Geschwindigkeitskontrollen NRW will umstrittenes Strecken-Radar testen

In Nordrhein-Westfalen soll eine neue Methode zur Geschwindigkeitsüberwachung zum Einsatz kommen. Sie gilt als effektiver als herkömmliche Blitzer. Datenschützer üben Kritik.

Section-Control-Hinweisschild in Österreich
DPA

Section-Control-Hinweisschild in Österreich


Auf den Straßen Nordrhein-Westfalens soll das sogenannte Strecken-Radar erprobt werden. Dabei wird auf einem Kontrollabschnitt die Zeit an einem Anfangs- und am Endpunkt gemessen und daraus die durchschnittliche Geschwindigkeit von Fahrzeugen ermittelt. Ist der Fahrer zu schnell, wird er geblitzt und der Verstoß geahndet. Diese Methode der Geschwindigkeitsüberwachung gibt es in Deutschland bislang noch nicht.

Die NRW-Landesregierung will "so bald wie möglich" auf einer Teststrecke eigene Erkenntnisse über diese sogenannte Section Control gewinnen, wie Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte.

In Niedersachsen soll derweil im Herbst ein bereits seit Längerem geplanter Test der neuen Technik beginnen. Das Section-Control-Pilotprojekt auf einer Bundesstraße bei Hannover sollte ursprünglich schon 2015 beginnen. Datenschutzbedenken verzögerten den Start des Testbetriebs jedoch.

Zunächst wird jedes Fahrzeug erfasst

Tatsächlich werden bei dem Messverfahren massenhaft Daten gespeichert: Laut NRW-Innenministerium wird bei der Section Control jedes Fahrzeug am Anfang und am Ende des Kontrollabschnitts durch Messgeräte und Kameras verschlüsselt erfasst - ohne dass zunächst das Kennzeichen erkennbar sei. Erst wenn die so ermittelte Durchschnittsgeschwindigkeit über dem geltenden Tempolimit liege, werde das Fahrzeug registriert und der Fahrer geblitzt. "Das bedeutet: Wenn kein Tempoverstoß vorliegt, werden die verschlüsselten Fahrzeugdaten sofort und endgültig gelöscht", erklärte Jäger.

Die Innenministerkonferenz hatte sich bereits im Dezember 2014 für die in Niedersachsen geplante Erprobung des Strecken-Radars ausgesprochen. Anhand der Messmethode könnten mehr Verkehrssünder überführt werden als zum Beispiel mit einem Blitzer, der die Geschwindigkeit nur punktuell an einer Stelle erfasst - und Autofahrer davor und danach Gas geben können.

Strengere Kontrolle als mit einem Blitzer

Jäger erinnerte am Mittwoch daran, dass zu hohes Tempo der "Killer Nummer eins" im Straßenverkehr sei. "Wir brauchen eine Lösung, die für mehr Verkehrssicherheit sorgt und gleichzeitig den Datenschutz berücksichtigt. Hierfür brauchen wir eine klare bundesweite rechtliche Grundlage."

Die Niederlande, Italien, Österreich und die Schweiz machen dem Düsseldorfer Ministerium zufolge seit Jahren positive Erfahrungen mit der Abschnittskontrolle. So sei in Österreich auf zehn unfallträchtigen Abschnitten innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Unfälle um die Hälfte gesunken. Eine Studie aus der Schweiz zeige für einen mittels Section Control überwachten Abschnitt einen Rückgang der Übertretungsquote um bis zu 76 Prozent.

cst/Afp



insgesamt 90 Beiträge
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hagastubben 03.08.2016
1. Streckenradar
haben wir in Norwegen mit gutem und gewünschtem Erfolg auch schon seit ein paar Jahren.
blueberryhh 03.08.2016
2. gute Sache!
Es ist auf jeden Fall wert, mal getestet zu werden Am besten wären dann aber - auf den Autobahnen - wie in anderen Länder ein Höchstgeschwindigkeit von z.B. 130 km/h!
gaiusmuciusscaevola 03.08.2016
3. Na prima!
Nächste Stufe: Bei Abfahrt Anmeldung bei der Polizei mit Angabe des Kilometerstandes, der Fahrstrecke (wird per Satellit verifiziert) und des Zielpunktes (und dortige Anmeldung). Mit den Daten wird geprueft, ob die Geschwindigkeit eingehalten wurde. Die Idiotie nimmt kein Ende, der Staat braucht Geld, Geld, und nochmal Geld! Mittlerweile haben wir ja eh keine Polizei mehr, die den Bürger schützt. Dann kann man die auch komplett zu Abkassieren umfunktionieren!
bold_ 03.08.2016
4. Schweizer Autofahrer
sind ohnehin schon "Dressierte Schleicher"! Wo will man da noch etwas "herausholen"? Und wer mit Prozenten argumentiert, hat keine besseren Argumente. In Wahrheit geht es um Datensammlung, Disziplinierung und um das Abkassieren der Autofahrer. Macht nichts - wegen Überfüllung der Straßen bricht der Autoverkehr ohnehin immer häufiger zusammen. Dann wird sich die Investition in solche Anlagen kaum noch rentieren, aber zum Datensammeln können sie immer noch eingesetzt werden.
m.d._b 03.08.2016
5.
Hoffentlich setzt sich diese Artr der Geschwindigkeitskontrolle durch. So kann man dann hoffentlich ruhiger, ohne Drängler im Nacken, auf der Autobahn von A nach B fahren.
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