Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neues Porsche-Museum: Autos auf drei Beinen

Von Jürgen Pander

Schwäbisch-knauserig ging es bei Porsche bisher in Sachen Traditionspflege zu. Zwanzig Autos im Werk II waren alles, was den Stuttgartern zu ihrer Historie einfiel. Nun wird alles anders: Am 31. Januar eröffnet ein spektakuläres Museum, in dem die Marke ihre Autos zelebriert.

Beim 60-jährige Firmenjubiläum hatten die Schwaben im vergangenen Jahr zwar einiges zu Feiern - aber an einer passenden Location für die Party haperte es: Porsche baut zwar seit Jahrzehnten begehrte Autos, doch adäquat präsentiert werden konnte die Erfolgsgeschichte der Sportwagenschmiede zum runden Geburtstag nicht. Denn anders als etwa bei Audi, Mercedes oder BMW fehlte in Zuffenhausen ein Markenmuseum.

Eigentlich sollte der Porschetempel zu diesem Zeitpunkt schon fertig sein. Doch beim Wettbewerb für den Museumsneubau vor fünf Jahren entschieden sich die Verantwortlichen natürlich für das spektakulärste Modell, nämlich jenes des Wiener Büros Delugan Meissl. 50 Millionen Euro waren ursprünglich für den Bau veranschlagt, das Doppelte hat das neue Museum schließlich gekostet. Und viel länger als gedacht dauerten die Arbeiten auch. "In Fachkreisen galt das Gebäude zunächst als unbaubar", sagt Museumschef Achim Stejskal, "doch jetzt ist es fertig und einfach sensationell."

140 Meter lang und 70 Meter breit ist das Bauwerk, doch das wirklich kühne ist der kantige Museumskörper, der nur auf drei Säulen ruht. Rund 35.000 Tonnen lasten auf den Beinen, in denen Lastenaufzug und Besucherrolltreppen untergebracht sind. 5600 Quadratmeter Ausstellungsfläche befinden sich im optisch nahezu frei schwebenden Gebäude, sämtliche Fahrzeuge sind hier untergebracht, außerdem das Gourmet-Restaurant "Christopherus" und großzügige Veranstaltungsräume sowie eine Dachterrasse.

"Zur Eröffnung zeigen wir rund 80 Fahrzeuge, mehr als 300 weitere stehen noch im Fundus", sagt Museumsleiter Stejskal. Der 35-jährige ist erst seit gut einem halben Jahr bei Porsche. Vorher arbeitete er praktisch in der Nachbarschaft - als stellvertretender Chef des Mercedes-Museums. "Keines der Autos wird Staub ansetzen", erklärt Stejskal, denn die allermeisten seien fahrbereit und würden auch bei Klassiker-Rennen oder Oldtimer-Ausfahrten bewegt. Insofern werde sich die Ausstellung ständig verändern, denn ein Teil der Pkw-Preziosen sei praktisch ständig auf Achse.

Mechaniker schrauben in der gläsernen Werkstatt

Technikfans können den Mechanikern zusehen, wenn die Raritäten fahrbereit gemacht werden, denn im Untergeschoss, neben dem Museumsfoyer, dem Unternehmensarchiv, einer Kaffeebar und dem Museumsshop befindet sich auch eine gläserne Werkstatt. Weiter oben, wo die Ausstellung beginnt, trifft der Besucher als erstes auf eine von Hand nachgebaute und effektvoll beleuchtete Aluminiumkarosserie des Porsche Typ 64, auch als Berlin-Rom-Wagen bekannt. Das Auto gilt als Keimzelle der Marke Porsche und als Vorläufer des späteren Sportwagens 356.

Hier wird eine Entscheidung fällig. Wer es genau wissen will, kann sich der chronologischen Firmengeschichte zuwenden und den Spuren Ferdinand Porsches vor dem Jahr 1948 folgen. Wer nun endlich echte Porsche-Autos sehen will, geht einfach ein paar Stufen weiter in den Hauptteil der Ausstellung. Und da stehen sie dann, die Sportwagen, Rennwagen, Traumwagen.

Ein Auto an der Decke und 320.000 LED-Leuchten

"Die Räume sind fast vollständig in weiß gehalten, denn die Farbtupfer sind die Autos", beschreibt Stejskal das Konzept. "Wir wollten keine zusätzliche Inszenierung der Fahrzeuge." Um aber doch ein paar Markenwerte wie "leicht", "clever", "schnell" oder "stark" zu transportieren, wurden sogenannte Themeninseln mit den entsprechenden Exponaten zusammengestellt. Beispielsweise findet man beim Thema Schnelligkeit einen kopfüber befestigten Porsche 956. Stejskal: "So zeigen wir, dass der Wagen bei einem Tempo von 321,4 km/h theoretisch auch an der Decke fahren könnte."

Überhaupt trifft man im Museum immer wieder auf das Thema Rennsport. Gerne weisen die Porsche-Verantwortlichen auf jene mehr als 28.000 Rennsiege der Marke hin, die sich inzwischen angesammelt haben. Dem Besucher wird das eindrucksvoll demonstriert, in dem er auf seinem Rundgang auch an einem Wald aus mehr als 150 Pokalen vorbeikommt. Und an einer Installation aus 320.000 LED-Leuchten, auf der gleich sechs Porsche 917 präsentiert werden. Die Lichtlein formieren sich im stetigen Wechsel zu Zitaten von Rennfahrern oder Bildern von Rennstrecken.

Großer Polit-Bahnhof zur Museumseröffnung

Am 28. Januar wird das Museum mit einem Festakt offiziell eröffnet. Natürlich wird Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zugegen sein, aber auch Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Drei Tage später dann öffnen sich die Türen für die ersten Besucher; deutlich mehr als 200.000 werden pro Jahr im Museum erwartet.

Und ein neues Geschäftsfeld für Porsche eröffnet sich durch das Museum auch. "Bereits jetzt gibt es mehr als 250 Anfragen für Veranstaltungen im Porsche-Museum", berichtet Achim Stejskal. Der rasante Bau ist praktisch schon jetzt eine In-Location. Keine schlechte Entwicklung, wenn man bedenkt, wie Porsche-Sprecher Anton Hunger anmerkte, dass "zuvor an dieser Stelle der Frauenparkplatz war".

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Fotostrecke
Porsche-Museum: Stillstand der Rasanz

Aktuelles zu