Mercedes Pullman Daimler hat den Längsten

Kein deutsches Serienauto hat solche Maße: 6,50 Meter Länge misst der neue Mercedes Pullman. Er ist damit den hohen Häuptern angemessen, die darin chauffiert werden. Auch deren Lakaien sitzen jetzt komfortabel - anders als in den Vorgängermodellen der Staatskarosse.

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Daimler AG

6,50 Meter misst der neue Mercedes Pullman. Das ist ein Rekord, zumindest in Deutschland - ein längeres Auto kann kein anderer Hersteller hierzulande anbieten. Wie extrem die Ausmaße des Pullman sind, lässt sich an einem einfachen Vergleich verdeutlichen: Allein der Radstand der Limousine beträgt 4,42 Meter - ein aktueller VW Golf ist von der Stoßstange bis zum Auspuff nur 4,26 Meter lang.

Daimler zeigt die gestreckte Version der S-Klasse auf dem Autosalon in Genf (5. bis 15. März). Auch das Preisschild des Wagens bedarf eines XXL-Formats, denn schon der Grundpreis soll bei knapp 500.000 Euro liegen. Wer spezielle Vorstellungen zur Ausstattung der Lulatsch-Limousine hat sowie eine Panzerung wünscht, sollte eher mit rund einer Million Euro Kosten rechnen.

Wie vor 52 Jahren, als der erste große Mercedes 600 als Pullman-Variante debütierte, ist auch das neue Modell vor allem für den staatstragenden Einsatz gedacht - also für Präsidenten, Könige oder Kanzlerinnen. In Stuttgart heißt es, dass später eine Version für vermögende Privatiers aufgelegt werde, doch in Genf zeigt Mercedes das Auto erst einmal als Regierungssitz auf Rädern.

Die Klappsitze wurden aussortiert

Dazu gehört die übliche Sechser-Bestuhlung, bei der in der hintersten Reihe Liegesessel installiert sind, auf denen Monarchen dank zehn Zentimetern mehr Kopffreiheit nicht einmal ihre Krone absetzen müssen; vis-à-vis sind die Plätze für Protokollbeamte, Dolmetscher und andere Lakaien. Im alten 600er mussten sie noch auf Klappsitzen hocken, im neuen Auto gibt es auch fürs Personal feine Leder-Fauteuilles.

Wie die vor ein paar Wochen vorgestellte XL-Version der S-Klasse fährt auch der Pullman unter der Flagge der wiederbelebten Submarke Maybach. Und tatsächlich gibt es so manches Déjà-vu: So wie im Maybach 62 gibt es im neuen Pullman drei Rundinstrumente am Dachhimmel des Fonds, sie geben Zeit, Außentemperatur und Geschwindigkeit an. Und die Trennscheibe zwischen Chauffeurs- und Passagierabteil lässt sich per Knopfdruck verdunkeln. Wer mit dem Fahrer sprechen möchte, kann entweder eine Wechselsprechanlage nutzen oder die Scheibe nach unten surren lassen.

Dazu werden die üblichen Extras der S-Klasse angeboten, vom Barfach bis zum Klappschreibtisch, und auf Wunsch sogar ein 18,5-Zoll-Fernseher, der sich ebenfalls auf Knopfdruck ins Blickfeld schiebt.

Die Diktatur des Zwölfzylinders

Im Motorraum des Pullman regiert ausschließlich der V12-Benziner aus dem S 600. Das bedeutet maximal 530 PS sowie bis zu 830 Nm Drehmoment, um den geschätzt dreieinhalb Tonnen schweren Luxusliner in Fahrt zu bringen. Für das übliche Paradetempo, in dem ein Auto dieses Kalibers normalerweise unterwegs ist, hätte es natürlich auch ein kleinerer Motor getan. Oder sogar ein Plug-in-Hybrid für die politisch fortschrittliche Symbolik.

Doch das Weltklima wird dieses Auto - wie auch immer motorisiert - nicht stark beeinflussen, die Stückzahl des Pullman dürfte kaum dreistellig werden. Einen Stammkunden mussten die Schwaben erst kürzlich sogar von ihrer Liste streichen: Ging bei der vorherigen Auflage des Pullman das erste Exemplar noch an Wladimir Putin, hat der Kreml-Chef inzwischen die Entwicklung einer Staatslimousine aus russischer Produktion angestoßen.

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insgesamt 43 Beiträge
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hatshepsut 18.02.2015
1. Die Enwicklung einer Staatslimousine aus russischer
Produktion hat Putin nicht erst jetzt angestoßen, das ist schon einige Jahre her. Und das erste was im präsentiert wurde war wohl Mist. Deshalb rödelt er immer noch mit einer S-Klasse durch die Gegend.
Benzilla 18.02.2015
2.
Der Innenraum sieht mal komfortabel aus. Schade das man den nicht einfach so kaufen kann, ohne das Auto...
DerBlicker 18.02.2015
3. potthässlich
Den würde ich nicht einmal geschenkt nehmen, dazu noch alte Technik wie die 7-Gangautomatik und kein Allrad, nein danke.
novoma 18.02.2015
4. Was soll der Name
Das letzte, was Maybach unter eigenem Namen hergestellt hat, waren schwere Dieselmotoren, z.B. für Lokomotiven und Panzer. Sehr glamourös klingt das für mich nicht. Pullman ist dagegen ein guter Rückgriff in die Firmengeschichte, denn dieses Luxusmobil (an dem Mercedes nie Geld verdient hat) ist wohl vielen noch als Staatslimousine bekannt. Mercedes Pullman hätte völlig genügt.
patrick6 18.02.2015
5. Die Lakaien...
...sitzen immer noch auf Klappsitzen (Bild 3). Und sie haben nicht mal mehr eigene Türen. Der 600 war ein Statement mit technischer Innovation (und sah für die Grösse auch noch unverschämt elegant aus). Der Neue ist nur eine langgezogene, aufgeblasene S-Klasse. Und technisch offenbar etwas rückständig.
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