Von Tom Grünweg
Der erste Eindruck: Mann, ist der groß geworden. Eigentlich hatte man den Forester als aufgebockten Geländekombi in Erinnerung, doch die vierte Generation der Baureihe legt in jeder Dimension ein paar Zentimeter zu und wird so zu einem ausgewachsenen Geländewagen. Und zwar zu einem, der aufrecht und wuchtig aus der Masse der modernen, geduckt-gerundeten SUVs hervorragt.
Das sagt der Hersteller: Produktmanager Peter Bellinghausen lobt den Forester als Erfolgsmodell im deutschen Verkaufsprogramm des japanischen Herstellers; denn es ist der meistverkaufte Subaru bislang. In Zahlen: Während der vergangenen 15 Jahre wurden hierzulande 58.000 Exemplare verkauft. Das zeigt auch, dass Subaru mit einem Marktanteil von 0,2 Prozent ein kleiner Importeur ist und noch hinter Herstellern wie Suzuki, Land Rover und sogar Porsche rangiert.
Dass der Forester gegen den Trend nicht kompakter, sondern sogar größer wird, erklärt sich aus dem aktuellen Modellangebot. Denn mit dem Kompakt-SUV XV gibt es seit kurzer Zeit ein neues, kleineres Modell mit Offroad-Optik. Daher musste der Forester nun zulegen.
Das ist uns aufgefallen: Feld, Wald und Wiese - wo man mit schicker aufgemachten Konkurrenten wie Honda CR-V oder Mazda CX-5 gar nicht gern unterwegs ist, fühlt sich der Forester so richtig zu Hause. Dieses Auto trägt immer Wanderstiefel.
Im neuen Modell kommt zum schon traditionellen, serienmäßigen Allradantrieb ein sogenannter X-Mode hinzu. Drückt man die entsprechende Taste in der Mittelkonsole, wird nicht nur die Bergan- und -abfahrhilfe aktiviert, sondern die Elektronik stellt sich zudem auf schweres Terrain ein und garantiert stets die maximale Traktion.
Im Gegenzug fühlt man sich im Forester auf der Straße nicht ganz so gut aufgehoben, weil die Lenkung etwas weich und das Fahrwerk ziemlich unbestimmt ist. Aber im Gelände trumpft das Auto auf. Es fährt auch dort noch problemlos weiter, wo nur noch land- und forstwirtschaftlicher Verkehr erlaubt ist. Da ist es nur logisch, dass die meisten Subaru-Kunden einen grünen Janker in der Garderobe und eine Flinte im Schrank haben, Jäger und Förster zählen zur Stammklientel der Marke.
Die dürften sich auch am rustikalen Interieur freuen. Und am Platzangebot, denn der Wagen bietet auch innen spürbar mehr Raum, die Rückbank taugt für zwei Erwachsene und der Kofferraum fasst respektable 505 Liter. Optisch sieht der Forester innen so schlicht und simpel aus, als wäre er ein Nutzfahrzeug - oder müsste jede Woche ausgekärchert werden. Billiges Hartplastik, wohin man schaut. Dazu gibt es grob gerasterte Grafiken in der Cockpitanzeige, zu kurze Sitze mit zu wenig Seitenhalt und kaum Assistenzsysteme. Wäre da nicht der kunterbunte und gestochen scharfe Monitor oben in der Mittelkonsole, könnte das Innenleben problemlos auch aus den späten achtziger Jahren stammen.
Das muss man wissen: Der neue Forester kommt Ende März zu Preisen ab 28.900 Euro in den Handel. Unter der Motorhaube bleibt es eigenwillig, denn es stehen ausschließlich Boxeraggregate zur Wahl. Zudem rüsten die Japaner gegen den Trend ordentlich auf. "Wir haben endlich wieder einen Turbo", freut sich Produktmanager Bellinghausen mit Blick auf das Spitzenmodell. Während bei der Konkurrenz die Turbotechnik Teil des Downsizing-Pakets ist, belässt es Subaru bei zwei Liter Hubraum und kitzelt die Leistung des Vierzylindermotors so auf 240 PS.
Zwar geht irgendwo in den Eingeweiden gefühlt ein Fünftel der Leistung verloren, und man taxiert den Output der Maschine nach der ersten Testfahrt auf ungefähr 200 PS. Doch der Boxer klingt kernig, mag hohe Drehzahlen und geht so beherzt zur Sache, dass selbst die stufenlose Automatik den Fahrspaß nicht verderben kann. Im Gegenteil: Flott über einen Feldweg, zügig über die Landstraße und mit Karacho durch den Dreck - da fühlt man sich fast ein bisschen wie einer der Rallye-Stars, die mit Subaru im WRC-Auto groß geworden sind. Immerhin hängt man mit einem Sprintwert von 7,5 Sekunden und 221 km/h Spitze so manchen VW Tiguan ab.
Dass der Turbomotor dabei schon auf dem Prüfstand 8,5 und in der Praxis nie weniger als zehn Liter braucht, darf einen in diesem Fall nicht wundern. Wer sparen möchte, für den sind auch ein zwei Liter großer Boxerbenziner ohne Turbo mit 150 PS sowie ein gleich großer Dieselmotor mit 147 PS im Angebot.
Das werden wir nicht vergessen: Die elektrische Heckklappe des Forester. Die ist zwar eigentlich eine schöne Sache und zeugt davon, dass die Marke doch nicht alle Trends ignoriert. Doch bewegt sie sich so nervtötend langsam, dass man vor dem Einladen der Einkäufe fast schon die Parkuhr nachfüttern muss. Vielleicht ist es ganz gut, dass sich Subaru ansonsten fern hält von Assistenzsystemen.
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