Mikromobilität Nach Unfällen - zwei Städte in Neuseeland verbieten E-Scooter

Elektro-Tretroller dürften bald auch deutsche Städte erobern. In Neuseeland haben Behörden die Fahrzeuge des Anbieters Lime indes verboten - nachdem sich mehr als 1000 Menschen bei Unfällen verletzt haben.

LIME


Die Behörden von Auckland und Dunedin in Neuseeland haben dem US-Start-up Lime den Verleih ihrer E-Scooter verboten. Es war zu zahlreichen Unfällen und Verletzten gekommen, nachdem die Roller eigenmächtig und abrupt gebremst hatten. Das Unternehmen macht einen Softwarefehler dafür verantwortlich und will nachbessern.

Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet, war es in den Städten zu 155 "irregulären Bremsvorgängen" bei den Elektro-Scootern von Lime gekommen. Die meisten davon ereigneten sich in der Großstadt Auckland, wo sich insgesamt 30 Nutzer teils schwere Verletzungen zuzogen und mit gebrochenem Kiefer oder Schlüsselbein behandelt werden mussten.

Die Software ließ das Vorderrad der Scooter unvorhergesehen blockieren und machte die Roller unkontrollierbar. Lime-Roller können Geschwindigkeiten von etwa 24 Kilometern pro Stunde erreichen und haben eine Reichweite von rund 32 Kilometern. Bereits vergangene Woche hatten die Behörden von Auckland Lime eine Frist zur Fehlerbehebung gesetzt.

"Sicherheit ist nicht verhandelbar"

"Wir haben ein Update bereitgestellt, um das Problem der Radblockierung zu lösen, und seitdem ist die Anzahl der gemeldeten Vorfälle in Neuseeland erheblich gesunken", sagte Anthony Fleo, Geschäftsführer von Lime.

Dem entgegnete Aucklands Behördenleiter Dean Kimpton, das Unternehmen habe nicht glaubwürdig versichert, dass die Roller sicher seien. Die Unversehrtheit der Nutzer und anderer Verkehrsteilnehmer habe Priorität. "Wir schätzen zwar die Annehmlichkeiten, die E-Scooter als innovative Transportlösung bieten, aber Sicherheit ist nicht verhandelbar", sagte Kimpton.

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Bereits Mitte Januar hatte Limes die Roller in der Schweiz wegen desselben Problems aus dem Dienst genommen. Auch hier hatten sich zahlreiche Unfälle ereignet. Die rund 300 E-Scooter in Zürich und weitere 250 in Basel würden daher nun einer technischen Prüfungen unterzogen, heißt es bei Lime.

Auch in Deutschland könnten die Scooter bald kommen

Die Elektroroller sind in Sachen Verkehrssicherheit generell umstritten. Seit Lime im Oktober letzten Jahres in Auckland seinen Dienst gestartet hat, verletzten sich landesweit sogar mehr als 1200 Menschen im Zusammenhang mit den E-Scootern. Oft kommt es zu Zusammenstößen mit Passanten, wenn Nutzer mit dem Roller die Gehwege nutzen. Die Behörde von Auckland hat nun einen unabhängigen Gutachter mit der Bewertung der Sicherheit von Lime-Scootern beauftragt. Anfang dieser Woche wird dann über eine weitere Aussetzung des Dienstes entschieden.

In Deutschland sind die Elektroroller für den Straßenverkehr noch nicht zugelassen. Das Bundesverkehrsministerium hat aber bereits eine Gesetzesänderung vorgeschlagen, die noch im ersten Halbjahr beschlossen werden soll. Sie besagt, dass E-Scooter und auch E-Skateboards mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde auf Radwegen oder der Straße gefahren werden dürfen. Ein Führerschein wird nicht benötigt. Verkehrsminister Andreas Scheuer hat die Verordnung jüngst autorisiert.

cfr

insgesamt 54 Beiträge
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zeichenkette 25.02.2019
1. Glaubt echt jemand...
dass Leute mit den Dingern auf der Straße oder auf Radwegen fahren werden? Gullydeckel, unzureichend abgesenkte Bordsteinkanten an Einmündungen und Einfahrten sowie die häufigen Wurzelaufbrüche auf Radwegen machen das völlig ungeeignet für die winzigen Räder dieser Dinger. Jeder fährt damit auf dem Gehweg und in Fußgängerzonen, ganz selbstverständlich und ohne darüber auch nur nachzudenken. Und auf der Straße zwischen Autos mit einem Tretroller? Das kann man noch so feste vorschreiben, es wird einfach niemand tun. Klingt äußerst weltfremd... Hier fahren durchaus schon einige dieser Dinger rum, auch wenn es noch nicht erlaubt ist und die fahren immer nur dort, wo man ansonsten auch als Fußgänger unterwegs wäre. Die Benutzer FÜHLEN sich sogar irgendwie als Fußgänger und ganz bestimmt nicht als Fahrzeugführer.
tesen 25.02.2019
2. Hat der Autor seinen eigenen Artikel gelesen...
... bevor er diese völlig irreführende Schlagzeile geschrieben hat. Die beiden Städte haben die E-Scooter EINES HERSTELLERS verboten der durch viele defekte Geräte aufgefallen ist. Die Fahrzeuge wurden nicht wegen ihrer Eigenschaft als E-Scooter verboten sondern schlicht weil die Software für die Bremsen defekt war. Reihenweise defekte Bremsen würden das bei jedem bisher üblichen Fahrzeug auch nach sich ziehen. Ein "journalistischer" Beitrag der der aktuellen Diskussion um die Zulassung der neuen Fahrzeuge nicht zuträglich ist. Danke cfr
investor3000 25.02.2019
3. Die Überschrift ist irreführend. Nur "Lime"-Roller betroffen
Es ist schon erstaunlich, wie hier Stimmung gegen diese Mikromobilität gemacht wird. Bei uns geht es nicht um Sicherheit wenn Menschen mit 200km/h durch Innenstädte brettern können und die maximale Sanktion ein kurzer Führerschein-Entzug ist. Entgegen politischer Aussagen soll der Michel gefälligst mit dem Auto fahren und nicht Bus & Bahn in Verbindung mit diesen Scootern nutzen.
roby1111 25.02.2019
4. ein striktes und EU-weites Verbot wäre deutiich sinnvoller!
Seit mehr als 20 Jahren kennt man diese Roller von insb. italienischen Camping-Plätzen und genauso lange fühlt man sich dort nicht mehr wohl, insbesondere nicht, wenn man kleinere Kinder hat, die früher auf eigene Faust den Camping-Platz erkunden konnten, jetzt aber an der Hand gehalten und im Zweifelsfall schnell hochgezogen werden müssen, wenn wieder ein Gleichaltriger oder älteres Kind mit seinem Roller angeschlittert kommt, völlig überfordert von Beschleunigungsleistung, Fahrlage und übervölkerten Wegen! Nun genau diese Situation EU-weit als Dauerzustand? NEIN DANKE! Ich hoffe, unsere Regierung ist wenigstens EINMAL zu einer Entscheidung GEGEN eine Lobby und FÜR die Bürger fähig!
thomas387 25.02.2019
5. Verwirrender Artikel, der Probleme eines Herstellers
vermischt mit genereller Problematik von Rollernutzung. Tatsächlich kenne ich im Bekanntenkreis der Erwachsenen, die mit Rollern die Distanz von Bahnhof zu Büro überbrücken und erst recht nicht bei den Kindern und ihren Scooter-Aktivitäten um den Best-Trick niemanden, der nicht schon böse Stürze mit üblen Verletzungen erlitten hat. Wege-Infrastruktur in den Städten mit den bekannten Schwellen, Fugen und Kanten und Fahrzeug-Physik der kleinen Räder gehen hier eine eher unglückliche Heirat ein. Wenn ich hier dann auch noch zwangsausgebremst werde... !??? Ich persönlich bevorzuge ja Falträder, Brompton und Birdy. Völlig stromlos und damit energetisch unabhängig und vergleichsweise sicher zu fahren und noch alltagspraktisch gut zum Pendeln geeignet.
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