Verfahren wegen Verkehrsgefährdung Strafbefehl gegen Notarzt zurückgenommen

Er sollte seinen Führerschein verlieren, weil er bei einem Rettungseinsatz für ein Kleinkind zu rasant fuhr. Doch dann brandete eine Welle der Unterstützung für Notarzt Alexander Hatz auf - und hat offenbar Wirkung gezeigt.

Blaulichtfahrt: Strafbefehl zurückgenommen
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Blaulichtfahrt: Strafbefehl zurückgenommen


Hamburg - Gute Nachrichten für Alexander Hatz: Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat den Antrag auf Strafbefehl gegen den Neuburger Notarzt zurückgenommen. Dies bestätigte dessen Rechtsanwalt Florian Englert gegenüber der "Augsburger Allgemeinen".

Mit Blaulicht und Martinshorn war Notarzt Alexander Hatz im April 2014 zu einem Einsatz gefahren - es musste schnell gehen, ein Kleinkind drohte zu ersticken. Das Eingreifen sollte ihn jedoch teuer zu stehen kommen, weil ein Autofahrer Anzeige gegen ihn erstattete. Der Vorwurf: Hatz habe beim Überholen zu weit ausgeschert, dadurch habe der entgegenkommende Autofahrer scharf bremsen und ausweichen müssen. Das zuständige Amtsgericht Neuburg stellte daraufhin einen Strafbefehl über 4500 Euro wegen Verkehrsgefährdung gegen den Mediziner - und handelte sich damit jede Menge Unverständnis ein.

Zehntausende Menschen hatten auf der Webplattform openpetition.de "Freispruch für den Notarzt Alexander Hatz" gefordert. Hatz habe im Notfall gehandelt, "und man lernt in der Fahrschule, dass man Platz machen muss, wenn Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn kommen", schreibt Initiator Florian Jornitz aus Hamburg. Er fordert, Einsatzkräfte vor Anzeigen zu schützen: "Es geht auch um unser Leben."

Mehr als 200.000 Unterstützer

Am Montagmittag hatte die Petition bereits mehr als 200.000 Unterstützer gefunden - das zeigte offenbar Wirkung. Die Rücknahme des Strafbefehls sei am Montag um 11.11 Uhr per Fax beim Amtsgericht in Neuburg eingegangen, berichtete Rechtsanwalt Englert der "Augsburger Allgemeinen". Englert vermutete, dass die Entscheidung auf Betreiben der Münchner Generalstaatsanwaltschaft zustande gekommen ist.

Wie sich später herausstellte, lag er richtig: Am Montagnachmittag teilte die Münchner Staatsanwaltschaft mit, sie habe nach einer "nochmaligen Überprüfung des Vorganges" den Strafbefehl zurückgenommen. Die Vorwürfe gegen Hatz ließen sich unter Berücksichtigung der Sonderrechte für Rettungsdienste "nicht aufrechterhalten". Der Notarzt habe seine Schilderung der Fahrt erst dargelegt, nachdem der Erlass des Strafbefehls bei Gericht eingegangen sei.

Ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft räumte ein, dass sich die Generalstaatsanwaltschaft auch aufgrund des großen Medienechos mit dem Fall befasst habe. Die Entscheidung sei aber völlig unabhängig von den öffentlichen Protesten und im Einvernehmen mit der untergeordneten Ingolstädter Behörde gefallen.

Der Notarzt und seine Verteidiger nahmen die Nachricht mit Genugtuung auf. "Das ist zweifelsfrei die richtige Entscheidung der Staatsanwaltschaft", sagte Rechtsanwalt Florian Englert. Der Strafbefehl sei "nicht ansatzweise haltbar" gewesen, betonte auch sein Kollege Günther Schalk. "Wer auf dem Weg zu einem erstickenden Kind ist, fährt per se nicht rücksichtslos, um seines eigenen Fortkommens willen", argumentierten die Verteidiger.

mhe/dpa



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