Neuer Ford Ka Premiere unter der Brücke

Der Club "Pont Alexandre III" unter der gleichnamigen Seine-Brücke in Paris gilt als In-Etablissement. Für einen Abend mussten die Stammgäste draußen bleiben, denn Ford hatte das Glamour-Gewölbe gemietet: für die Weltpremiere des neuen Kleinwagens Ka inklusive Bond-Girl.

Aus Paris berichtet Jürgen Pander


Ford-Chef Alan Mullaly lobt seine Angestellten für den "great job"; Ford-Europa-Boss John Fleming betont, wie stolz er auf das neue Auto sei und Olga Kurylenko lächelt umwerfend ins Publikum, das an bunten Cocktails nuckelt und darauf wartet, dass endlich die Hüllen fallen. Und zwar vom neuen Kleinwagen Ford Ka, der Mittwoch, am Vorabend des Autosalons in Paris, in der In-Discothek "Pont Alexandre III" am Seine-Ufer enthüllt wurde. "Dies ist das kleinste Modell in unserem Portfolio, aber zugleich der Wagen mit den höchsten Kundenzufriedenheitswerten", sagt Fleming.

Olga Kurylenko lächelt noch immer ausdauernd. Das ukrainische Top-Model spielt im neuen James-Bond-Film "Ein Quantum Trost", der am 3. November Deutschland-Premiere feiern wird, die weibliche Hauptrolle. Dazu gehört auch, dass sie mit einem goldfarben schimmernden Ford Ka unterwegs ist - ein paar Szenen aus dem 007-Thriller flimmern über die Bruchsteinmauern der Disco. Dann endlich wird das Tuch vom Auto gezogen und man kann ihn erstmals in natura sehen: den neuen Ford Ka, der zugleich der Zwilling des Fiat 500 ist.

Doch ganz anders als der Fiat, der optisch eine Verbeugung vor dem putzig-puristischen Vorgänger aus den fünfziger Jahren ist, tritt der Ford Ka auf identischer Plattform modern, selbstbewusst und ziemlich keck auf. "Wir wollten keine Retro-Variante des bisherigen Ka", sagt Bernhard Mattes, Chef der deutschen Ford-Werke. Das kann man als klare Abgrenzung zum Fiat 500 verstehen und zugleich als deutliches Signal, dass der seit zwölf Jahren gebaute erste Ka zwar irgendwie kultig designt war, nun aber andere Zeiten herrschen.

Erstmals auch mit Turbodiesel

Rund 1,5 Millionen Ka-Modelle verkaufte Ford seit 1996 in Europa. Der neue soll an diesen Erfolg anknüpfen, und er scheint das richtige Auto zur Rezession zu sein, denn der Downsizing-Trend wird, wenn die wirtschaftliche Entwicklung so weitergeht, wohl zum Downsizing-Boom anschwellen. Ab 14. Februar wird der Ka in Deutschland bei den Händlern stehen, zu einem Preis ab 9750 Euro. Es gibt zwei Motoren, einen 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS sowie - erstmals im Ka - einen Turbodiesel mit 1,3 Liter Hubraum und 75 PS (Aufpreis 2000 Euro). Beide Varianten stoßen weniger als 120 Gramm CO2 je Kilometer aus.

Unter anderem gelang die Verbrauchseinsparung durch eine Gewichtsabnahme von 22 Kilogramm. Das klingt geringfügig, ist in dieser Fahrzeugklasse aber durchaus beachtlich, zumal die Autoknirpse inzwischen ordentlich bis sehr gut ausgestattet sind. Um auch Kunden zu erreichen, denen ein möglichst individuelles Massenmobil wichtig ist, legt Ford diverse Stylingpakete auf, mit denen man den Ka von den Türgriffen über die Heckklappenverriegelung bis hin zur Tattoo-Aufklebern ein wenig nach dem persönlichen Geschmack garnieren kann.

Nachfrage nach Kleinwagen steigt

22.000 Exemplare des neuen Kleinwagens will Ford bereits im nächsten Jahr in Deutschland verkaufen. Der Optimismus gründet laut Mattes auf der "deutlichen Nachfrageverschiebung im Markt" - nämlich hin zu den kleinen Autos. Das Segment ist jenes, das derzeit trotz des schrumpfenden Gesamtmarkts noch wächst - im August sogar um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Mattes: "Diese Entwicklung ist unsere Chance."

Gebaut wird der Ford Ka, ebenso wie der Fiat 500, in der Fiat-Fabrik im südpolnischen Tychy. Dort könnte die Kapazität knapp werden, falls der Ka ebenso einschlägt wie der rundliche Retro-Fiat, für den es derzeit Lieferzeiten von bis zu einem halben Jahr gibt. Mattes: "Es gibt eine Vereinbarung mit Fiat, wonach beide Marken je 120.000 Autos pro Jahr dort bauen." Ford jedenfalls werde diese Menge dort produzieren. Mindestens drei Autos sind sogar schon weg, nämlich jenes goldige Trio, das Ford für die Dreharbeiten zum jüngsten James-Bond-Abenteuer bereitstellte.

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