Nürburgring-Ausstellung Die Hölle ist grün

Auf der Essen Motor Show stehen nicht nur aktuelle Autos im Mittelpunkt, sondern auch zahlreiche Klassiker. Einige besonders spektakuläre Modelle sind in der Sonderausstellung "Grüne Hölle Nürburgring" versammelt.


Rennwagen, die einst auf der legendären Nordschleife mit Vollgas unterwegs waren, gehören in diesem Jahr zu den auffälligsten Ausstellungsstücken im sogenannten Show-Center der Tuningmesse, die bis zum 4. Dezember läuft. Die gezeigten Formel-1-, Sport- und Tourenwagen waren in längst vergangenen Tagen allesamt erfolgreich auf dem Eifelkurs unterwegs, der als schönste, anspruchsvollste und auch gefährlichste Rennstrecke der Welt gilt.

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Nürburgring-Ausstellung: Grüne Hölle für Menschen und Motoren

Der Nürburgring wurde von 1925 an in der Eifel, dem damaligen Armenhaus der preußischen Rhein-Provinz gebaut. Zeitweilig waren bis zu 25.000 Menschen bei diesem Großprojekt beschäftigt, zu dessen Unterstützern unter anderem auch Konrad Adenauer gehörte, damals Oberbürgermeister der Stadt Köln. Zur Eröffnung der Rennstrecke kamen nach Polizeischätzungen 150.000 Menschen am 18. und 19. Juni an den Nürburgring - jedenfalls wurden gut 85.000 Eintrittskarten verkauft, aber die komplette Strecke ließ sich unmöglich absperren, so dass an zahlreichen Stellen die Zuschauer einfach so an die Piste gelangen konnten.

Der Nürburgring bestand eigentlich aus zwei Strecken, der sogenannten Südschleife und der Nordschleife, die sich über 22,8 Kilometer in ewigem Auf und Ab und Hin und Her durch die üppige Vegetation zog. Zunächst wurden die Rennen über den gesamten gut 28 Kilometer langen Kurs gefahren, ab 1931 jedoch wurde nur noch die Nordschleife benutzt. Hier befinden sich auch jene Streckenabschnitte, die in Rennfahrerohren nach Verheißung und Herausforderung zugleich klingen: Hathenbach, Schwedenkreuz, Fuchsröhre, Karussell, Pflanzgarten, Schwalbenschwanz und Galgenkopf zum Beispiel heißen die Passagen, an denen dem Fahrer Mut und Können abverlangt werden und seinem Fahrzeug die absolute technische Fitness.

1970 kam es zum Fahrerboykott gegen die Nordschleife

Rudolf Caracciola gewann das Eröffnungsrennen auf dem Nürburgring, später siegte er dort noch fünfmal beim Großen Preis von Deutschland. Später schrieben dort Karl Kling, Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio, Stirling Moss oder Jackie Stewart Rennsportgeschichte. In den sechziger Jahren wurde absehbar, dass die Nordschleife den Anforderungen der immer schnelleren Formel-1-Rennwagen nicht mehr gewachsen war.

1970 erwirkten die Formel-1-Fahrer einen Boykott, der Große Preis von Deutschland wurde nach Hockenheim verlegt. Die Strecke wurde umgebaut, die Formel 1 kehrte zurück. Am 1. August 1976, so war es vereinbart, sollte aufgrund der Sicherheitsmängel der Nordschleife dort zum letzten Mal ein Grand Prix gestartet werden. Es war jenes Rennen, in dem Niki Lauda schwer verunglückte und in seinem brennenden Rennwagen beinahe umgekommen wäre.

Die Formel 1 kehrte nie wieder auf die Nordschleife zurück, dort werden jetzt unter anderem Langstreckenrennen oder Markenpokale ausgefahren. Am Nürburgring aber entstand, auf dem Gelände der ehemaligen Südschleife, ein neuer Grand-Prix-Kurs, der am 12. Mai 1984 eingeweiht wurde. Das Eröffnungsrennen gewann Ayrton Senna - und sein Siegerauto von damals wird ebenfalls in der Ausstellung "Grüne Hölle Nürburgring" gezeigt.



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