Neue Smart-Modelle In Kürze mehr

Daimler hat den neuen Smart in Berlin vorgestellt - es sind gleich zwei Modelle geworden, ein Zwei- und ein Viersitzer. Die Autozwerge zielen weiterhin auf hippe Großstädter. Doch eines soll deutlich besser werden: der Gewinn.

Von Jürgen Pander

Daimler

Das Wichtigste gleich vorweg: Auch mit dem neuen Smart Fortwo können Autofahrer quer einparken. Der Stadtwagen misst 2,69 Meter und ist damit exakt so kurz wie das bisherige Modell. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte es bei der Weltpremiere am Mittwochabend im Berliner Tempodrom so: "Unserer ist der Kleinste." Bunt, szenig, großstädtisch - so wie Mercedes die neuen Smarts sieht, sollte auch die Party sein. Vor rund 500 Gästen wurden Daimlers Kleinwagen mit viel Tamtam enthüllt: der Fortwo mit zwei und der Forfour mit vier Sitzplätzen.

Der viertürige Smart Forfour, den Daimler nach acht Jahren Pause wiederbelebt, kommt mit 3,49 Metern deutlich länger als der Zweitürer. Doch auch er soll im Kampf um Parklücken vorne mitmischen.

Ab November werden die Stadtmobile mit einem neuen, komfortableren Fahrwerk, neuen Dreizylinder-Motoren und Getrieben sowie zahlreichen Assistenzsystemen bei den Händlern stehen. Geblieben sind die zweifarbige Karosserie und die extreme Kompaktheit - beim Fortwo auch der Heckmotor, den er sich erstmals mit dem Forfour teilt.

Angeboten werden beide Smart-Varianten mit je drei Dreizylinder-Benzin-Motorisierungen die 60, 71 und 90 PS leisten; kombiniert werden können die Aggregate mit einer manuellen Fünfgangschaltung oder einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Alle Autos erhalten ein neues Fahrwerk mit deutlich längeren Federwegen und eine um zehn Zentimeter breitere Spur. Dazu kommen etliche elektronische Fahrhilfen wie etwa ein serienmäßiger Seitenwindassistent sowie aufpreispflichtige Systeme wie ein Abstandswarner, ein Spurhalteassistent oder eine Einparkautomatik.

Auch ein Preisbeispiel hat Smart bereits bekanntgegeben: Mit der mittleren Motorisierung mit 71 PS werden der Smart Fortwo 10.895 Euro und der Forfour 11.495 Euro kosten.

Das verlustreichste Auto weltweit

Anders als früher soll der Wagen diesmal von Anfang an profitabel sein. Max Warburton vom Analyse-Haus Bernstein Research machte den Smart sogar als Spitzenreiter der zehn verlustreichsten Automodelle weltweit aus. Forschung und Entwicklung, Bauteile und Vertrieb - alles habe viel Geld verschlungen. Nach Warburtons Schätzung türmte der Smart in der ersten Generation 3,35 Milliarden Euro Verlust auf. In den bislang 15 Jahren, in denen der Kleinwagen auf dem Markt ist, wurden rund 100.000 Exemplare pro Jahr verkauft. Ursprünglich geplant waren einmal mindestens 250.000. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, sagen die Smart-Verantwortlichen, dass sie mit einem "sehr starken Absatzwachstum" rechnen.

Was man den poppigen Wägelchen vom "Erfinder der individuellen, urbanen Mobilität", wie Smart-Chefin Annette Winkler es ausdrückt, ebenfalls nicht ansieht, ist ein weiteres - dafür kleineres - Problem: Die Klimaanlagen der neuen Smart-Modelle sind mit dem alten Kältemittel R134a befüllt. Die Substanz ist extrem klimaschädlich, weshalb neue Autos mit einer nach 2010 erstellten Typklassengenehmigung eigentlich mit dem neuen Kältemittel R1234yf befüllt sein müssen. Diese Chemikalie ist inzwischen jedoch als "Killer-Kältemittel" bekannt. Tritt nach einem Unfall das Kältemittel aus und trifft auf heiße Motorteile oder kommt es zu einem Brand, kann lebensgefährliche Flusssäure entstehen.

Bei Crashtests von Mercedes ist das mehrmals passiert, der Daimler-Konzern kündigte daraufhin den Industriekonsens zugunsten von R1234yf auf und kehrte aus Sicherheitsgründen zum alten Kältemittel zurück. Schon bald wollen die Stuttgarter auf das ungefährliche, aber teure Kältemittel CO2 zurückgreifen.

Der baugleiche Renault Twingo setzt das neue Kältemittel ein

An den neuen Smart-Modellen lässt sich das aktuelle Kältemittel-Chaos exemplarisch studieren. Der Smart Fortwo fährt mit dem alten Kältemittel, weil man, wie ein Daimler-Sprecher erklärt, für das Auto eine "erweiterte Typklassengenehmigung" erwirkt habe. Offiziell ist das als rundum neu gepriesene Auto damit lediglich eine Variante des seit 1998 gebauten Ur-Smart und darf nach dem EU-Recht bis 2017 mit R134a ausgeliefert werden. Für den Smart Forfour, der ja nur die verlängerte Version des Fortwo ist, gilt das Gleiche. Mit dem gleichen Trick hatte sich Mercedes schon bei der S-Klasse des Problems entledigt.

Vollends absurd wird es, wenn man sich den neuen Renault Twingo ansieht. Der ist baugleich mit dem Smart Forfour, beide Kleinwagen werden im slowenischen Renault-Werk in Novo Mesto gebaut. Mit dem Unterschied, dass die Klimaanlagen des Twingo mit dem neuen Kältemittel R1234yf befüllt werden. Die Typgenehmigung des Twingo datiert vom Mai 2014, das Auto dürfte mit dem alten Mittel also gar nicht ausgeliefert werden.

Sorge, dass es für Twingo-Insassen im Falle einer Kältemittel-Leckage lebensgefährlich werden könnte, haben die Renault-Ingenieure nicht. In zahlreichen Tests seien keinerlei Probleme aufgetaucht, sagte ein Unternehmenssprecher.

Mit Material von Reuters



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insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
drben 16.07.2014
1.
Noch hässlicher geht's ja wohl nicht. Wie schade um den schicken smart.
cum infamia 16.07.2014
2. Oberflächlich !
Auch ich lese die Artikel meist oberflächlich, sehe aber sofort, dass mit der Kältemittelbezeichnung etwas nicht stimmen kann (alt R134a - neu R1234yf) Das Chaos schein sich in dem Artikel fortzusetzen. Bitte vor Veröffentlichung nochmals querlesen !
winterlied 16.07.2014
3. Kältemittel
CO2 ist nicht teuer. Die dazu nötige Klimatechnik ist es, da die Drücke deutlich höher sein müssen. Das alte Kältemittel ist auch nicht extrem klimaschädlich, sondern unsinnigergerweise aus purem Lobbyismus durch eine neue Chemikalie von DuPont ersetzt worden, die in der Tat hochgiftige Flusssäure freisetzen kann. Auch wenn Renault in Tests dabei nichts passiert ist, reicht bereits ein Tropfen davon auf der Haut, um einen Menschen zu töten oder zumindest, dass dieser eine Gliedmaße verliert. Leider fühlt der betroffene noch nicht einmal einen warnenden Schmerz, bzw. erst dann wenn es viel zu spät ist.
rathat 16.07.2014
4. Killer-Kältemittel
Wer außer der Auto-Bild nennt denn R1234yf bitteschön noch "Killer-Kältemittel"? Auch ich bin nicht begeistert von der Entscheidung der EU und die vorhergehende Lobbyarbeit der Herstellers. Aber 'Killer-Kältemittel' macht einen sachlichen Umgang mit der Materie unmöglich. Spätestens, wenn Autos in Zukunft ohne heiße Bauteile auskommen und auf jede verbrauchte kWh geachtet wird (Akku/Brennstoffzelle), wird man wieder auf die herkömmliche Technik und eben dieses Kältemittel zurückgreifen, weil CO2 gerade im Sommer sehr ineffizient ist. Hier sollte sich auch der Autor fragen, ob er sich nicht auch schön hat in die Panikmache von Mercedes und Auto-Bild hat einspannen lassen. Seiner Verantwortung als Reporter ist er jedenfalls nicht nachgekommen.
kreispunkt 16.07.2014
5. Revoluzzer
Auch wenn ich momentan einen SUV fahre, ich mag den Revoluzzer-Charakter des Smart. Also, liebe Smart-Fahrer, wenn ihr auf der Straße einem automobilen Saurier begegnet - wir sind nicht alle gegen euch. Jede/r soll das fahren, was ihr/ihm Spaß bereitet. Ich wünsche dem neuen Modell viel Erfolg.
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