Leihfahrrad-Chaos München plant Zwangsgeld gegen Obike

Seit Monaten vermüllen in München Hunderte Leihräder des angeschlagenen Anbieters Obike Parks und Fußwege. Dann meldete sich die Firma endlich und versprach Abhilfe. Doch die Verwaltung bleibt skeptisch.

Obike in München
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Obike in München


Leihanbieter Obike will seine fahruntauglichen Fahrräder aus München wegräumen - lässt dem Versprechen bisher aber keine Taten folgen. Das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen habe sich per Brief bei der bayerischen Landeshauptstadt gemeldet, sagte der städtische Radverkehrsbeauftragte Florian Paul.

Die Stadt reagierte zurückhaltend auf das Schreiben, das schon im November einging. Bisher habe die Firma ihre Ankündigung nicht umgesetzt. Einen Termin, zu dem die Räder entfernt sein sollen, hat Obike der Verwaltung nicht zugesagt. Das Unternehmen arbeite aber "mit Hochdruck" an einer Lösung, heißt es laut Paul in dem Brief.

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Obike: Unterwegs mit dem Fahrrad, das alle hassen

In dem Schreiben seien keine Telefonnummer, keine E-Mail-Adresse und kein Ansprechpartner vermerkt, sagte Paul. Als Absender ist die Berliner Adresse der vermeintlichen Deutschland-Zentrale angegeben.

Für jedes Fahrrad, das bis Ende Februar nicht weggeräumt sei, wolle die Stadt ein Zwangsgeld in Höhe von etwa 70 Euro verhängen, sagte Paul gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Noch immer liegen etwa 1000 Räder in Parks und auf Gehwegen herum, schätzt der Radverkehrsbeauftragte. Obike war in München mit 6000 bis 7000 Rädern gestartet. Ein zwischenzeitlicher neuer Eigentümer der orangefarbenen Räder hat laut Paul bereits im Dezember zahlreiche von ihnen entfernt und weiterverwertet.

Ein Fahrradhändler hatte zudem 100 Euro für jedes bei ihm abgegebene Obike ausgelobt. Er wollte das Geld beim Kauf eines Neurades anrechnen und die Leihräder verwahren, bis sie offiziell entsorgt oder zurückgenommen würden.

Stadtverwaltung will selbst aufräumen

Die Stadtverwaltung selbst muss mit ihrer bereits angekündigten Räumaktion derweil noch warten. Die Beseitigungsanordnung sei noch nicht wirksam, so Paul. Er rechnet damit, dass die Behörden im März oder April die Räder wegschaffen können.

In Hamburg hatten neue Eigentümer Tausende nicht mehr benötigte Räder für etwa 70 Euro verkaufen lassen. Die Käufer nutzen sie teilweise als Privatrad. Es hat sich sogar eine kleine Fanszene für das Billiggefährt entwickelt, auch wenn es sich nicht gerade komfortabel fährt (lesen Sie unseren Fahrbericht hier).

Obike war 2017 gegründet worden und bietet in mehreren europäischen Städten seine Leihräder an. Gründer Shi Yi hatte im Juli 2018 in einem Interview von wirtschaftlichen Schwierigkeiten gesprochen.

nis/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
freigeistiger 16.01.2019
1. Es handelt sich um Mietfahrräder
Genauso wie Mietwagen. Leihfahrräder werden nur sehr selten angeboten. Leihfahrräder sind kostenlos. Medienverbreiten immer wieder die Falschmeldungen, in Städten gäbe es kostenlose Leihfahrräder. Man muss sie mieten.
flytogether 16.01.2019
2. Und wo bleibt die Verantwortung
derjenigen Vollpfosten, welche es besonders lustig fanden, die Räder in Gewässer zu werfen oder in Bäumen aufzuhängen? Das Vorhaben von O-Bike war schlecht geplant, aber mit diesem Vandalismus hatte die Firma nicht rechnen müssen. Und SPON gefällt sich in der Rolle, das Unternehmen schlecht aussehen zu lassen. Keine Kritik gab es an den ach so lustigen Wegwerfaktionen.
telis 16.01.2019
3. Flop
In Berlin liegen die Dinger(Leihräder) an jeder Ecke. Das Geschäft scheint wohl ein Flop zu sein.
telis 16.01.2019
4.
meine defekte mietfahrräder
nickmason 16.01.2019
5. Viele Korinthen
Zitat von freigeistigerGenauso wie Mietwagen. Leihfahrräder werden nur sehr selten angeboten. Leihfahrräder sind kostenlos. Medienverbreiten immer wieder die Falschmeldungen, in Städten gäbe es kostenlose Leihfahrräder. Man muss sie mieten.
Ein Mietwagen ist ein Fahrzeug, das - ähnlich wie ein Taxi - mit Fahrer gemietet wird. Ein Fahrzeug zum selber fahren wird hingegen Leihwagen genannt. Insofern darf man auch guten Gewissens von Leihfahrrädern sprechen, auch wenn beides formaljuristisch nicht richtig sein sollte. Gleiches gilt für andere Fahrzeuge wie Motorräder oder Boote, die "geliehen" werden, auch wenn dafür bezahlt werden muss. Oder für Bücher aus einer Bücherei, die gegen Geld ausgeliehen (und nicht gemietet) werden. Und auch für den inzwischen nahezu ausgestorbenen "Video-Verleih", den nur sehr sehr wenige Menschen als "Video-Vermietung" bezeichnet haben. Natürlich gehört zur Aufzählung auch der Geldverleiher, der seine Dienste ganz sicher nicht kostenlos anbietet. Es gibt halt einen großen Unterschied zwischen "korrekter" und gesprochener Sprache.
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