Von Tom Grünweg
Hundert Autos für London, ein paar für Monaco, New York oder Berlin und eine kleine Flotte in Shanghai und Peking - Zwar hat Daimler den Smart mit Elektroantrieb in den vergangenen Jahren werbewirksam in Metropolen rund um den Globus verteilt, doch ein Massenphänomen sieht anders aus. Kein Wunder: Denn bislang wurde das Auto nicht verkauft, sondern zugeteilt. Nur speziell ausgewählte Kunden, Firmen oder Flottenbetreiber erhielten den stromgetriebenen Zweisitzer.
Diese Phase soll mit der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt Mitte September vorüber sein. Nachdem es vom ersten Elektro-Smart lediglich 100 Exemplare gab und von der zweiten Generation schon mehr als 2000 produziert wurden, debütiert in Frankfurt die dritte Evolutionsstufe des E-Mobils: Mit ihr soll die Stückzahl fünfstellig und die Elektromobilität damit prinzipiell für jedermann zugänglich werden. "Das vielfach zitierte elektrische Zeitalter ist mit der neuen Generation endgültig angebrochen," sagt Smart-Chefin Annette Winkler vollmundig.
Mit dem Wechsel vom Flottenversuch in die Großserienproduktion fruchten nun erstmals auch die strategischen Neugründungen, Joint-Ventures und Kooperationen, mit denen Smart-Eigner Daimler sich auf das Elektrozeitalter vorbereitet hat. So kommen die Batterien für den künftigen E-Smart nicht mehr vom Kooperationspartner Tesla aus Kalifornien, sondern von der gemeinsam mit Evonik aufgebauten Deutschen Accumotive aus deren nagelneuen Werk in Kamenz in Sachsen. Und auch den Elektromotor kaufen die Schwaben nicht mehr zu, sondern bauen ihn als erstes Produkt des EM Motiv genannten Joint Ventures mit Bosch selbst.
Das ändert nicht nur die Kostenstruktur und damit vermutlich auch die Rentabilität des Prestigeprojektes, sondern auch die Smart-Fahrer würden davon profitieren, sagt Daimler: Mit dem ab Frühjahr 2012 lieferbaren Modell der Phase 3 steigt die Leistung des E-Motors auf dauerhaft 48 (vorher 27) und kurzzeitig gar 75 PS (vorher 41). Entsprechend flotter ist der flüsterleise Flitzer unterwegs. Für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 60 benötigt das Auto lediglich 5,0 Sekunden (vorher 6,5). Und als Höchstgeschwindigkeit sind nun sogar etwas mehr als 120 km/h drin (vorher 100).
Die insgesamt 17,6 kWh starken Lithium-Ionen-Zellen ermöglichen eine Reichweite von mehr als 140 Kilometer. Weil die Prototypen von den allermeisten Benutzern bislang lediglich zwischen 30 und 40 Kilometern am Tag bewegt wurden, sollte das also locker reichen. Danach muss der Smart allerdings für etwa acht Stunden an die Steckdose. Wer so lange nicht warten will, kann allerdings auch einen Schnelllader für Starkstromanschlüsse bestellen: Dann dauert der Tankstopp nicht mal mehr eine Stunde.
Auch ein E-Fahrrad im Angebot
Einen Preis für den neuen Smart ed wollen die Schwaben erst zur Premiere auf der IAA nennen. Schon jetzt ist aber sicher, dass der elektrische Zwerg diesmal nicht nur zu leasen (bislang kostete das knapp 850 Euro im Monat), sondern auch zu kaufen sein wird. Außerdem kann man wohl davon ausgehen, dass der Preis aufgrund der wachsenden Stückzahl und den selbst hergestellten Komponenten vergleichsweise moderat ausfallen wird. Experten rechnen mit einer Leasingrate um 500 Euro oder einem Kaufpreis von deutlich unter 30.000 Euro. Die elektrischen Drillinge Mitsubishi i-MiEV, Citroën C-Zero und Peugeot Ion sind jedenfalls deutlich teurer; bei diesen Autos beginnen die Kaufpreise bei etwa 35.000 und die Leasingraten bei rund 600 Euro.
So imposant eine fünfstellige Produktionsziffer auch sein mag, und so großspurig Smart-Chefin Winkler vom Beginn des elektrischen Zeitalters spricht: Für ein echtes Massenmodell, das zudem auf mehr als 30 Märkten vertrieben werden soll, sind die Stückzahlen zu niedrig und die Preise auf jeden Fall noch zu hoch. Das wissen insgeheim wohl auch die Schwaben und schieben für deutlich unter 3000 Euro noch ein zweites Elektrofahrzeug nach: das gemeinsam mit der Berliner Manufaktur GRACE entwickelte und produzierte Elektrofahrrad namens Ebike. Das ist nicht nur deutlich billiger als der Smart, sondern kommt schon mit 400 Wh großen Lithium-Ionen-Zellen bis zu 100 Kilometer weit, ist noch wendiger und findet wirklich überall einen Stellplatz. Der gravierende Nachteil aus Autofahrer-Sicht: Sie müssen selber treten. Denn der bislang kleinste und günstigste Smart benötigt immer auch ein wenig Muskelkraft, vom vorwärts zu kommen.
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