Autogramm Opel Mokka: Macker im Miniformat

Von Jürgen Pander

Autogramm Opel Mokka: Auf Kaffeefahrt Fotos
Jürgen Pander

Opel braucht dringend ein Modell, das große Stückzahlen bringt. Der neue Kompakt-SUV Mokka könnte so eins werden. Das Auto erfüllt alle Kriterien, die immer mehr Kunden wollen: hohe Sitzposition, kompakte Abmessungen, robuste Optik.

Der erste Eindruck: Wie eine Riesenpraline mit Schokoglasur unten herum - so wirkt der Opel Mokka bei der ersten Begegnung. Das liegt an der schwarzen Plastikbeplankung, die in der PS-Symbolik Allradantrieb und Offroad-Tauglichkeit signalisiert. Von schräg vorn sieht der Wagen stämmig und stimmig aus. Das ist allerdings auch die Perspektive, für deren Wirkung sich moderne Autodesigner am meisten ins Zeug legen.

Umrundet man den Mokka, ändert sich die Wirkung. Seitlich betrachtet wirkt die Karosserie arg gestaucht, von hinten macht der Wagen einen eher dicklichen Eindruck. Eleganz strahlt das Auto also keine aus, wohl aber Solidität und Reife.

Und ob es einem gefällt oder nicht - Autos mit Geländewagenoptik sind gefragt, in Deutschland sind die so genannten SUVs (Sport Utility Vehicles) mit 15 Prozent Marktanteil bereits die zweitbeliebteste Pkw-Gattung nach den Kompaktwagen. Bislang gab es noch keinen Klein-SUV einer deutschen Marke, mit dem Mokka ändert sich das. Das Auto könnte Opel also tatsächlich vorwärts bringen, es kommt jedenfalls passgenau zum neuen Trend in den hiesigen Autohäusern.

Das sagt der Hersteller: Imelda Labbé, die Marketing-Direktorin von Opel in Deutschland, sagt, sie sei "sehr stolz" auf den Mokka und der Kundenzuspruch sei "sehr motivierend". Es lägen europaweit bereits mehr als 40.000 Bestellungen für das Auto vor, davon rund 10.000 aus Deutschland. "Wir wollen dieses Segment aufmischen", sagt Frau Labbé, es klingt durchaus angriffslustig. Und es ist ein gutes Zeichen, denn ein neues Modell von Opel wirft seit einigen Jahren immer auch die Frage auf, ob es das Zeug dazu hat, die Firma aus Rüsselsheim wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Großer Optimismus in dieser Hinsicht kam zuletzt nicht auf. Mit dem Mokka jedoch ist das anders.

Entwickelt und designt wurde der Wagen maßgeblich von deutschen Ingenieuren, gebaut wird er allerdings im General-Motors-Werk im koreanischen Bupyeong. Dort entsteht auch das Zwillingsmodell Buick Encore, das sich nur durch Kühlergrill und Markenlogo vom Opel Mokka unterscheidet; außerdem noch der Chevrolet Trax. Der wiederum erhält zur klareren Abgrenzung vom Mokka eine veränderte Karosserie. Lediglich Dach, Frontscheibe und die vorderen Türen gleichen denen des Opel-SUVs.

Das ist uns aufgefallen: Der Wagen macht vom ersten Moment an einen stämmigen, selbstbewussten Eindruck. Das beginnt beim ansprechenden Außendesign, setzt sich bei der Inspektion des Interieurs fort und hält auch auf der rund 300 Kilometer langen Testfahrt an. Das Platzangebot ist ordentlich, auch im Fond sitzt man entspannt und aufrecht. Der Kofferraum fasst je nach Stellung der Rücksitzlehnen zwischen 356 und 1372 Liter, das ist ok, doch der sechs Zentimeter kürzere Skoda Yeti beispielsweise bietet mehr Stauvolumen (405 bis 1760 Liter).

Wir fuhren das allradgetriebene Modell mit dem 1,4-Liter-Turbo-Benziner mit 140 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe inklusive Start-Stopp-Automatik. Der Motor passt gut zum Auto, die Leistung ist absolut ausreichend, das Fahrgefühl so, wie man es von einem Wagen dieses Typus erwartet: harmonisch und unauffällig. Als Durchschnittsverbrauch gibt Opel 6,4 Liter je 100 Kilometer an, der Bordcomputer meldete nach der Testfahrt einen Schnitt von 7,5 Liter.

Opel rühmt den Mokka als Auto voller Innovationen. Tatsächlich gibt es zum Beispiel ein Frontkamerasystem mit Verkehrsschilderkennung, Kollisionswarner und Spurhalteassistent, adaptives Fahrlicht, Sitz- oder Lenkradheizung sowie eine 230-Volt-Steckdose im Fond für den Laptop-Dauerbetrieb auf langen Fahrten.

Doch all diese Dinge müssen natürlich extra bezahlt werden, so dass der Basispreis von 18.990 Euro für das Modell mit 115-PS-Benziner ein eher theoretischer Wert ist. In der Top-Ausstattung "Innovation" werden mindestens 25.520 Euro fällig, und da ist die Rückfahrkamera noch gar nicht dabei. Die kostet 270 Euro Aufpreis und empfiehlt sich sehr, denn nach hinten ist der Mokka ziemlich unübersichtlich.

Das muss man wissen: Es gibt neben den beiden schon erwähnten Ottomotoren noch einen 1,7-Liter-Diesel mit 130 PS und für dieses Triebwerk auch ein sechsstufiges Automatikgetriebe. Die beiden stärkeren Motorisierungen können wahlweise mit Front- oder Allradantrieb bestellt werden. Das System wiegt lediglich 65 Kilogramm, funktioniert mittels einer elektromagnetischen Kupplung und verteilt das Antriebsmoment variabel bis zu einer Verteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse. Zur Serienausstattung aller Varianten gehören acht Airbags, ABS, ESP inklusive Bergabfahr- und Berganfahrhilfe, eine Klimaanlage und ein CD-Radio. Darüber hinaus betritt man aufpreispflichtiges Gelände.

Das werden wir nicht vergessen: Der Wagen ist rundum in Ordnung, aber er sticht nicht wirklich aus der Masse der kompakten SUV-Modellen hervor. Das Ungewöhnlichste an dem Auto ist wohl der Name: Mokka. Man kann die Kaffee-Assoziation sogar auf die Spitze treiben - denn Opel bietet das Auto wahlweise und für 530 Euro Aufpreis auch in Braunmetallic an. Korrekter Name des Farbtons: "Espressobraun".

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insgesamt 103 Beiträge
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1. Mir gefällt er.
axelkli 22.10.2012
Ich finde den sehr gelungen und knuffig. Ich wünsche Opel viel Erfolg mit den Wagen. Ich habe den Mokka meinen Eltern, die einen kompakten Wagen suchen, in dem sie höher sitzen, als neues Auto vorgeschlagen. Sie wohnen in Bochum und müßten eigentlich etwas Opel-Lokalpatriotismus besitzen. Aber sie wollen lieber einen BMW fahren.
2. Das ist dann wohl der Grund...
Hmm 22.10.2012
...wieso es bei Opel nicht so gut läuft. "Neu kombiniert: Der Opel Mokka basiert nicht auf dem Kleinwagen Corsa, sondern ist zusammengesetzt aus zahlreichen Neuentwicklungen und verschiedenen bewährten Teilen aus dem Opel-Regal, etwa den Bremsen aus dem Astra, den Radlagern aus dem Meriva und den Federbeinen aus dem Zafira." Statt zu Vereinheitlichen wird hier Verkompliziert. Ich will nicht wissen wo dann gespart wird um die Kosten in Entwicklung und Produktion wieder einzusparen.
3. nix
Bobby Shaftoe 22.10.2012
ein weiterer Rentner-SUV? Ja, das ergibt durchaus Sinn im vergreisenden Deutschland. Bleibt nur zu hoffen, dass Opel inzwischen wieder weniger anfällige Technik verbaut als in meinem 2005er Zafira (Klima-Totalschaden, LiMa-Seriendefekt, 3 defekte Radios, 2 defekte Steuermodule und noch vieles mehr).
4. Nicht korrekt, aber pfiffig
rennflosse 22.10.2012
Zitat von sysopOpel braucht dringend ein Modell, das große Stückzahlen bringt. Der neue Kompakt-SUV Mokka könnte so eins werden. Das Auto erfüllt alle Kriterien, die immer mehr Kunden wollen: hohe Sitzposition, kompakte Abmessungen, robuste Optik. Neuer Mini-SUV Opel Mokka: Kompakt, höher gelegt und mit Allradantrieb - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/neuer-mini-suv-opel-mokka-kompakt-hoeher-gelegt-und-mit-allradantrieb-a-861518.html)
SUV sind zwar das politisch unkorrekte Segment des Automobils, aber da es sehr erfolgreich ist, sollte Opel dort auch vertreten sein. Anscheinend hat man gelernt, keine Opel-Blitze mehr auf koreanische Billigautos zu kleben, sondern ein eigenes Modell entwickelt. Dazu ist zu gratulieren. Der Name klingt irgendwie deutsch und international zugleich. Ein Spagat, der bis in die heutige Zeit nur mit recht eigenwilligen bis abstrusen Wortschöpfungen erreicht wird ("...ra"). Ich wünsche Opel Erfolg mit dem Auto. Opel wirbt ja mit einem von Edeka adaptierten Spruch ("wir lieben Autos") und man glaubt es ihnen ein bisschen.
5.
micwil 22.10.2012
Na ja, für 24 Euro kann man ihn nehmen...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Mokka 1.4 Turbo
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.364 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 6,4 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 356 Liter
umgebaut: 1.372 Liter
Gewicht: 1.400 kg
Maße: 4278 / 1777 / 1658
Versicherung: 16 (HP) / 18 (TK) / 19 (VK)
Preis: 24.320 EUR

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