Neuer Porsche 911: Legende auf Sparflamme

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Haben Sportwagen eine Zukunft? Aus Porsche-Sicht liegt die Antwort auf der Hand. Sie heißt 911. Der Klassiker wird auf der IAA vorgestellt und kommt im Dezember in den Handel. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist er nicht nur stärker und schneller, sondern auch sparsamer.

Porsche 911: Schnittiger Kompromiss Fotos

Einen neuen Porsche 911 gib es nicht alle Tage. Kein Wunder, dass die Sportwagenwelt schon seit Monaten hyperventiliert. Ob auf der Nordschleife des Nürburgrings, im Frost von Arjeplog, in der Hitze des Death Valley oder auf den staubigen Pisten im Hinterland von Kapstadt - an vielen Orten wurden zuletzt die Prototypen des neuen 911 gesichtet. Abgeklebt, getarnt und schneller aus dem Bild, als dass man Einzelheiten erkennen oder gar den Fahrer etwas hätte fragen können, haben diese Erlkönige die Erwartungen an die nächste Generation eines Autos geschürt, das als Inbegriff des deutschen Sportwagens gilt. Nun hat die Geheimniskrämerei ein Ende: Kurz vor der Weltpremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in zwei Wochen in Frankfurt haben die Schwaben jetzt die ersten Fotos der intern 991 genannten Neuauflage veröffentlicht.

Die Bilder zeigen die abermalige Evolution des immergleichen Themas: Auch wenn beim neuen Modell der Radstand um zehn die Länge um etwa fünf Zentimeter wachsen, trägt auch der neue Porsche 911 genau jene Linien, die Ferdinand Alexander "Butzi" Porsche vor mittlerweile 48 Jahren mit dem Ur-Elfer erstmals in Blechform goss: Die Haube lang, das Dach flach und das Heck in einem schönen Schwung nach unten geführt - so war der Neunelfer und so wird er offenbar auch immer bleiben. Das gilt für die überwölbten vorderen Kotflügel, die den Blick lenken und die Fronthaube einfassen, genauso wie für die flach gestreckte Silhouette und das glatte Heck, aus dem der Spoiler nur bei Bedarf ausfährt.

Trotzdem haben die Designer ein paar Feinheiten verändert, die der Baureihe 991 ihr eigenes Gesicht geben. Das Auto ist etwas flacher geworden und wirkt deutlich breiter. Das betonen auch die Außenspiegel, die nicht mehr am Fensterrahmen, sondern auf der Brüstung mit der Karosserie verwachsen sind. Der ausfahrbare Heckspoiler geht ebenfalls in die Breite, und die ungewöhnlich mit den Kühllufteinlässen verschmolzenen Tagfahrleuchten machen den Wagen schon im Rückspiegel unverwechselbar.

Fotostrecke

13  Bilder
Porsche-911-Modellhistorie: Ikone mit Boxer-Herz
Innen dagegen sind die Veränderungen augenfälliger. Dort rückt der 911 näher an den großen Bruder Panamera und übernimmt von der Limousinen-Baureihe zum Beispiel die Idee der hoch aufragenden Mittelkonsole. Die sieht zwar klotzig aus und kostet viel Platz, rückt aber auch den Schaltknauf näher ans Lenkrad und stützt so das Gefühl, den Wagen perfekt im Griff zu haben. Auch die fünf Rundinstrumente, von denen eines den Bildschirm für Bordcomputer und Navigation beherbergt, kennt man aus den Modellen Panamera oder Cayenne. An wichtigen Fixpunkten der Elfer-Geometrie jedoch wurde nicht gerüttelt: Es gibt also nach wie vor einen klassischen Zündschlüssel und der sitzt wie eh und links neben dem Lenkrad.

Per Schlüsseldreh werden Motoren angelassen, die stärker und sparsamer sind als je zuvor. Sie stehen für eine neue Disziplin, in der Porsche zur Sicherung der eigenen Zukunft punkten will: Effizienz. Mit dem sparsamsten Motor ist der neue 911 künftig mit 8,2 Litern zufrieden. Das sind 1,6 Liter weniger als früher und diese Reduktion macht den 911 mit einem CO2-Ausstoß von 194 g/km nach den Porsche-Statistiken zum ersten Sportwagen, der die 200-Gramm-Marke unterbietet. Möglich wird das, weil der neue Wagen trotz des größeren Formats fast einen Zentner leichter ist als das bisherige Modell; zudem gibt es künftig eine Start-Stopp-Automatik und ein Rekuperationssystem, das Bremsenergie zurück gewinnt. Auch die Getriebe ließen die Ingenieure nicht unangetastet: Die Doppelkupplungsautomatik kann jetzt Segeln, das heißt, sie dreht im Leerlauf dem Motor den Saft ab; und das manuelle Getriebe verfügt erstmals über sieben Gänge.

Der Sechszylinder-Boxer hat nun weniger Hubraum, aber mehr Leistung

Sparen ist heute selbst für einen Sportwagen wichtig. Spurten natürlich auch noch. Und das kann der neue 911 besser denn je. Der Basismotor schrumpft zwar von 3,6 auf 3,4 Liter Hubraum. Doch der selbstverständlich nach dem Boxer-Prinzip gebaute Sechszylinder entwickelt mehr Leistung und kommt auf 350 statt bislang 345 PS. Deshalb schafft er den Standardsprint in 4,4 Sekunden. Wem das nicht schnell genug ist, dem bieten die Schwaben als erste von mutmaßlich wohl zwei Dutzend Varianten den Typ Carrera S an. Dessen Sechszylindermotor ist 3,8 Liter groß, und die Leistung klettert um 15 auf 400 PS. Damit sind 4,1 Sekunden von 0 auf 100 möglich.

Der Porsche 911 wird sparsamer, so lautet also die Kernbotschaft aus Zuffenhausen. Für die potenzielle Kundschaft darf das nicht gelten. Wer ein Exemplar die Baureihe 991 ab Dezember erstehen möchte, muss kräftig zahlen. Der billigste Elfer kostet künftig 88.037 - ohne Extras versteht sich. Er ist damit rund 2500 Euro teurer als der Vorgänger. Wen das stört, sollte einfach so kalkulieren, wie es Diesel-Interessenten schon seit langer Zeit tun: Wie viele Kilometer sind nötig, um die Mehrkosten durch die Ersparnis an der Tankstelle zu kompensieren? Im Falle des Porsche sind es grob über den Daumen gepeilt 100.000 Kilometer.

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insgesamt 66 Beiträge
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1. ja, er hat eine Zukunft...
andy69 23.08.2011
... weil Porsche den Wagen weltweit verkauft und in anderen Ländern noch nicht linke Hetzer alles mit dumpfen Pauschalaussagen ("alles Boni-Bänker-Schweine, die solch eine umweltverpestende Protzkarre fahren") schlechtreden...
2. Natürlich
grama 23.08.2011
Zitat von sysopHaben Sportwagen eine Zukunft? Aus Porsche-Sicht*liegt die Antwort auf der*Hand. Sie heißt 911. Der Klassiker wird auf der IAA vorgestellt und kommt im Dezember in den Handel. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist er nicht nur stärker und schneller, sondern auch sparsamer. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,781636,00.html
Natürlich haben Sportwagen eine Zukunft. Es will ja nicht jeder ein praktisches Auto fahren. Getreu dem Motto: ich geb Gas, ich will Spaß. Außerdem sind es ja gerade Traumautos wie der 911er, die die Menschen begeistern. Man braucht nur auf eine x-beliebige Autoausstellung zu gehen und zu schauen, wo sich die Menschen tummeln.
3. ...
acitapple 23.08.2011
ich bin gespannt wie lange es dauert, bis irgendein überflieger im vag-konzern auf die idee kommt, der 911 wäre zu altbacken und bräuchte unbedingt einen neuen,hippen und jugendlichen namen. sein nachfolger wird dann natürlich, angesichts sinkender verkäufe, den vorschlag machen eine legende wieder aufleben zu lassen und den namen 911 wieder einzuführen... ansonsten: KULTAUTO !!
4. Ja
dasGyros 23.08.2011
Sportwagen haben immer eine Zukunft weil die Leute anders kaufen als sie reden. Da wird zwar immer der spritsparende Kleinwagen gefordert, gekauft wird dann aber doch lieber etwas größer und schneller. Gut so - so teuer wie die meisten Sportwagen sind, werden sie eh im Vergleich zu der Gesamtmasse der Fahrzeuge in homöopathischen Dosen verkauft und werden daher unseren Weltuntergang nicht nennenswert beschleunigen. .. und es ist einfach ein schönerer Anblick auf der Straße als irgendeine x-beliebige japanische Reisschüssel.
5. Was für ein Porsche
markopotestats 23.08.2011
Was für ein Porsche: "Es gibt also nach wie vor ein klassisches Zündschlüssel und das sitzt wie eh und links neben dem Lenkrad." Ein klassisches Zündschlüssel. Und das sitzt wie eh und links neben dem Lenkrad.
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