Stuttgart - Wie riskant eine manuelle Bedienung des Navigationssystems während der Fahrt sein kann, hat ein Test im Auftrag des Auto Club Europa (ACE) ergeben. Demnach beträgt die Dauer der gesamten Ablenkungszeit bis zu 78 Sekunden, wenn der Fahrer eine komplett neue Zieladresse in das Navi eintippen will.
Das stellten Wissenschaftler der Universität Salzburg (Österreich) fest. Deren Aufgabe war es, herauszufinden, welche ablenkende Wirkungen von den HMI (Human Machine Interface) genannten Schnittstellen zwischen Fahrer und Fahrzeug ausgehen können. Untersucht haben die Forscher die Systeme in Modellen Ford Focus, Opel Astra und VW Golf.
Grundlage der am Mittwoch in Stuttgart veröffentlichten Untersuchung bildeten laut ACE internationale Standards und Richtlinien, auf die sich Fahrzeughersteller für die Entwicklung neuer Bediensysteme im Auto verständigt haben. In Anbetracht der teils beunruhigenden Testergebnisse verlangt der ACE jetzt von den Autoherstellern, sie sollten die Bediensysteme künftig so konfigurieren, dass etwa das Eintippen einer Zieladresse im Navi während der Fahrt unterbunden wird. Eingaben mittels Sprachsteuerung und per Zielspeicher hingegen sind nach Ansicht des ACE in der Regel unbedenklich.
Auch der Gesetzgeber ist gefordert
Falls sich die Hersteller nicht dazu entschließen, ihre Systeme den Erfordernissen der Verkehrssicherheit besser anzupassen, müsste der Gesetzgeber im Rahmen der technischen Zulassungsvorschriften eingreifen, schlussfolgert der ACE.
Der Club fordert außerdem von der Verkehrsunfallforschung zügig zu klären, ob der neuerdings wieder negativ verlaufende Trend in der Unfallentwicklung möglicherweise damit zusammenhängt, dass Fahrer mit modernen Multimediaangeboten und bestimmten Assistenzsystemen im Auto nicht zurechtkommen. Außerdem verlangt der ACE, dass alle sicherheitsrelevanten Basisfunktionen im Auto künftig über eine einfache und gleichartige Bedienlogik verfügen sollten.
Der HMI-Test zeigt nach den Angaben des Stuttgarter Autoclubs auch, dass nicht allein die Zahl der Blickwechsel von der Fahrbahn auf das Display die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, entscheidend sei vielmehr die Dauer der gesamten Ablenkungszeit. Demnach darf sich beispielsweise die für eine einzelne Navi-Bedienung beanspruchte Zeit auf nicht auf mehr als 20 Sekunden addieren und der einzelne Blick sollte sich nicht länger als zwei Sekunden vom eigentlichen Fahrgeschehen abwenden, betont der ACE.
Der Club macht zugleich darauf aufmerksam, dass es beim regelgerechten Telefonieren sowie beim Ändern von Radio- und Audioeinstellungen in den Tests zu keinen Überschreitungen der in den Richtlinien festgelegten Toleranzgrenzen gekommen ist.
rom/dapd
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