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Neue Autos aus Deutschland: Sachsen macht mobil

Aus Frankfurt berichtet Jürgen Pander

Sie stehen im Schatten der großen Hersteller und deren wuchtigen IAA-Messeständen. Doch was Originalität, Optik und Technik angeht, sind die drei deutschen Auto-Newcomer Trabant, Melkus und E-Wolf - alle aus Sachsen - den etablierten Marken mindestens ebenbürtig.

Neue Autos aus Deutschland: Sachsen macht mobil Fotos
Jürgen Pander

Es ist eine einmalige Renaissance in der deutsch-deutschen Autogeschichte: 30 Jahre nachdem das 101. und letzte Exemplar des DDR-Sportwagens Melkus die Manufaktur in Dresden verließ, entsteht ebendort die Neuauflage des legendären Flügeltürers: der Melkus RS 2000. Sepp und Peter Melkus, Enkel und Sohn des DDR-Rennfahrers und Konstrukteurs Heinz Melkus, entwickelten den Zweisitzer nach den Prinzipien, nach denen bereits Heinz Melkus mit bescheidenen Mitteln außergewöhnliche Sportwagen schuf.

Leichtbau und Rennsporttechnik heißt das doppelte Credo. Die von Lutz Fügener und Jens Timmich gestaltete Karosserie besteht aus glasfaserverstärktem Polyester, insgesamt wiegt der Wagen lediglich 950 Kilogramm. Der Motor stammt ursprünglich von Toyota, wurde aber mit einem mechanischen Strömungslader, einer neuen Kammersystem-Ölwanne und radikalen Eingriffen in die Steuerelektronik auf 270 PS getunt; in einer späteren Rennversion soll das Triebwerk sogar 320 PS leisten.

"Derzeit konzentrieren wir uns voll und ganz auf den Produktionsstart der ersten beiden Modelle", sagt Firmenchef Sepp Melkus. Etwa 25 Fahrzeuge pro Jahr sollen in der Manufaktur mit rund 25 Mitarbeitern am Rande von Dresden entstehen. 107.500 Euro wird ein Auto kosten, sofern der Kunde keine Extrawünsche bei Ausstattung oder Lackierung hat. Der Ur-Melkus kostete damals, in den siebziger Jahren der DDR, rund 30.000 Ost-Mark. Heute existieren noch etwa 80 Typen dieser Vollgas-Rarität, die aktuell nicht unter 50.000 Euro gehandelt werden.

In weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100

"Das Auto", sagt Sepp Melkus, "ist ein Sportwagen reinsten Wassers." Und das liege nicht nur an der rassigen Form und den spektakulären Flügeltüren, sondern vor allem am beeindruckenden Verhältnis von Leistung und Gewicht, das einen Spurt von 0 auf 100 in 4,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h möglich macht.

Auf ganz andere Art spielt Klaus Schindler, Manager der Modellbaufirma Herpa, mit der DDR-Automobilgeschichte. Herpa rief bereits vor zwei Jahren auf der IAA die Idee eines New Trabi ins Leben. "Wir haben damals 12.000 Leute befragt", berichtet Schindler, "und 94 Prozent erklärten, sie könnten sich den Trabant der Zukunft gut als Öko-Auto vorstellen." Der Zweitakt-Stinker von einst, dessen Fehlzündungs-Stakkato zum Sound der Deutschen Einheit wurde und dessen Abgasdunst zum Parfüm der Wende, soll nun als sauberes Elektroauto wiederkehren.

Auf dieser IAA steht der Prototyp Trabant nT, ein 3,95 Meter langer 4+1-Sitzer mit drei Türen und im Kombi-Look, der rund eine Tonne wiegt. Angetrieben wird das Auto von einem Elektromotor, der 64 PS leistet und seine Energie aus einer Lithium-Ionen-Batterie bezieht. Klaus Schindler und Herpa stießen das Projekt an, gebaut wurde der Prototyp von der Firma Indikar aus Zwickau und die Form stammt vom ehemaligen VW-Designer Nils Poschwatta. "An diesem Auto sind eine ganze Reihe deutscher Mittelständler beteiligt", erklärt Schindler.

Serienfertigung ist noch ungewiss

Nun sucht der Miniaturauto-Experte einen Investor, der den Trabant nT zur Serienreife und dann auf die Straße bringen möchte. "Es gibt viele Hersteller, die gerne eine Mini im Portfolio hätten. Für die ist der Trabant doch eine einmalige Chance", sagt Schindler. Der Name sei bestens bekannt, das Auto als Symbolvehikel der Deutschen Einheit schon jetzt eine Sympathie-Ikone. Gepaart mit einem modernen Elektroantrieb und einem Dach voller Solarzellen hätte der flotte Kleinwagen wohl tatsächlich gute Aussichten.

"Wenn noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällt, könnte das Auto 2012 auf die Straße kommen", erklärt Schindler. Lieferzeiten wie einst würde es für den neuen Trabi nicht geben, dafür würde das Auto deutlich teurer. Noch gibt es keine konkreten Preisvorstellungen, aber ein Elektroauto in diesem Format koste "sicher eher 25.000 als 15.000 Euro", sagt Schindler.

Radikaler Flitzer

In ganz anderen Preisregionen, nämlich oberhalb von 100.000 Euro, positioniert die ganz neue Autofirma E-Wolf ihre Produkte. Sitz des Unternehmens in Neuenrade im Sauerland, doch die Fahrzeuge entstehen an einer Ausgründung des Instituts für Leichtbau der TU Dresden. Dort haben rund ein Dutzend Spezialisten Moritz Bahlsen, den Elektro-Monoposto E-Wolf E1 entwickelt. Das fahrfertige Auto wiegt lediglich 450 Kilogramm, möglich machen es Kohlefaserkarosserie, Karbonfelgen und radikale Gewichtsersparnis wo es nur geht.

In Kombination mit einem Siemens-Elektromotor und einem Lithium-Ionen-Akku der Firma Li-Tech - die Leistung liegt bei maximal 148 PS - rollt hier ein extremer Renner an den Start. "Wir wollten nicht noch einen kleinen Stadt-Elektrowagen, sondern ein Auto, das wirklich was kann", sagt Bahlsen. Eine Kleinserie des E1 von etwa zehn Autos soll jetzt für solvente E-Racer-Fans gebaut werden; doch die Konzentration bei E-Wolf richtet sich längst auf den E2. Dieses Auto soll bis zur nächsten IAA fertig sein. Ein Leichtbau-Sportwagen mit zackig-aggressivem Design und vier radnah positionierten Elektromotoren, die jeweils 1000 Nm freisetzen. "Da", sagt einer aus dem Entwicklungsteam, "läuft der Film dann schon sehr hastig ab."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. muss denn hier immer was rein? was soll denn das?
Mulharste, 21.09.2009
na so ne E-Pappe ist doch ne feine Sache. :D
2. KW bitte im Elektrozeitalter
Alois, 21.09.2009
Zitat von sysopSie stehen im Schatten der großen Hersteller und deren wuchtigen IAA-Messeständen. Doch was Originalität, Optik und Technik angeht, sind die drei deutschen Auto-Newcomer Trabant, Melkus und E-Wolf - alle aus Sachsen - den etablierten Marken mindestens ebenbürtig. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,650083,00.html
Elektroautos sind also der Hype der IAA. Die SPON Redaktion könnte sich um die Verbreitung der Idee verdient machen , wenn Sie endlich Die Leistung von E-Motoren in KW angeben würde , denn dann könnte man E-Autobauer nicht als PS- Fetischisten bezeichnen :) Im Ernst Die FOCUS Online Leute machen dies konsequenterweise schon eine Weile so! Ich wünsche mir , dass wenigstens im Forum eine Mehrheit dies akzeptieren würde. Ps für E-Motoren ist BLÖD Stil.
3. und von was träumen Sie nachts?
reflexxion 21.09.2009
"Es gibt viele Hersteller, die gerne eine Mini im Portfolio hätten. Für die ist der Trabant doch eine einmalige Chance", sagt Schindler. Der Name sei bestens bekannt, das Auto als Symbolvehikel der Deutschen Einheit schon jetzt eine Sympathie-Ikone. Gepaart mit einem modernen Elektroantrieb und einem Dach voller Solarzellen hätte der flotte Kleinwagen wohl tatsächlich gute Aussichten." Der Name Trabant mag vieles sein, sicher aber kein Sympathieträger. Die stinkenden Verkehrshindernisse sind zu recht aus dem Straßenbild verschwunden. Sie waren weder schön noch gar cool sondern einfach nur spießig und langweilig. Die Design-Geber des new Trabant haben nicht umsonst vorher nur Spielzeugautos verkauft und sie sind heute insolvent. Ein solches Auto ist unverkäuflich, im übrigen sieht es stark nach dem Mini Clubman aus - in guter Tradition des Design-klaus denn auch der Trabant wurde nach Vorgaben des Lloyd Alexander nachgebaut. Elektroautos sind keine Lösung, denn der Strom kommt immer noch aus der Steckdose und dahinter sind normale Kraftwerke die fast alle CO2 emittieren.
4. @ reflexxion
signore 22.09.2009
Woher wollen Sie denn so genau wissen, dass der Trabant kein Sympathieträger war? Ich denke, gerade das Gegenteil ist der Fall. Mag ja sein, dass seine Besitzer nach der Wende gestrichen die Nase voll hatten und schnellstmöglich auf ein modernes Austo umgestiegen sind - dennoch symbolisiert er die Mobilität/Ost und nicht zuletzt sogar die Wiedervereinigung. Für mich ist er ein automobiles Stück Geschichte. Und gerade wegen seiner Un-Modernität ist er wie kaum ein anderes Auto geeignet, sein Image zu wandeln und zum Technologieträger zu werden. Darüber hinaus hat der nT etwas, das vielen modernen Autos fehlt, nämlich Charme und Besonderheit. Und er ist nicht wie andere Retro-Autos großer Konzerne (z.B. Mini One) vordergründig auf Lifestyle gemacht. Finde ich sehr sympathisch.
5. Wessi-Arroganz...
Salonbolschewik 22.09.2009
Zitat von signoreWoher wollen Sie denn so genau wissen, dass der Trabant kein Sympathieträger war? Ich denke, gerade das Gegenteil ist der Fall. Mag ja sein, dass seine Besitzer nach der Wende gestrichen die Nase voll hatten und schnellstmöglich auf ein modernes Austo umgestiegen sind - dennoch symbolisiert er die Mobilität/Ost und nicht zuletzt sogar die Wiedervereinigung. Für mich ist er ein automobiles Stück Geschichte. Und gerade wegen seiner Un-Modernität ist er wie kaum ein anderes Auto geeignet, sein Image zu wandeln und zum Technologieträger zu werden. Darüber hinaus hat der nT etwas, das vielen modernen Autos fehlt, nämlich Charme und Besonderheit. Und er ist nicht wie andere Retro-Autos großer Konzerne (z.B. Mini One) vordergründig auf Lifestyle gemacht. Finde ich sehr sympathisch.
...Zustimmung. David Issigonis - Schöpfer des Austin Mini - würde sich im Grabe umdrehen, könnte er sehen, was die Mannen bei BMW aus seinem genialen Entwurf gemacht haben. Im Übrigen scheinen die SPON-Schreiber keine Ahnung von Antriebstechnik zu haben. "Fehlzündungs-Stakkato" - so ein Quatsch. Das ist das normale Standgeräusch eines Zweitaktmotors, der im Leerlauf weit unterhalb seiner Resonanz-Drehzahl "viertaktet". Gerade Sepp Melkus - von dem könnte noch soviel kommen, daß anderen Hören und Sehen vergeht... .
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