Ur-Mustang mit neuer Technik Ein krasser Klassiker

Das Design stammt aus dem vergangenen Jahrhundert, die Technik ist brandneu. Ein US-Unternehmen fertigt Neuwagen im Gewand des ersten Mustang von 1964. Mit Bluetooth-Funktion, LED-Leuchten - und einem happigen Preis.

Revolgy Cars

Von Christian Frahm


Makelloser Lack, glänzendes Chrom, perfekte Sitzbezüge - der '64er Ford Mustang sieht aus wie neu. Er ist es auch: Der Tacho des Wagens auf dem Hof der Firma Revology Cars zeigt nur ein paar Meilen an. "Und fünf Jahre Garantie auf die Karosserie gibt es auch noch", sagt Tom Scarpello, der Chef von Revology. Am Rande eines Industriegebiets nahe Orlando bauen er und seine drei Mitarbeiter nagelneue Ford Mustang im Look des Ur-Modells aus dem Baujahr 1964.

Die Wagen sind eine Art Retro-Puzzle: Das Blechkleid wird vom Karosseriespezialisten Dynacorn unter Ford-Lizenz hergestellt; auch die anderen Bauteile stammen entweder original von Ford oder werden mit der Genehmigung des Herstellers von kleinen Firmen nachgebaut. Insgesamt steuern mehr als 70 Zulieferer auf der ganzen Welt Teile für die Mustang-Replikate bei.

Scarpello arbeitete 17 Jahre lang bei Ford, davon sechs Jahre im sogenannten Special Vehicle Team, der konzerneigenen Tuningabteilung. "Damals fragten mich die Kunden ständig, warum Ford den alten '64er Mustang nicht neu auflegt", sagt der 48-jährige. Irgendwann stellte sich Scarpello diese Frage selbst - und fand eine Antwort für sich: Vor einigen Jahren machte er sich selbstständig, mietete eine Werkstatt und verhandelte mit Ford über die Lizenzen zum Nachbau des Mustang. Die Gespräche zogen sich lange hin, doch seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. Im vergangenen Jahr konnte Scarpello schließlich Revology Cars gründen

Auf den ersten Blick sind die modernen Funktionen in der Nachahmung nicht zu erkennen
Revolgy Cars

Auf den ersten Blick sind die modernen Funktionen in der Nachahmung nicht zu erkennen

Mehr als 5000 Arbeitsstunden steckten er und seine Mitarbeiter in den ersten nagelneuen Ford Mustang im klassischen Look. "Es war enorm schwierig, die vielen Kabelbäume in einem Auto unterzubringen, das ursprünglich nicht für diese komplexe Technik ausgelegt war", erklärt Scarpello.

Erst kürzlich stellte er den Revology-Mustang erstmals öffentlich vor, beim Concours d'Elegance auf Amelia Island, wo normalerweise hochkarätige Oldtimer im Mittelpunkt stehen. Der "Klassiker" kam beim Publikum offenbar gut an. "Nach der Präsentation haben wir mehrere hundert Anfragen bekommen", sagt Scarpello. Falls daraus wirklich Bestellungen werden, brauchen die Interessenten aber Geduld: Denn auch wenn die Produktion angelaufen ist, dauert die Fertigstellung eines Autos etwa zwölf Wochen, weil ein Großteil der Montage in Handarbeit erfolgt.

Startknopf statt Zündschlüssel

Was unterscheidet die Kopie vom Original? Unter der Haube des Revology-Mustang sorgt jetzt ein Fünfliter-V8 Motor mit 265 PS von Ford für Vortrieb. Der Motor der aktuellen Mustang-Generation hätte nicht gepasst, weshalb das etwas ältere Aggregat aus den Neunzigerjahren zum Einsatz kommt. Als Getriebe stehen wahlweise eine Fünfgang-Handschaltung oder eine Viergang-Automatik zur Wahl, beide Varianten stammen ebenfalls aus der Ford-Großserie.

Auch im Innenraum ist moderne Technik installiert. Dreipunktgurte ersetzen die früher üblichen Beckengurte, das Mobiltelefon kann über Bluetooth mit dem Radio gekoppelt werden, und Kopfstützen gibt es gegen Aufpreis ebenfalls. Das klassische Zündschloss ist durch ein Startsystem mit "Keyless-Go"-Funktion ersetzt; es reicht also, wenn der Fahrer den Schlüssel in der Hosentasche hat, um das Auto zu starten. Als Vollgas-Extra gibt es im Cockpit eine Stoppuhr, um die Zeit für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h oder für die in den USA typische Viertelmeile zu messen. Dazu kommen Servolenkung, modifizierte Vorder- und Hinterachsen, belüftete Scheibenbremsen sowie LED-Scheinwerfer.

Teu res Remake

Ob diese Funktionen die Kundschaft überzeugen können? Fest steht: Ein Originalauto aus dem Baujahr 1964 wäre deutlich billiger als das Remake von Revology. Die Preise für den Fastback beginnen bei umgerechnet knapp 110.000 Euro, für das Cabrio bei 112.000 Euro. Damit ist er dreimal so teuer wie die jüngste Mustang-Baureihe von 2015.

Wer den alten Look in Neuwagenqualität ordert, kann laut Revology ab Anfang 2016 mit der Auslieferung rechnen. Ob weitere Typen folgen werden, lässt Scarpello offen: "Wir planen unser Geschäft der Reihe nach. Der nächste sinnvolle Schritt wäre natürlich ein Nachbau der Mustangs aus den Baujahren 1967 und 1968."

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
wolltsnursagen 06.04.2015
1. Meh
Nen Replika für 110 000€? Meh.
brotherandrew 06.04.2015
2. Das Einzige, was ...
... ich nicht verstehe ist, wie man bei diesem Fahrzeug moderne Standarts der passiven Sicherheit einschließlich Airbags erfüllen kann, wenn nicht mal Kopfstützen serienmäßig sind. Gibt es da eine gesetzliche Lücke in den USA? Oder in Deutschland?
prüderiegegner 06.04.2015
3.
Ja, wo hat er ihn denn im Gewand??
raetselfreund 06.04.2015
4. Schon der
ist so teuer, dass 90% der Deutschen ihn sich nicht leisten können. Bei diesem Remake dürfte die Quote auf über 99% steigen. Ich frage mich echt, wer die Zielgruppe solcher Artikel ist?
anaxamander 06.04.2015
5. Typo?
"fertigt Neuwagen im Gewand des ersten". Da sollte noch einmal jemand drüber gehen.
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