Neue Umweltzonen-Pläne Wo Ihr Auto künftig einen Freifahrtschein braucht

Deutschlands Städte machen ernst: Immer mehr richten Umweltzonen ein, in denen man nur noch mit Feinstaubplakette fahren darf. SPIEGEL ONLINE zeigt, wo neue Verbote geplant sind - und wo die existierenden verschärft werden sollen.


Ohne Feinstaub-Freifahrtschein geht bald nichts mehr. Seit Jahresbeginn gilt in Berlin, Köln und Hannover Plakettenpflicht für Kraftfahrzeuge. Inzwischen sind das komplette Ruhrgebiet sowie viele kleinere Städte dazugekommen. 14 haben nun eine Umweltzone, und schon in Kürze könnten es mehr als doppelt so viele sein, nämlich rund 30 (siehe Übersichtskarte).

Viele Orte haben gar keine andere Wahl, als Umweltzonen einzurichten. Städte wie Stuttgart oder München überschreiten regelmäßig die von der EU vorgegebenen Feinstaub-Grenzwerte und müssen deshalb gegensteuern.

Wer ohne Plakette in die Sperrgebiete fährt, muss mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei rechnen. Allerdings sind die Regelungen von Stadt zu Stadt verschieden. Zwar werden die Fahrzeuge bundesweit in die drei Schadstoffklassen grün, gelb und rot eingeteilt - doch welches Auto künftig noch wohin darf, regelt jede Kommune selbst. Mit roter Plakette darf man in Mannheim beispielsweise bis Ende 2011 in die Umweltzone, in München hingegen ist die Verschärfung schon für Ende 2010 geplant.

Was wo gilt, wer wie scharf vorgehen will, erklärt die interaktive Übersichtskarte - zu allen weiteren Fragen rund um die Feinstaubplakette liefert SPIEGEL ONLINE die wichtigsten Antworten:



insgesamt 379 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
shep 02.01.2008
1. Volksverdummung
Was hier abläuft fällt doch wieder unter die Rubrik "Mal testen, wie sehr wir das Volk für blöd verkaufen können, ohne das es aufmuckt". Ziel soll ja eine Reduzierung der Feinstaubwerte sein, man weiß aber jetzt schon, dass mindest. 95% aller Autos weiter fahren dürfen. Dann wird die Plakette nach Kriterien vergeben, zu deren Ermittlung Feinstaubemissionen überhaupt nicht berücksichtigt wurden, sondern nur andere Emissionen. Und Dieselruß und Feinstaub werden munter in einen Topf geworfen. Und wozu brauche ich dann noch eine ASU Plakette? Besagt diese denn nicht, dass mein Auto die gesetzlichen Vorschriften erfüllt? Wie soll das mit ausländischen Autos funktionieren ? Den Aufschrei hätte ich gerne gehört wenn deutsche Autofahrer eine Plakette kaufen müssen um durch italienische Städte fahren zu dürfen! Und wenn tatsächlich Dieseruß (endlich) als Problem erkannt wird, warum werden dann Diesel PKW durch niedrige Mineralölsteuern noch gefördert? Das ist alles so daneben! Was mich noch brennend interessiert: Gibt es denn Kriterien, anhand derer der Erfolg der Maßnahmen meßbar ist, d.h, wird bei Nichterreichen der Kriterien dieses Gesetz wegen Wirkungslosigkeit wieder gestrichen (oder verschärft ? ). Ich habe davon nichts gehört, das alles wird doch nur gemacht damit die Politiker sagen können, sie hätten ja alles getan ... Volksverdummung eben.
Emmi 02.01.2008
2. Nein. Keine sinnvolle Idee.
Begründung: Als ich mir vor 5 Jahren ein damals modernes Auto kaufte, das wegen der zu erwartenden Fahrleistung ein Diesel werden sollte (inzwischen 200.000 km gefahren) hatte ich gar k(aum) eine Chance, ein weniger umweltschädliches Modell zu wählen, zumal das Thema Feinstaub damals noch nicht in den Medien angekommen war. Da die Nachrüstung mit einem Feinstaubfilter nicht nur teuer, sondern wie die Erfahrungen der letzten Monate zeigen sogar u. U. völlig sinnlos ist, ist es nicht einzusehen, wieso ich jetzt dafür bestraft werden soll, in dem ich bestimmte Stadtzentren nicht mehr befahren können soll, wozu ich ggfs. dienstlich sogar gezwungen sein werde. Oder erwartet man, dass ich mir ein neues Auto kaufe? Das ist aber in der (ökonomischen und ökologischen) Gesamtbilanz (und nicht nur durch die Brille der "Hauptsache unsere Straße ist feinstaubfrei"-Fraktion betrachtet) sicherlich nicht sinnvoll. Dass LKW in Stadtzentren nichts zu suchen haben, kann ich noch nachvollziehen, aber normale Bürger und ihrer Arbeit nachgehende Menschen zu drangsalieren, halte ich für nicht gerechtfertigt.
baerchen50, 02.01.2008
3.
Zitat von sysopDie seit Jahresbeginn geltende Plakettenpflicht für Kraftfahrzeuge in Berlin, Köln und Hannover ist nach wie vor umstritten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Ist die Plakette eine sinnvolle Idee?
Sinnvoll ? Alles dient nur einem Zweck, nämlich das Politiker sagen können "Wir haben etwas getan". Und bei der Einrichtung von Umweltzonen hat man doch glatt vergessen den Wind/das Wetter auszusperren - per Gesetz -. Dem nächsten Ost-/West-/Süd-/Nordwind kann man dann ja ein Knöllchen spendieren und einen Punkt in Flensburg verpassen. 18 Points sind schnell erreicht. Nur, wie entzieht man denen den Führer- äh Windflugschein ?
fsiggi, 02.01.2008
4. Besser als nichts
Als Radfahrer ist die Umweltzone richtig! Gerade alte Transporter, die vor mir an einer Ampel standen, haben mir Gifte und Staubpartikel ins Gesicht geblasen, so dass mir manchmal schlecht wurde. Diese Stinker werden jetzt wenigstens aus der Innenstadt ausgesperrt. Noch besser wäre, die würden gar keine AU-Plakette mehr bekommen. Die Feinstaubrichtlinie der EU stammt aus dem Jahr 1999 und ist seit 2005 bereits in Kraft.
Publizist73 02.01.2008
5. Gesundheit ist ein teures Gut - Umweltzonen volkswirtschaftlich sinnvoll
Im Jahr 2005 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ergebnisse einer Studie zur Feinstaubproblematik veröffentlicht. (http://www.euro.who.int/mediacentre/pr/2005/20050414_1?language=german) Eine Verringerung der Feinstaubbelastung kann durch Partikelfilter erreicht werden, und die Umweltzonen sind ein guter Schritt in die Richtung, die Luft und damit die Lebensqualität in den Städten zu verbessern. Auch volkswirtschaftlich sei eine Feinstaubreduktion sehr sinnvoll, wie die WHO berichtet: "Da eine lang anhaltende Belastung mit Feinstaub besonders gesundheitsschädlich und lebensverkürzend wirkt, muss die Verminderung der langfristigen Feinstaubkonzentration und -belastung Vorrang haben. Das brächte auch wichtige finanzielle Einsparungen mit sich. In der EU liegt der erwartete finanzielle Gewinn einer verminderten Sterblichkeit aufgrund von Feinstaub jährlich zwischen 58 und 161 Mia. €, die Ersparnisse bei den Krankheiten belaufen sich auf 29 Mia. €. Die entsprechenden Zahlen für Deutschland sind 13 bis 34 Mia. € bzw. 6 Mia. € jährlich." Wem die Gesundheit insbesondere von Kindern wichtig ist, der lässt einen wirksamen Partikelfilter einbauen und trägt damit direkt zur Feinstaubminderung und zum Gesundheitsschutz bei.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.