Strafbefehl wegen Verkehrsgefährdung Notarzt soll für Rettungseinsatz 4500 Euro zahlen

Bei einem Rettungseinsatz für ein Kleinkind in Lebensgefahr hat ein Notarzt aus Bayern mehrere Fahrzeuge überholt. Jetzt soll er für die Verkehrsverstöße zur Rechenschaft gezogen werden - ein Autofahrer hatte gegen ihn Anzeige erstattet.

Notarzteinsatzfahrzeug: "Es muss verhältnismäßig sein"
DPA

Notarzteinsatzfahrzeug: "Es muss verhältnismäßig sein"


Neuburg/Donau - Ein Notarzteinsatz zur Rettung eines Kleinkinds in Lebensgefahr soll einen Mediziner teuer zu stehen kommen. Der Notarzt war im April 2014 von der Rettungsleitstelle Ingolstadt ins nahe Karlshuld geschickt worden. Ein zweijähriges Mädchen hatte Schnellkleber verschluckt und drohte zu ersticken. Auf der Fahrt mit Blaulicht und Martinshorn musste der Mediziner mehrmals Autos überholen. Der Fahrer eines entgegenkommenden Autos fühlte sich dadurch bedrängt und zeigte den Arzt an.

Das hatte Folgen: Am 15. Januar flatterte dem Notarzt Post ins Haus - ein Strafbefehl über 4500 Euro wegen Verkehrsgefährdung. Der Mediziner habe sich als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erwiesen, wird ihm darin bescheinigt. Ihm droht damit auch der Führerscheinentzug für sechs Monate.

Weil der 51-Jährige die Strafe des Amtsgerichts Neuburg a. d. Donau nicht akzeptieren will, kommt es nun zum Prozess, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Ingolstadt, Helmut Walter, einen Bericht im "Münchner Merkur" bestätigte.

Der Notarzt hat nach eigenen Angaben in den letzten 23 Jahren insgesamt 5500 Einsätze gefahren. Doch der leitende Oberstaatsanwalt rechtfertigt das Vorgehen seiner Behörde. "Auch wenn man Sonderrechte in Anspruch nimmt, muss es verhältnismäßig sein", sagte er der Zeitung.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, zwei Autofahrer hätten den Notarzt angezeigt. Tatsächlich hat nur ein Autofahrer Anzeige gegen ihn erstattet. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

cst/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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sok1950 05.02.2015
1. in Sachsen-Anhalt ist kürzlich einer vorsätzlich zu schnell gefahren
...nur um ein (Blitzer-) Foto für seinen Heiratsantrag zu bekommen. Lt. seinen Angaben ist er mehrfach mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren, nur um einen guten Blitzer zu erreichen. Bußgeldstelle, Presse, Öffentlichkeit, Polizei haben ihn unisono ob seines "kreativen" Hochzeitsantrag hoch gejubelt, er ist jetzt ein Star - und kommt mit ca. 10€ Bußgeld davon. Irgend etwas stimmt da nicht, mit Deutschland.
Knack5401 05.02.2015
2. So was passiert immer dann,
wenn ein vollkommen demotivierter, weltfremder Amtsrichter aus seiner warmen Richterstube heraus das Recht nach seinem Gutdünken interpretiert. Und wie man sieht, ein paar bescheuerte und rechthaberische Autofahrer gehören auch dazu. Geht in den Prozess und alles wird schön öffentlich.
dreadi99 05.02.2015
3. Verhältnismäßigkeit
stimmt genau, es soll verhältnismäßig sein. Die Rettungsfahrt zu einem Kleinkind vs. "ich muss bremsen für den entgegenkommenden Rettungswagen" Hätten sich die Autofahrer an die STVO gehalten und entsprechend Platz gemacht, auch als entgegenkommenden Fahrzeuge, stellt sich die Frage doch gar nicht. Glück Auf!
_basher 05.02.2015
4.
Das ist ein absoluter Witz. 1. Haben die nichts besseres zu tun als einen Notarzt anzuzeigen ? 2. Was wird denn erwartet ? Ganz seelenruhig zum Einsatz fahren, Kind stirbt aber zum Glück keinem Gutmenschen auf den schlips getreten ? Ich kanns kaum fassen.
HPS60 05.02.2015
5. Was sind das für Leute ...
... die einen Notarzt im Einsatz anzeigen. Hoffentlich kommen die mal nicht selbst in einen Notfall, und der Notarzt kommt zu spät, weil er die rechtmäßigen Sonderrechte nicht in Anspruch genommen hat aus Angst, das teuer zu bezahlen. Vielleicht sollten die mal vorher nachdenken, was Rechthaberei auslösen kann.
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