Wäre man klein genug, um in einem Carrera-Rennauto zu fahren - man würde sich wahrscheinlich fühlen wie im Nissan Leaf RC. Der prescht nämlich los wie eine Rakete, doch der Motor brüllt nicht, sondern surrt nur. Es riecht kein bisschen nach Öl oder Abgas, sondern irgendwie elektrisch. Es sind wohl die Ausdünstungen der Kupferspulen des Elektromotors. Fühlt sich Rennwagenfahren in Zukunft so an?
Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, hat Nissan sein Elektro-Modell Leaf von Haustuner Nismo in einen Rennwagen verwandeln lassen - und für Testfahrten auf einem Rennkurs zur Verfügung gestellt.
Es geht eng zu im Leaf RC. Der Schalensitz ist unbequem, und das kleine Lenkrad erfordert kraftvolles Zupacken. Doch ohne die Vibrationen des Autos, das Röhren aus dem Auspuff, das Klackern des Getriebes fühlt sich die elektrische Raserei irgendwie synthetisch an.
Lahm auf der Geraden, ultraflink in den Kurven
Und so lange er steht, könnte man den Leaf RC mit einem Fahrsimulator verwechseln. Der Drehzahlmesser, sonst in Rennwagen das zentrale Cockpitinstrument, fehlt, von den Anzeigen für Öldruck und Motortemperatur ganz zu schweigen. Es gibt nur ein paar Kipp- und Drehschalter - das war's.
Doch sobald er fährt, sind alle Playstation-Assoziationen vergessen. Zwar hat der Leaf RC wie das Serienauto lediglich 109 PS, und mit maximal 150 km/h kann man auf der Start-Ziel-Geraden auch niemanden beeindrucken. Doch weil - typisch Elektroauto - die maximale Anzugskraft sofort bereitsteht, weil der Wagen dank Karbonkarosserie nur 900 statt sonst 1500 Kilogramm wiegt, und vor allem weil Motor, Akkus und Antrieb nach hinten gewandert sind, ist der Renner in den Kurven kaum zu schlagen. Selbst der fünfmal so starke Nissan GT-R hat erhebliche Mühe, dem Strom-Racer davonzufahren.
Technisch ist der Rennwagen vergleichsweise simpel aufgebaut. "Der gesamte Antrieb entspricht dem des Serienmodells", sagt François Crisias aus dem Projektteam. Auch die Batterien sind identisch mit jenen Lithium-Ionen-Zellen, die im normalen Leaf zum Einsatz kommen; sie wurden nur anders angeordnet. Die Nutzung der vorhandenen Komponenten senkte die Kosten, und so hat der Leaf RC den für einen Prototypen vergleichsweise bescheidenen Versicherungswert von rund 100.000 Euro.
Ein kurzes Vergnügen
Der Knackpunkt an diesem Konzept ist die Reichweite. Nach 20 Minuten Raserei auf der Rundstrecke muss der Leaf RC schon wieder in die Box, um für mindestens eine halbe Stunde Strom aus einer Schnellladestation zu saugen.
Nissans Haustuner Nismo hat bislang acht Leaf RC auf die Räder gestellt. Vermutlich werden es noch mehr. "Wir denken ernsthaft über einen professionellen Renneinsatz nach", sagt Projektleiter Crisias. Eine Art Markenpokal sei dabei nur eine Alternative. Denkbar wäre auch so etwas wie eine Formel Öko.
Andererseits dürften Nissan-Leaf-RC-Rennen auf den klassischen Pisten ziemliche Langweiler werden, denn auf langen Geraden ist das Auto einfach zu lahm. Der Strom-Racer braucht Kurven, um richtig schnell zu sein. Insofern wären winklige Stadtkurse ideale Austragungsorte für Elektro-Rennen - zumal die Strom-Boliden weder Abgase noch Lärm produzieren. Angeblich gibt es bereits Metropolen, die Interesse an einem Elektro-Motorsport-Ereignis angemeldet haben - quasi für Carrera-Rennen im Maßstab 1:1.
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