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Neue Mercedes A-Klasse: A wie alles neu

Aus Genf berichten und

Mercedes A-Klasse: Alles auf Anfang Fotos
DPA

Fast krampfhaft kämpft Mercedes seit Jahren um ein junges Image - bislang meist vergebens. Jetzt soll ein Neustart bei der A-Klasse mehr Jugendlichkeit bringen. Am Montagabend wurde auf dem Autosalon in Genf der neue Baby-Benz enthüllt. Und ja - der ist knackig.

Zwischendurch blitzt es noch mal auf, das Ringen zwischen, nennen wir es mal wohlwollend Tradition und Erneuerung bei Mercedes. Da stehen plötzlich, bei der Weltpremiere der neuen A-Klasse beim Genfer Autosalon, zwei Fußballer neben Vorstandschef Dieter Zetsche auf der Bühne, Mario Götze und Benedikt Höwedes. Hinter ihnen sind eben drei neue A-Klassen auf die Bühne gefahren. "Und", fragt Zetsche Mario Götze, "wie findest Du sie?"

Zuvor hatte Zetsche eine mitreißende Rede gehalten. Es wurde eine Video-Performance-Tanz-Techno-Mixtur gezeigt, die auch problemlos in Szene-Schuppen wie dem Berghain in Berlin hätte laufen können. Es war alles schick, schnell und schmissig. Doch dann legt die Präsentation plötzlich diese Vollbremsung hin. Mario Götze murmelt ein paar unverständliche Worte ins Mikro. Zetsche bedankt sich, mühsam nimmt die Show wieder Geschwindigkeit auf.

Warum nur musste das ein? Jeder, der am Wochenende Bundesliga guckt, weiß doch, dass Fußballspieler nicht gerne reden. Klar, Mercedes sponsert seit einem gefühlten halbem Jahrhundert die Nationalmannschaft, hat jetzt zwei neue Spieler exklusiv verpflichtet als Gesicht zum Auto. Testimonial heißt diese PR-Maßnahme, und fühlt sich so abgestanden an, dass sie gar nicht zur neuen A-Klasse passt - denn eigentlich steht die ja für einen kompletten Neuanfang.

Am Anfang war der Elchtest

Als Mercedes vor 15 Jahren die erste Generation der A-Klasse vorstellte, herrschte Entsetzen in weiten Teilen der Stammkundschaft. Das soll ein Mercedes sein? Es hätte gar keinen misslungenen Elchtest gebraucht, um bei den Fans der Marke das automobile Weltbild kippen zu lassen. Die A-Klasse sah von außen bieder aus, innen wirkte sie billig - das sollte der Konkurrent zu VWs Golf sein, mit dem Junge Leute an die Marke geführt würden?

Ironie der Geschichte: Der Wagen wurde - auch wegen des übersichtlichen Formats und der höheren Sitzposition - vor allem von Ruheständlern gekauft. Im vergangenen Jahr lag der Altersdurchschnitt der A-Klasse-Käufer hierzulande bei 57,1 Jahren. Zum Vergleich: BMW-1er-Kunden waren im Schnitt 49,5 Jahre alt.

Eine reife Kundschaft ist ja generell nichts Schlechtes. Doch wenn ein Auto explizit neue Kunden gewinnen soll, sind Senioren nicht gerade das erwünschte Zielpublikum. Und so ringt Mercedes seit Jahren krampfhaft um einen jugendlichen Anstrich, denn auch die zweite Generation der A-Klasse, die 2004 debütierte, brachte nicht den erhofften Jungbrunnen-Effekt. Wie auch, das Auto war ja grundsätzlich das Alte geblieben.

Das ist jetzt, mit Generation drei, vorbei. In Genf enthüllte Mercedes nämlich eine A-Klasse, die jünger und erfrischender aussieht als je zuvor. Der Benz-Benjamin wurde komplett umgekrempelt: Das Sandwich-Bauprinzip mit dem doppelten Fahrzeugboden wurde verworfen, die neue A-Klasse duckt sich um 18 Zentimeter flacher auf die Straße. Dazu wurde das Auto um fast einen halben Meter länger und das Heck läuft nun flacher aus. Die A-Klasse ist keine Schachtel auf Rädern mehr, sie ist ein richtiges Auto geworden.

Auch bei der Innenreinrichtung des Autos ist nichts mehr wie es war. Die frischen Formen und Farben und die erkennbar detailverliebte Verarbeitung des Interieurs machen Eindruck. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt: "Die A-Klasse ist neu bis ins letzte Detail. Diese Chance, mit einem weißen Blatt Papier zu beginnen, gibt es in der Autoentwicklung nicht oft. Unsere Ingenieure und Designer haben sie genutzt."

Neue Motoren und erstmals auch ein Doppelkupplungsgetriebe

Auch unter der Haube ist alles neu: Die bisherigen, nur in dieser Baureihe einsetzbaren Motoren gehören nun zum Altmetall und werden durch Aggregate einer neuen, vielfältig nutzbaren Aggregatefamilie ersetzt. Einzelheiten erfährt man jedoch noch nicht, denn die neue A-Klasse wird erst ab September zu den Händlern kommen. Zu Preisen ab voraussichtlich 25.000 Euro werden zunächst je drei Benzin- und Diesel-Motorisierungen angeboten, die ein Leistungsspektrum von 109 bis 211 PS abdecken. Weil das Auto windschlüpfiger ist als je zuvor und eine Start-Stopp-Automatik Standard ist, geht der Verbrauch deutlich zurück und liegt im besten Fall bei 3,7 Litern. Und mit Blick auf die Konkurrenz von VW wird neben der Option auf eine konventionelle Automatik erstmals auch ein Doppelkupplungsgetriebe und womöglich sogar Allradantrieb verfügbar sein.

Wie ernst es Mercedes mit der Eroberung der jungen Kundschaft meint, zeigt nichts besser als die Vollintegration des iPhones in das Multimediasystem der A-Klasse. Die wurde in Zusammenarbeit mit Apple entwickelt und ermöglicht Zugriff auf soziale Netzwerke, den App-Store etc. Sogar eine Sprachsteuerung über Siri ist möglich - "Knight Rider" lässt grüßen. Mercedes hat verstanden, dass für viele junge Leute heute ihr iPhone oder ihr iPad wichtiger sind als ein Auto - und dass ein Auto, dass Ihr iPhone nicht liebt, auch von ihnen nicht geliebt werden kann.

Gleichzeitig ist der Baby-Benz bis zum Kragen mit Assistenzsystemen aufgerüstet. Dazu zählen nicht nur der Müdigkeitswarner und das vorausschauende Kollisions-Schutzpaket Presafe, das in brenzligen Situationen die Gurte strafft und die Fenster schließt. Sondern zum ersten Mal in dieser Klasse bauen die Schwaben ein radargestütztes System ein, das vor Auffahrunfällen warnt und beim Bremsen hilft. Die angepeilte junge Kundschaft soll schließlich noch viele, viele Jahre gern und gesund Auto fahren - vielleicht sogar Mercedes.

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insgesamt 92 Beiträge
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    Seite 1    
1. Gar nicht so übel
cor 05.03.2012
Ich bin nicht gerade ein Mercedes-Fan, zähle mich jetzt mal ganz arrogant zu den "Jüngeren" und muss sagen: Sieht gar nicht so schlecht aus! Endlich traut sich Böblingen was!
2. Den Rentnern
mauimeyer 05.03.2012
Zitat von sysopDaimlerFast krampfhaft kämpft Mercedes seit Jahren um ein junges Image - bislang meist vergebens. Jetzt soll ein Neustart bei der A-Klasse mehr Jugendlichkeit bringen. Die bisherige Rentner-Baureihe wird auf dem Autosalon in Genf zum frischen Flitzer stilisiert. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,818889,00.html
...kann man ja die B-Klasse überlassen, oder den GLK oder den betuchteren unter ihnen das C-Klasse-Coupè. Der Wagen sieht gut aus.Bleibt zu hoffen, daß Mercedes zu seiner alten Qualität zurückfindet. In jedem Fall wird der Wettbewerb spannend: BMW-1er, Audi A3 und Mercedes A-Klasse! Alle neu - das ist Marktwirtschaft pur und unterscheidet sich von 30 Jahre Trabi-Einerlei! Kauri
3. Frauenauto
drhibbert 05.03.2012
Wenn das mal gut geht... In meinen Augen ist die A-Klasse ein "Frauenauto", d.h. wird zumeist von Frauen gefahren. Und heisst es nicht, dass Frauen eine höhere Sitzposition bevorzugen? Ein "freundliches" Fahrzeuggesicht? Vielleicht wurde das neue Modell an der wirklichen Käuferschicht vorbei gestaltet. Mal abwarten...
4. Rost
johndo89 05.03.2012
Bin ja mal gespannt, wie lange es dauert bis die Kisten anfangen zu Rosten.
5. Zielgruppe?
John.Wuk 06.03.2012
Zitat von corIch bin nicht gerade ein Mercedes-Fan, zähle mich jetzt mal ganz arrogant zu den "Jüngeren" und muss sagen: Sieht gar nicht so schlecht aus! Endlich traut sich Böblingen was!
Wen meinst Du jetzt? Den Zetsche, den Löw, den Bierhof oder die beiden anderen mir völlig unbekannten Gestalten? Das ist also das Rezept, um junge Käufer abgraben? Leute, die sonst zu A1, 1er oder Mini greifen?
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