Neuheiten bei Smart: Schluss mit dem Elektro-Minimalismus

Von Tom Grünweg

Kein anderer deutscher Hersteller hat so viele Elektroautos produziert wie Smart. Bislang wurden die mehr als 2000 E-Smarts aber nicht an Privatkunden verkauft. Das soll sich nun ändern. Ab 2012 gibt es den Stadt-Flitzer mit Batterie für alle - heißt es zumindest.

Smart E-Modelle: Jetzt ein Typ für Jedermann Fotos

Hundert Autos für London, ein paar für Monaco, New York oder Berlin und eine kleine Flotte in Shanghai und Peking - Zwar hat Daimler den Smart mit Elektroantrieb in den vergangenen Jahren werbewirksam in Metropolen rund um den Globus verteilt, doch ein Massenphänomen sieht anders aus. Kein Wunder: Denn bislang wurde das Auto nicht verkauft, sondern zugeteilt. Nur speziell ausgewählte Kunden, Firmen oder Flottenbetreiber erhielten den stromgetriebenen Zweisitzer.

Diese Phase soll mit der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt Mitte September vorüber sein. Nachdem es vom ersten Elektro-Smart lediglich 100 Exemplare gab und von der zweiten Generation schon mehr als 2000 produziert wurden, debütiert in Frankfurt die dritte Evolutionsstufe des E-Mobils: Mit ihr soll die Stückzahl fünfstellig und die Elektromobilität damit prinzipiell für jedermann zugänglich werden. "Das vielfach zitierte elektrische Zeitalter ist mit der neuen Generation endgültig angebrochen," sagt Smart-Chefin Annette Winkler vollmundig.

Mit dem Wechsel vom Flottenversuch in die Großserienproduktion fruchten nun erstmals auch die strategischen Neugründungen, Joint-Ventures und Kooperationen, mit denen Smart-Eigner Daimler sich auf das Elektrozeitalter vorbereitet hat. So kommen die Batterien für den künftigen E-Smart nicht mehr vom Kooperationspartner Tesla aus Kalifornien, sondern von der gemeinsam mit Evonik aufgebauten Deutschen Accumotive aus deren nagelneuen Werk in Kamenz in Sachsen. Und auch den Elektromotor kaufen die Schwaben nicht mehr zu, sondern bauen ihn als erstes Produkt des EM Motiv genannten Joint Ventures mit Bosch selbst.

Das ändert nicht nur die Kostenstruktur und damit vermutlich auch die Rentabilität des Prestigeprojektes, sondern auch die Smart-Fahrer würden davon profitieren, sagt Daimler: Mit dem ab Frühjahr 2012 lieferbaren Modell der Phase 3 steigt die Leistung des E-Motors auf dauerhaft 48 (vorher 27) und kurzzeitig gar 75 PS (vorher 41). Entsprechend flotter ist der flüsterleise Flitzer unterwegs. Für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 60 benötigt das Auto lediglich 5,0 Sekunden (vorher 6,5). Und als Höchstgeschwindigkeit sind nun sogar etwas mehr als 120 km/h drin (vorher 100).

Die insgesamt 17,6 kWh starken Lithium-Ionen-Zellen ermöglichen eine Reichweite von mehr als 140 Kilometer. Weil die Prototypen von den allermeisten Benutzern bislang lediglich zwischen 30 und 40 Kilometern am Tag bewegt wurden, sollte das also locker reichen. Danach muss der Smart allerdings für etwa acht Stunden an die Steckdose. Wer so lange nicht warten will, kann allerdings auch einen Schnelllader für Starkstromanschlüsse bestellen: Dann dauert der Tankstopp nicht mal mehr eine Stunde.

Auch ein E-Fahrrad im Angebot

Einen Preis für den neuen Smart ed wollen die Schwaben erst zur Premiere auf der IAA nennen. Schon jetzt ist aber sicher, dass der elektrische Zwerg diesmal nicht nur zu leasen (bislang kostete das knapp 850 Euro im Monat), sondern auch zu kaufen sein wird. Außerdem kann man wohl davon ausgehen, dass der Preis aufgrund der wachsenden Stückzahl und den selbst hergestellten Komponenten vergleichsweise moderat ausfallen wird. Experten rechnen mit einer Leasingrate um 500 Euro oder einem Kaufpreis von deutlich unter 30.000 Euro. Die elektrischen Drillinge Mitsubishi i-MiEV, Citroën C-Zero und Peugeot Ion sind jedenfalls deutlich teurer; bei diesen Autos beginnen die Kaufpreise bei etwa 35.000 und die Leasingraten bei rund 600 Euro.

So imposant eine fünfstellige Produktionsziffer auch sein mag, und so großspurig Smart-Chefin Winkler vom Beginn des elektrischen Zeitalters spricht: Für ein echtes Massenmodell, das zudem auf mehr als 30 Märkten vertrieben werden soll, sind die Stückzahlen zu niedrig und die Preise auf jeden Fall noch zu hoch. Das wissen insgeheim wohl auch die Schwaben und schieben für deutlich unter 3000 Euro noch ein zweites Elektrofahrzeug nach: das gemeinsam mit der Berliner Manufaktur GRACE entwickelte und produzierte Elektrofahrrad namens Ebike. Das ist nicht nur deutlich billiger als der Smart, sondern kommt schon mit 400 Wh großen Lithium-Ionen-Zellen bis zu 100 Kilometer weit, ist noch wendiger und findet wirklich überall einen Stellplatz. Der gravierende Nachteil aus Autofahrer-Sicht: Sie müssen selber treten. Denn der bislang kleinste und günstigste Smart benötigt immer auch ein wenig Muskelkraft, vom vorwärts zu kommen.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. e-auto muss ich nicht haben
graubeer 18.08.2011
kastriert meine mobilität kostet mehr als nötig
2. ? Preis?
wanderprediger 18.08.2011
Zitat von sysopKein anderer*deutscher Hersteller hat so viele Elektroautos produziert wie Smart. Bislang wurden die mehr als 2000 E-Smarts*aber nicht an Privatkunden verkauft.*Das soll sich nun ändern. Ab 2012 gibt es den*Stadt-Flitzer mit Batterie für alle - heißt es zumindest. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,780887,00.html
Neben meinem Geländewagen (den ich brauche), könnte ich mir den elktr. Smart als Drittwagen für die Stadt vortsellen. Aber nicht für 30k. Definitiv zu teuer. Aber ein vernünftiger Preis für elekt. Autos sollte nur noch eine Frage der Zeit sein.
3. Wo endet smart
Flightkit 18.08.2011
Wie lange geht das Theater eigentlich nun schon mit dem E- Smart? Wie gut, daß der Nicolas Hayek das nicht mehr miterleben muß. Und ein E- Fahrrad gibt es jetzt auch bei Daimler? Was ist als Nächstes? Rollschuhe? Für 30.000 Euro kann man 4 Jahre lang jeden Tag, insgesamt 4 Jahre lang jeden Tag eine Taxifahrt a 20€ unternehmen.
4. ..Klima? Heizung?
miezemaus 18.08.2011
..ist ja immer schön zu lesen, wie weit die Autos theoretisch kommen...wie sieht es denn aber bei - 10 Grad mit Heizung oder im Sommer mit Klima aus?? Gibts es die im Smart überhaupt?? - wenn nicht - unverkäuflich!
5. Nö, keine Lust auf Titel
Mr Bounz 18.08.2011
Super, ich freu mich drauf. Bin heute morgen hier im Rhein Mein Gebiet mit meinen Smart CDI zur Arbeit gefahren und hab mich wie fast jeden Tag über die Massen an Smarts auf der Straße gefreut. Hier hat es sich schon herumgesprochen das man nicht jeden Tag 4 leere Sitzplätze durch die Gegend fahren muß und damit sinnlos Parkfläche verschwendet. Es wird sehr schön und auch angenehm leise wenn mehr so tolle Wagen auf den Straßen unterwegs sind! 140 km reichen völlig! Wenn man pro Stunde Fahrzeit wie vom ADAC empfohlen 30 min Rast einplant kommt man sogar mit der Ladezeit ohne Unterbrechung hin! Gruß, MrBounz
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Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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