXL ist in Deutschland auf jeden Fall größer als in den USA, wo Twenty-Niner sich viel besser verkaufen, wie die Hersteller berichten. Womöglich wurde die neue Radklasse vor allem deshalb erfunden, um einfach noch mehr Drahtesel zu absetzen zu können?

Auch wenn ich es anfangs kaum glauben wollte - das Radeln auf den Monsterreifen bietet tatsächlich unbestreitbare Vorteile. Da ist zuallererst die größere Laufruhe. Je mehr Umfang sie haben, umso besser ist der Geradeauslauf. Das ist vor allem auf der Straße ein Vorteil - es hilft aber auch im Gelände.

Der Grund: Größere Räder bedeuten auch einen besseren Grip. Ein 29-Zoll-Reifen berührt den Boden mit einer größeren Fläche als ein 26-Zöller. Man rutscht also nicht so leicht weg, kommt besser um die Kurven und das Hinterrad dreht nicht so schnell durch.

Zumindest theoretisch: Bei meinen Testfahrten rund um den Teufelsberg im Berliner Grunewald drehte sich trotz 29 Zoll immer mal wieder das Hinterrad durch. Zur Ehrenrettung sei allerdings gesagt, dass das Gelände steil und der Boden vom Regen ziemlich aufgeweicht war.

Und auch bei kleinen Hindernissen wie Steinen, Wurzeln oder Bordsteinkanten punkten Twenty-Niner. Der größere Laufraddurchmesser sorgt für einen spitzeren Winkel, in dem man darüber rollt. Bodenunebenheiten werden kleiner. Umgekehrt tauchen die großen Räder auch weniger tief in Schlaglöcher ein als 26-Zöller.

Veränderte Geometrie

Die besondere Geometrie bei Twenty-Ninern mit ihrem recht niedrig angesiedelten Schwerpunkt verstärkt den Effekt der großen Reifen noch. Der Fahrer hat das Gefühl, quasi im Bike zu sitzen, also zwischen den Rädern.

Den vielen Vorteilen der Riesen-MTBs stehen übrigens auch ein paar Nachteile gegenüber: Sie sind nichts für Kleingewachsene und auch nicht so spritzig. Der Fahrer muss beim Beschleunigen mehr Energie in die Rotation der größeren und etwas schwereren Räder stecken.

Die großen Laufräder begrenzen zudem den maximal möglichen Federweg, weil einfach weniger Platz zwischen Reifen und Rahmen bleibt. Ansonsten wäre das Fahrrad insgesamt zu hoch. Deshalb gibt es Twenty-Niner kaum als so genanntes Fully, also mit Federung vorn und hinten, sondern in der Regel nur als sogenanntes Hardtail (starre Hintergabel plus Federgabel vorn). Und auf sehr engen Wegen muss es sich gegenüber einem 26-Zöller meist geschlagen geben. Aber für den Gelegenheits-MTBler wie mich sind 29 Zoll eine interessante Option.

insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
roriddorf 30.03.2011
1. Was für ein Schwachsinn
Warum haben denn die Mountainbikes nur 26 Zoll-Räder, wo es doch auch schon 28 Zoll-Räder gibt? ...weil man damit die Berge (Mountaines) besser raufkommt...,Die Übersetzung ist nämlich besser...
the_flying_horse, 30.03.2011
2. Berge am Kuhdamm...
Zitat von roriddorfWarum haben denn die Mountainbikes nur 26 Zoll-Räder, wo es doch auch schon 28 Zoll-Räder gibt? ...weil man damit die Berge (Mountaines) besser raufkommt...,Die Übersetzung ist nämlich besser...
Mit den MTBs ist das wie mit den Geländewagen bei den Autos - wer fährt denn damit tatsächlich ins Gelände? Und Berge sind am Kuhdamm extrem selten...
vcproepper 30.03.2011
3. .
Zitat von roriddorfWarum haben denn die Mountainbikes nur 26 Zoll-Räder, wo es doch auch schon 28 Zoll-Räder gibt? ...weil man damit die Berge (Mountaines) besser raufkommt...,Die Übersetzung ist nämlich besser...
Unfug! Den größeren Umfang der 29 kann man durch grössere Ritzel oder kleinere Kettenblätter ausgleichen.
geleser 30.03.2011
4. a
Die Übersetzung ist ganz einfach zu verändern, einfach ein paar Zähne mehr oder weniger. Das Problem war bisland die 29 Zöller in genügender Stabilität und Steifigkeit bei annehmbaren Gewicht zu bauen. Dies ist nun möglich und legitimiert die Verbreitung von 29 Zöllern. Allerdings werden diese nie die 26 Zöller vertreiben. Der erste Grund ist die Wendigkeit. Durch die größeren Räder ist das Rad etwas träger. Der zweite Grund ist das Gewicht. Das Massenträgheitsmoment wächst mit dem Quadrat des Radius, ergo ist mehr Kraft zum Beschleunigen/Bremsen nötig und trägt zur größeren Träge des Rades bei. Dennoch werden in Zukunft 29 Zöller die Referenz für Tourenräder werden.
exilostfriese 30.03.2011
5. ...
Zitat von roriddorfWarum haben denn die Mountainbikes nur 26 Zoll-Räder, wo es doch auch schon 28 Zoll-Räder gibt? ...weil man damit die Berge (Mountaines) besser raufkommt...,Die Übersetzung ist nämlich besser...
Das macht nun nicht wirklich viel aus. dann nimmt man halt die 11-34 statt der 11-32. Außerdem habe ich z.B. noch nie Schwierigkeiten gehabt die Kurbel im kleinsten Gang herum zu bekommen, sondern eher, dass das Vorderrad den Bodenkontakt verliert. Negativ: - weniger wendig - weniger Spielraum für Federung gerade für kleinere Fahrer - für Fahrer unter 1,72m (bei sportlicher Position unter 1,80m) kaum zu gebrauchen
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