Assistenzsysteme werden Pflicht: Strengere Auflagen für Lkw und Busse

Lkw auf der IAA Nutzfahrzeuge: Ab Ende 2013 müssen neue Assistenzsysteme an Bord sein Zur Großansicht
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Lkw auf der IAA Nutzfahrzeuge: Ab Ende 2013 müssen neue Assistenzsysteme an Bord sein

Noch in diesem Jahr werden zwei Assistenzsysteme zur Pflicht in Bussen und Lkw: Neuzulassungen müssen über automatische Spurhalter und Abstandsregler verfügen. Unfälle wie jüngst in Deutschland, bei dem ein Lkw mit bewusstlosem Fahrer über die Autobahn rollte, sollen somit verhindert werden.

Stuttgart/Frankfurt - Technische Auflagen für Lkw und Busse sollen die Sicherheit auf den Straßen erhöhen: Ab 1. November müssen neuzugelassene Fahrzeuge sowohl über Spurhalteassistenten als auch Abstandsregeltempomaten verfügen. Darauf wies am Freitag Martin Bulheller vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) hin. Die Regelungen griffen zeitgleich in ganz Europa, um "Wettbewerbsnachteile und Preisunterschiede zu vermeiden". Die entsprechende Verordnung der EU stammt bereits aus dem Jahr 2009.

Am Mittwoch hatte der Fahrer eines tschechischen Sattelzugs auf der A6 bei Sinsheim (Baden-Württemberg) am Steuer einen Schlaganfall erlitten. Der Tempomat hielt die Geschwindigkeit und das Fahrzeug hinterließ eine Spur der Verwüstung. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand.

Bei Spurhaltewarnsystemen überwachen Radarsensoren oder Kameras die Straßen, die Fahrbahnführung wird anhand der Mittel- und Seitenmarkierungen erkannt. Droht das Fahrzeug ungewollt die Spur zu verlassen, zum Beispiel wenn kein Blinker gesetzt ist, erhält der Fahrer eine optische oder akustische Warnung.

Abstandsreglungsassistenten in Verbindung mit einem Notbremssystem funktionieren ebenfalls mit Sensoren. Sie messen die Entfernung zu anderen Objekten wie etwa zu vorausfahrenden Autos. Durch die Geschwindigkeit, mit der sich der Fahrer dem Gegenstand nähert, errechnet das System, ob es zu einem Aufprall kommen kann und macht den Fahrer darauf aufmerksam. Sollte er das Tempo nicht reduzieren, wird eine automatische Notbremsung eingeleitet. Damit lassen sich zwar nicht alle Unfälle verhindern, wohl aber deren Folgen, weil das Fahrzeug mit deutlich niedrigerer Geschwindigkeit mit dem Gegenstand zusammenstößt.

Anfang März hatte der Verband in Hamburg eine Studie vorgestellt, in der die Assistenzsysteme zwei Jahre lang getestet wurden. Der Feldversuch ergab bei Lastwagen und Bussen, die mit den Sicherheitssystemen ausgestatten waren, ein um 34 Prozent geringeres Unfallrisiko. "Das ist ein deutlicher Zugewinn an Sicherheit", sagte Bulheller.

rom/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Rechnung ohne den Wirt gemacht
M von B 22.03.2013
Ich fahre derzeit ein Auto mit einem Tempomat & Abstandshaltesystem. Alles nett und gut. Aber wenn es z.B. schneit, dann setzen sich die Sensoren zu und das System ist wertlos weil es sich abschlatet. Und ich glaube nicht, dass ein LKW Fahrer alle 5 Kilometer anhält und die Dinger reinigt. Da wird dann wieder Tricksereien Tür und Tor geöffnet.
2.
Spartacus 22.03.2013
In dem verlinkten Artikel über den Unfall steht nicht, daß das Fahrzeug beschleunigte, Der LKW fuhr trotz bewußtlosem Fahrer weiter, weil der Tempomat eingeschaltet war.
3. Gute Idee
GerhardFeder 22.03.2013
Zitat von sysopNoch in diesem Jahr werden zwei Assistenzsysteme zur Pflicht in Bussen und Lkw: Neuzulassungen müssen über automatische Spurhalter und Abstandsregler verfügen. Unfälle wie jüngst in Deutschland, wo ein Laster mit bewusstlosem Fahrer über die Autobahn rollte, sollen somit verhindert werden. Nach Unfall mit führerlosem Lkw: Notbremsassistenten werden Pflicht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/nach-unfall-mit-fuehrerlosem-lkw-notbremsassistenten-werden-pflicht-a-890431.html)
Dann wird es ab 2023 etwas sicherer, dann sind die meisten LKW nach November 2013 zugelassen und mit Assistenzsystemen ausgerüstet. Ohne vorgeschriebene schnellstmögliche Nachrüstung kann man so etwas vergessen.
4. nicht verkehrt ...
reever_de 22.03.2013
Ich erlebe täglich unterwegs auf der A2 das mir bei mieser Sicht, Starkregen und selbst Schneefall die lieben Brummifahrer bis auf einen gefühlten Meter hinten auf die Stoßstange auffahren weil ich Idiot bei solchem Wetter keine 130 Sachen fahren kann oder will. Ich wünsche diesen Verkehrsteilnehmern von Herzen, das sie irgendwo später, wo kein anderer gefährdet wird, fröhlich in einen Graben fahren und sich den Hals brechen.
5. Nur mit Totmannsknopf
panzertom 22.03.2013
"Unfälle wie jüngst in Deutschland, wo ein Laster mit bewusstlosem Fahrer über die Autobahn rollte, sollen somit verhindert werden", schreibt SPON. Das habe ich nicht verstanden. Der verunglückte Laster hatte ja schon einen Tempomaten an Bord. Nur deswegen konnte er mit dem leblosen Fahrer an Bord noch kilometerweit die Fahrt fortsetzen. Irgendwann fuhr er sich an einem Hindernis fest, so heißt es. Hätte er auch schon ein Spurhaltesystem gehabt, wäre der Laster wahrscheinlich bis nach Sizilien durchgefahren. Derlei Geisterfahrten werden mit den genannten Assistenzsystemen nicht verhindert. Im Gegenteil - sie werden ermöglicht und erleichtert! Eine Weiterfahrt ohne Einwirkung des Fahrers verhindern Sie nur mit einer Einrichtung: dem "Totmannsknopf", wie die Bahn ihn auf ihren Loks verwendet.
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