Namensspekulation Neuer VW-SUV wird kein Marrakesch

Trotz der Vorliebe für Namen mit afrikanischem Anklang wie Touareg und Scirocco wird es keinen Marrakesch im Programm des Autoherstellers Volkswagen geben. Der bisher als Kompakt-SUV geführte neue Geländewagen bleibt weiterhin offiziell namenlos.


Wolfsburg - Einen Tag nach der Einigung über den Produktionsstandort des geplanten kleinen VW-Geländewagens hat der Autobauer Spekulationen über den Namen des Fahrzeuges beendet. Der kleine Geländewagen wird nicht den Namen der marokkanischen Stadt Marrakesch tragen, wie ein VW-Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. Das für 2007 geplante Projekt wird firmenintern bisher nur nüchtern als "kompakter Geländewagen" oder "Kompakt-SUV" bezeichnet. Ein endgültiger Name stehe noch nicht fest, sagte der Sprecher.

Touareg W12: Vom Namen eines Berbervolkes abgeleitete Modellbezeichnung

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SUV steht für Sports Utility Vehicle, eine englische Umschreibung für Freizeit-Geländewagen. Die Bezeichnung "Marrakesch" war von einer Zeitung eingeführt worden. Der Name war von vielen Blättern und Sendern, aber auch von Politikern wie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement oder Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff aufgegriffen worden. Selbst der neue Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte zum Unmut der Marketingverantwortlichen den falschen Namen in einer Pressemitteilung benutzt. Später entschuldigte er sich zerknirscht.

Neuer SUV ist kein Golf-Geländewagen

VW hatte wochenlang erfolglos versucht, den Gebrauch des falschen Namens zu stoppen. Als Ursprung des Begriffes "Marrakesch" gilt der erfolgreiche große Geländewagen mit dem Namen Touareg, der von einem Berbervolk in der nordafrikanischen Sahara abgeleitet ist. Auch der afrikanische Wüstenwind Scirocco musste schon einmal für ein VW-Modell herhalten. Der richtige Name für den kleinen Geländewagen wird voraussichtlich erst im Jahr 2007 kurz vor der Modellpräsentation genannt. Beim neuen Cabrio Eos etwa veröffentliche VW den Namen erst etwa vier Woche vor der Präsentation.

Der kleinen Geländewagen soll auch nicht auf der Plattform des Kompaktmodells Golf aufbauen, wie VW weiter mitteilte. Als Basis für den Wagen seien vielmehr Module aus den Baureihen Passat und Golf vorgesehen. Es sei falsch, dass der Wagen vom Golf abgeleitet werden soll. VW reagierte damit auf eine Vielzahl von Berichten, nach denen das Auto als "Golf-Geländewagen" bezeichnet worden war.

Der Wagen war in den Blickpunkt geraten, nachdem ein Streit zwischen Firmenleitung und Gewerkschaft über den Produktionsort ausgebrochen war. VW verlangte massive Einsparungen bei den Personalkosten, sonst würde das Fahrzeug in Portugal statt in Wolfsburg gebaut. Am Dienstag einigten sich Volkswagen und IG Metall auf den Bau am Stammwerk. Allerdings musste die Gewerkschaft dabei Löhne hinnehmen, die 20 Prozent unter dem bisherigen Tarifniveau liegen.

Von Claus-Peter Tiemann, AP



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