Von Tom Grünweg
Einen neuen Porsche 911 gib es nicht alle Tage. Kein Wunder, dass die Sportwagenwelt schon seit Monaten hyperventiliert. Ob auf der Nordschleife des Nürburgrings, im Frost von Arjeplog, in der Hitze des Death Valley oder auf den staubigen Pisten im Hinterland von Kapstadt - an vielen Orten wurden zuletzt die Prototypen des neuen 911 gesichtet. Abgeklebt, getarnt und schneller aus dem Bild, als dass man Einzelheiten erkennen oder gar den Fahrer etwas hätte fragen können, haben diese Erlkönige die Erwartungen an die nächste Generation eines Autos geschürt, das als Inbegriff des deutschen Sportwagens gilt. Nun hat die Geheimniskrämerei ein Ende: Kurz vor der Weltpremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in zwei Wochen in Frankfurt haben die Schwaben jetzt die ersten Fotos der intern 991 genannten Neuauflage veröffentlicht.
Die Bilder zeigen die abermalige Evolution des immergleichen Themas: Auch wenn beim neuen Modell der Radstand um zehn die Länge um etwa fünf Zentimeter wachsen, trägt auch der neue Porsche 911 genau jene Linien, die Ferdinand Alexander "Butzi" Porsche vor mittlerweile 48 Jahren mit dem Ur-Elfer erstmals in Blechform goss: Die Haube lang, das Dach flach und das Heck in einem schönen Schwung nach unten geführt - so war der Neunelfer und so wird er offenbar auch immer bleiben. Das gilt für die überwölbten vorderen Kotflügel, die den Blick lenken und die Fronthaube einfassen, genauso wie für die flach gestreckte Silhouette und das glatte Heck, aus dem der Spoiler nur bei Bedarf ausfährt.
Trotzdem haben die Designer ein paar Feinheiten verändert, die der Baureihe 991 ihr eigenes Gesicht geben. Das Auto ist etwas flacher geworden und wirkt deutlich breiter. Das betonen auch die Außenspiegel, die nicht mehr am Fensterrahmen, sondern auf der Brüstung mit der Karosserie verwachsen sind. Der ausfahrbare Heckspoiler geht ebenfalls in die Breite, und die ungewöhnlich mit den Kühllufteinlässen verschmolzenen Tagfahrleuchten machen den Wagen schon im Rückspiegel unverwechselbar.
Per Schlüsseldreh werden Motoren angelassen, die stärker und sparsamer sind als je zuvor. Sie stehen für eine neue Disziplin, in der Porsche zur Sicherung der eigenen Zukunft punkten will: Effizienz. Mit dem sparsamsten Motor ist der neue 911 künftig mit 8,2 Litern zufrieden. Das sind 1,6 Liter weniger als früher und diese Reduktion macht den 911 mit einem CO2-Ausstoß von 194 g/km nach den Porsche-Statistiken zum ersten Sportwagen, der die 200-Gramm-Marke unterbietet. Möglich wird das, weil der neue Wagen trotz des größeren Formats fast einen Zentner leichter ist als das bisherige Modell; zudem gibt es künftig eine Start-Stopp-Automatik und ein Rekuperationssystem, das Bremsenergie zurück gewinnt. Auch die Getriebe ließen die Ingenieure nicht unangetastet: Die Doppelkupplungsautomatik kann jetzt Segeln, das heißt, sie dreht im Leerlauf dem Motor den Saft ab; und das manuelle Getriebe verfügt erstmals über sieben Gänge.
Der Sechszylinder-Boxer hat nun weniger Hubraum, aber mehr Leistung
Sparen ist heute selbst für einen Sportwagen wichtig. Spurten natürlich auch noch. Und das kann der neue 911 besser denn je. Der Basismotor schrumpft zwar von 3,6 auf 3,4 Liter Hubraum. Doch der selbstverständlich nach dem Boxer-Prinzip gebaute Sechszylinder entwickelt mehr Leistung und kommt auf 350 statt bislang 345 PS. Deshalb schafft er den Standardsprint in 4,4 Sekunden. Wem das nicht schnell genug ist, dem bieten die Schwaben als erste von mutmaßlich wohl zwei Dutzend Varianten den Typ Carrera S an. Dessen Sechszylindermotor ist 3,8 Liter groß, und die Leistung klettert um 15 auf 400 PS. Damit sind 4,1 Sekunden von 0 auf 100 möglich.
Der Porsche 911 wird sparsamer, so lautet also die Kernbotschaft aus Zuffenhausen. Für die potenzielle Kundschaft darf das nicht gelten. Wer ein Exemplar die Baureihe 991 ab Dezember erstehen möchte, muss kräftig zahlen. Der billigste Elfer kostet künftig 88.037 - ohne Extras versteht sich. Er ist damit rund 2500 Euro teurer als der Vorgänger. Wen das stört, sollte einfach so kalkulieren, wie es Diesel-Interessenten schon seit langer Zeit tun: Wie viele Kilometer sind nötig, um die Mehrkosten durch die Ersparnis an der Tankstelle zu kompensieren? Im Falle des Porsche sind es grob über den Daumen gepeilt 100.000 Kilometer.
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