Zum Tode Ferdinand Alexander Porsches: Nüchtern am Steuer

Von Christoph Stockburger und

Ferdinand "Butzi" Alexander Porsche: Designer des 911er ist tot Fotos
Porsche

"Ein formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung": In den sechziger Jahren, als Sportwagen entweder schwülstig oder extra-elegant waren, schuf Ferdinand Alexander Porsche die nüchterne Antithese - das Modell 911. Es wurde zur Ikone und prägt den Geist des Autobauers bis heute.

Es gibt eine Begebenheit, die ziemlich viel aussagt über Ferdinand Alexander Porsche: Anfang 2005 wird der Mann, den alle nur "Butzi" oder "F.A" nannten, auf der Hauptversammlung von Porsche aus dem Aufsichtsrat verabschiedet. Auf der Bühne steht Wendelin Wiedeking, damals Chef von Porsche, und rühmt die Lebensleistung des Designers, lobt seine Menschlichkeit. Dann brandet nicht enden wollender Applaus auf - doch Ferdinand Alexander Porsche ist das peinlich, man kann es ihm deutlich ansehen.

"Ein formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung", hat er mal gesagt. Auch in dieser Aussage steckt viel von seinem Charakter. Am meisten erfährt man über Ferdinand Alexander Porsche wohl aber, wenn man sich das Produkt anschaut, das er designt hat - und das inzwischen eine weltberühmte Ikone ist: den Porsche 911.

In den sechziger Jahren entwarf F.A. Porsche, der am 5. April im Alter von 76 Jahren verstorben ist, einen der berühmtesten Sportwagen der Welt. Bis heute steckt das Design des Ur-Neunelfers in jedem einzelnen seiner Nachfolger - jedes Kind kennt die charakteristische Form mit den zwei runden Scheinwerfern und dem typischen Buckel.

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Porsche-911-Modellhistorie: Ikone mit Boxer-Herz
In den sechziger Jahren aber war die Schnörkellosigkeit seiner Kreation einzigartig. Sportwagen waren sonst schwülstig wie die Corvette aus Amerika oder elegant wie die Ferrari, Lamborghini oder Maserati aus Italien. Der 911 war einfach nur nüchtern - so wie sein Schöpfer. Und trotzdem aus dem Stand ein Klassiker. "Er fährt, auch wenn er steht", sagte Otl Aicher, ein anderer großer Designer dieser Zeit, über den Porsche 911.

1962 übernahm Ferdinand Alexander Porsche die Design-Abteilung des Sportwagenbauers. Der Auftrag seines Vaters Ferry Porsche: einen Nachfolger für den Porsche 356 entwerfen. Ein Jahr später wurde das Ur-Modell des Porsche 911 auf der Automobilmesse IAA vorgestellt - damals noch unter der Bezeichnung 901. Es war der Startschuss für eine beispiellose Erfolgsgeschichte.

Geboren wurde Ferdinand Alexander Porsche am 11. Dezember 1935 in Stuttgart als ältester Sohn von Dorothea und Ferry Porsche. 1943 siedelte die Familie zusammen mit dem Unternehmen Porsche nach Österreich. Nach der Rückkehr nach Stuttgart im Jahr 1950 besuchte Ferdinand Alexander die Freie Waldorf-Schule.

Ein Konstruktionsbüro als Spielplatz

Sein Spielplatz war das Entwicklungs- und Konstruktionsbüro seines Vaters und Großvaters in Zuffenhausen. Was er dort sah und hörte, prägte ihn nach eigenen Aussagen: "Ich war stolz und glücklich dazuzugehören. Ich nehme an, das Erlebnis dieser Stunden ist im Unterbewusstsein hängengeblieben." Nach seinem Schulabschluss schrieb er sich an der Hochschule für Gestaltung in Ulm ein. Nur zwei Semester hielt es ihn dort, dann trat F.A. Porsche in das Konstruktionsbüro seiner Familie ein.

"Butzi zeigte sehr bald ein beachtliches Talent für das Styling", erinnerte sich Ferry Porsche in seinen Memoiren an die Anfänge seines Sohnes im Unternehmen. Das war 1958 - vier Jahre später übernahm er die Design-Abteilung und schuf mit seinen Mitarbeitern auf Anhieb jenen Sportwagen, der den Erfolg des Autobauers aus Zuffenhausen begründete. Nur das für den 911er charakteristische schräge Fließheck geht auf das Konto seines Vaters - Chefdesigner Butzi war davon zwar nicht begeistert, aber Firmeninhaber Ferry setzte sich durch.

Außer mit den Personenwagen befasste sich "Butzi" Porsche mit dem Design der Rennwagen der sechziger Jahre. Zu seinen bekanntesten Entwürfen zählen unter anderem der Formel-1-Rennwagen Typ 804 oder der Porsche 904 Carrera GTS, der heute als einer der schönsten Rennsportwagen überhaupt gilt.

Ein Auto zum Anfassen

Dabei hatte Butzi trotz seiner optisch eher nüchternen Schöpfungen durchaus einen Sinn für das Sinnliche: "Einen typischen Porsche kann man anfassen. Er hat einen Körper. Er ist eine Sie", sagte er einmal.

Als die Porsche KG im Jahr 1972 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, schied Ferdinand Alexander Porsche zusammen mit allen anderen Familienmitgliedern aus dem operativen Geschäft aus. Im selben Jahr gründete er in Stuttgart ein Designstudio. Butzi entwarf fortan Herren-Accessoires: Uhren, Brillen und Füller, die unter der Marke Porsche Design verkauft werden.

Die wurden in der Regel von Menschen gekauft, mit denen F.A. Porsche wenig gemein hatte. Er war kein Jetsetter, sondern eben ein rundum bodenständiger Typ. Er mochte Western, kraxelte am liebsten auf alten Burgen oder Schlössern herum oder ging mit seiner Frau, die er im Alter von 15 Jahren kennengelernt und sieben Jahre später geheiratet hatte, spazieren.

Alles, was Männern wichtig ist

In der für das Unternehmen Porsche schwierigen Zeit Anfang der Neunziger übernahm er für drei Jahre den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Bis 2005 war er Mitglied des Gremiums, dann übergab er sein Mandat an seinen ältesten Sohn Ferdinand Oliver und übernahm den Ehrenvorsitz des Aufsichtsrats. Ferdinand Alexander Porsche hat zwei weitere Söhne: Kai Alexander und Mark Philipp.

"Als Schöpfer des Porsche 911 hat er in unserem Unternehmen eine Designkultur begründet, die unsere Sportwagen bis heute prägt", erklärte der Chef des Porsche-Aufsichtsrats, Matthias Müller, zum Tode Porsches. "Seine Philosophie von gutem Design ist für uns ein Vermächtnis, das wir auch in Zukunft in Ehren halten werden."

Wendelin Wiedeking hat es einmal anders gesagt: "Ferdinand Alexander Porsche hat alles gestaltet, was Männern wichtig ist."

Ferdinand Alexander Porsche wird im Familiengrab am Schüttgut in Zell am See beigesetzt. Eine offizielle Trauerfeier soll zu einem späteren Zeitpunkt in Stuttgart stattfinden.

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1. Perfektion
jaybee 05.04.2012
Zitat von sysop"Ein Formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung": In den sechziger Jahren, als Sportwagen entweder schwülstig oder extra-elegant waren, schuf Ferdinand Alexander Porsche die nüchterne Antithese - das Modell 911. Es wurde zur Ikone und prägt den Geist des Autobauers bis heute. Zum Tode Ferdinand Alexander Porsches: Nüchtern am Steuer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,826082,00.html)
Es gibt ja den schönen Satz, daß etwas nicht dann perfekt ist, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann. F. A. und Jonathan Ivy (Designchef bei Apple) hätten sich bestimmt gut verstanden :-) Wobei: Steve Jobs dachte ja ähnlich, fuhr aber bevorzugt die andere Marke aus Stuttgart. jb.
2. Original
wolf_xl 05.04.2012
Ein 911er ist halt ein Original - ebenso wie eine Harley, eine Leica, eine Rollei TLR oder eine Hasselblad... Nichts anderes gibt einem dieses gute Gefühl ein "Original" zu benutzen, als das Original selbst... Harley, Leica und Rollei hab' ich schon - der 911er steht ganz oben auf der Wunschliste - auch den werd' ich mal mein eigen nennen - Indianerehrenwort!!!
3. 901 / 911
mauimeyer 05.04.2012
Zitat von sysop"Ein Formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung": In den sechziger Jahren, als Sportwagen entweder schwülstig oder extra-elegant waren, schuf Ferdinand Alexander Porsche die nüchterne Antithese - das Modell 911. Es wurde zur Ikone und prägt den Geist des Autobauers bis heute. Zum Tode Ferdinand Alexander Porsches: Nüchtern am Steuer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,826082,00.html)
Bezogen auf die Prortionen finde ich den ersten 911 am allerbesten. Heute ist er bezogen auf Radstand und Länge zu breit und am "Po" zu schwülstig. Gott sei Dank ist der Ausflug zu den "Spiegeleier-Scheinwerfern" abgeschlossen. Die diversen Heckspoiler waren ja auch eher Punker-Styling als ästhetisch. Alles in Allem: Design und Technik dieses Autos: ein Meisterwerk, das es so nicht wieder geben wird! Heute bestimmen zu viele! Kauri
4. Formgeber einer ganzen Generation
Stauss 05.04.2012
"schuf Ferdinand Alexander Porsche die nüchterne Antithese - das Modell 911." Schauen Sie sich mal das Design der heutigen Modelle von Audi, BMW und Mercedes an. Alle diese Autos sind in der Formensprache des 911. Sparsame, durchgängige Linien und effektiv.
5.
vulcan 06.04.2012
Zitat von sysop"Ein Formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung": In den sechziger Jahren, als Sportwagen entweder schwülstig oder extra-elegant waren, schuf Ferdinand Alexander Porsche die nüchterne Antithese - das Modell 911. Es wurde zur Ikone und prägt den Geist des Autobauers bis heute. Zum Tode Ferdinand Alexander Porsches: Nüchtern am Steuer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,826082,00.html)
Also mir hat der 911 noch nie gefallen, nicht mal die ganz frühen heute als Klassiker. Ich hab's dann doch eher mit 'schwülstig'... :-) Aber ist halt Geschmackssache. Außerdem - auch heute noch ist das Geräusch eines 911, der ordentlich Gas gibt, in meinen Ohren schlicht ordinär. Da kann ich mir nicht helfen...
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