Notrufsäulen: 70.000 Hilferufe an Deutschlands Straßen

Notrufsäule an der A96: Einer von bundesweit mehr als 16.700 SOS-Kästen Zur Großansicht
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Notrufsäule an der A96: Einer von bundesweit mehr als 16.700 SOS-Kästen

Rund 16.700 Notrufsäulen gibt es in Deutschland. Weil fast jeder Autofahrer ein Handy hat, scheint diese Dichte manchem übertrieben. Doch eine Statistik zeigt, wie rege die orangen Kästen genutzt werden: 2012 gingen mehr als 70.000 Hilferufe in der Notrufzentrale ein.

2012 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 113 Millionen Handyanschlüsse in Deutschland registriert. Somit kann statistisch gesehen jeder Bundesbürger in einem Notfall auch Hilfe rufen. Dazu benötigt das Telefon nur Strom und Zugang zum Mobilfunknetz. Wozu gibt es dann noch Notrufsäulen an der Straße, könnte man jetzt fragen. Die Antwort: Weil sie immer noch gebraucht werden.

2012 gingen insgesamt 74.171 entsprechende Hilferufe von den Autobahnen in der Notrufzentrale ein - das sind fast sechs Notrufe pro Autobahnkilometer, wie der zuständige Dienstleister GDV am Montag in Hamburg mitteilte. Rund 80 Prozent der insgesamt mehr als 16.700 orangefarbenen Notsäulen wurden demnach mindestens einmal genutzt.

Die meisten Hilferufe setzten Autofahrer 2012 von einer Notrufsäule an der A 2 in Niedersachsen zwischen Lehrte-Ost und Hämelerwald ab. 305 Mal musste die Notrufzentrale in diesem Fall technische oder medizinische Hilfe organisieren. Die meisten Notrufe aller Autobahnen gab es im vergangenen Jahr aber auf der A 3. Von den Säulen entlang der mit 778 Kilometern zweitlängsten Autobahn Deutschlands wurden demnach insgesamt 8024 Notrufe abgesetzt, gefolgt von der A 7 und der A 2.

Die meisten Notrufe pro Streckenkilometer kamen von der A 831 bei Stuttgart, die wenigsten von der A 540 am Niederrhein. Die Notrufsäulen stehen ungefähr alle zwei Kilometer in beiden Fahrtrichtungen. Laut GDV ermöglichen die Säulen die exakte Ortung des Hilferufes und können den Kontakt zur Rettungsleitstelle oder anderen Helfern herstellen, egal ob es technische, medizinische oder andere Probleme gibt.

Neues Notrufsystem geplant

Ab 2015 könnte die Zahl der orangen Telefone trotzdem abnehmen. Dann soll nämlich ein neues Notrufsystem in Europa starten: eCall. Künftig sollen alle Neuwagen mit einer Technik ausgerüstet sein, die bei einem Unfall oder einem anderen Problem automatisch einen Notruf sendet. Entweder wird dann der Rettungsdienst alarmiert oder der Fahrer in eine Werkstatt gelotst.

Ob das System allerdings wie geplant starten wird, ist fraglich. Zum Beispiel befürchten Datenschützer, dass durch eCall Bewegungsprofile der Autofahrer angelegt werden können. Außerdem gibt es auch Widerstand in der EU. Wie die "FAZ" im Februar berichtete, sträubt sich etwa Frankreich gegen die Pläne, weil Peugeot und Citroën in ihren Fahrzeugen eigene Notrufsysteme installieren, die nicht mit eCall kompatibel sind.

rom/AFP

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Europa mit wenig Sinn
Mertrager 06.05.2013
Wenn jetzt noch ein Land bei einem länderübergreifenden Fortbewegungsmittel eigene, unkompatibele Lösungen befürwortet, dann kann man sich die Frage nach dem Sinn der europäischen Einigung an sich stellen. Ok, auch die friedliche Koexistenz an sich ist ein Erfolg. - Aber das geht auch ohne Euro und alle die anderen aufwendigen Vorhaben.
2. Ja, die Datenschützer
wurmfortsatz 06.05.2013
Ich sage es immer wieder gerne: Hätte es diese Datenschützerwut vor über 20 Jahren gegeben, es gäbe kein Handynetz. Und vor über 30 Jahren, dann gäbe es auch kein Internet.
3. Kultstatus.
Hamberliner 06.05.2013
Zitat von sysopDPARund 16.700 Notrufsäulen gibt es in Deutschland. Weil fast jeder Autofahrer ein Handy hat, scheint diese Dichte manchem übertrieben. Doch eine Statistik zeigt, wie rege die orangen Kästen genutzt werden: 2012 gingen mehr als 70.000 Hilferufe in der Notrufzentrale ein. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/notrufsaeulen-ueber-70-000-mal-hilfe-pro-jahr-a-898317.html
Die Dinger gehören unter Denkmalschutz. Die haben Kultstatus. Ich hab einmal in der Ex-DDR, wo ich eine Zeit lang arbeitete, so ein Teil nötig gehabt: Bis kurz vor Mitternacht gearbeitet, Alarmanlage der Firma scharf geschaltet, draußen in der Walachei an der B273, und dann springt das Fahrzeug nicht an. Im November nachts bei Kälte und Nieselregen. Die Notrufsäule war mit einem Gerät bestückt, das batteriebetrieben eine Stimme vom Band wiedergab, solange noch keine Telefonverbindung stand. Ich hörte eine flinke lebendige Frauenstimme "Bitte warten Sie. Wir sind gleich für Sie da. Bitte warten Sie. Wir sind gleich für Sie da. Bitte warten Sie. Wir sind gleich für Sie da." usw. usw. Unmerklich wurde diese Stimme immer tiefer, immer männlicher, und immer langsamer. Sie endete in einem tiefen Grunzen. Oder Rülpsen. Offenbar war die Batterie genauso leer wie meine Fahrzeugbatterie.
4. Auch Wiederholung macht Vorurteile nicht wahrer
Hugh 06.05.2013
Zitat von wurmfortsatzIch sage es immer wieder gerne: Hätte es diese Datenschützerwut vor über 20 Jahren gegeben, es gäbe kein Handynetz. Und vor über 30 Jahren, dann gäbe es auch kein Internet.
Die gab es zum Glück sowohl vor 30, als auch vor 20 Jahren. Was glauben Sie denn, worauf unsere "Datenschützerwut" beruht? Genau, auf unseren Aktionen zur Volkszählung 1983, die zum Verfassungsgerichtsurteil über die -informelle Selbstbestimmung- führten. Wenn man schon in der Schule nicht aufgepasst hat ( vorzugsweise im Fach Gesellschaftskunde oder Geschichte), dann sollte man sein Nichtwissen zumindest nicht auch noch nicht auch noch öffentlich machen. Es könnte Leute zum Lachen reizen. nur durch den Datenschutz wurde für Privatpersonen erst ungefährdender Gebrauch sowohl von Mobiltelefonen als auch des Internets möglich. Zur weiteren Lektüre empfehle ich: Volkszählungsurteil (http://de.wikipedia.org/wiki/Volksz%C3%A4hlungsurteil)
5. eCall,...
tgu 06.05.2013
toll. Und was ist mit den Millionen gebrauchten Autos die sowas noch nicht haben? Aber man kann ja schonmal all die Notrufsäulen und Sirenen abschaffen.
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