"Friseusen-Porsche" ist ein böses Wort, doch wenn man sich ein bisschen umhört unter Fans der Sportwagenmarke, dann hört man es immer wieder im Zusammenhang mit dem Porsche Boxster. Leidenschaftlich wird beispielsweise in Internetforen darüber gestritten, ob der Boxster nun ein echter Porsche ist oder nicht, und ob Porschefahren nicht überhaupt erst beim ewigen Klassiker 911 beginnt.
In Zuffenhausen kennen sie diese Fragen, vermutlich sind sie schwer genervt davon. Und auch nicht ganz unbeeindruckt, wie man jetzt an den ersten Fotos des neuen Boxster sieht, die Porsche soeben veröffentlicht hat: Das Auto ist stämmiger geworden, sieht erwachsener und ernsthafter aus als bislang (und von vorne ein bisschen wie der selige Toyota MR2). "Ich bin ein richtiger Porsche, holt mich hier raus aus diesem Imagekäfig" soll das wohl ausdrücken.
Wer ganz grundsätzlich einen Porsche begehrt, wird sich über das Auto freuen. Allein schon, weil der Boxster ab 48.291 Euro verkauft wird und damit nicht einmal halb so teuer ist wie das neue 911 Cabrio, das mindestens 100.532 Euro kostet.
Für das Geld bekommt man einen Zweisitzer ,der erwartungsgemäß stärker, sparsamer und auch etwas leichter geworden ist als das bisherige Modell. In konkreten Zahlen: Der Basismotor schrumpft auf 2,7 Liter Hubraum, entwickelt 265 PS (bislang 255 PS), und verbraucht im Schnitt 7,7 Liter je 100 Kilometer. Das Aggregat im Boxster S ist 3,4 Liter groß, 315 PS stark und schluckt 8,0 Liter je 100 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 264 oder 279 km/h.
Ein Porsche, ohne den es Porsche vielleicht nicht mehr gäbe
Die Verbrauchswerte gelten übrigens für die Varianten mit Doppelkupplungsautomatik. Erhältlich ist das Auto aber auch mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe, dann allerdings verfeuern die Motoren auch etwas mehr Sprit. Erstmals verfügbar ist eine mechanische Hinterachs-Quersperre. Dieses technische Detail verbessert die Traktion bei sehr schneller Kurvenfahrt, wenn kurveninneres und kurvenäußeres Rad unterschiedlichen Grip haben.
Ob der Boxster nun ein echter Porsche ist oder nicht - ganz gewiss ist er kein knackig-puristischer Leichtbau-Sportwagen. Geredet wird von einem solchen Modell oft und gern, doch kein Hersteller baut es (leider). Angeblich wollen die Zuffenhausener sich jetzt daran machen - und zwar im Konzernverbund mit VW und Audi. Porsche-Chef Matthias Müller ist erkennbar angetan von der Idee. Realität werden wird sie aber so rasch nicht, denn die nächsten neuen Porsche-Typen sind der Cayman und der Cajun, also die Schmalspurausgabe des SUV-Dickschiffs Cayenne.
Boxster-Spöttern lässt sich übrigens entgegenhalten, dass es ohne den ab 1996 angebotenen Wagen die Marke Porsche vielleicht gar nicht mehr gäbe. Es war nämlich der Boxster, der dem Unternehmen neue Kundenkreise erschloss und mit dem die Traditionsfirma endgültig aus der Existenzkrise fuhr.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Porsche-Modelle | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH