Bikesharing Obike hinterlässt Schulden und Schrotträder

Die gelben Leihräder von Obike sorgten in Deutschland für jede Menge Ärger. Nun ist der Anbieter offenbar pleite - und hinterlässt in Europa 30.000 Räder.

Ein Leihrad des Anbieters Obike
Hauke-Christian Dittrich / dpa

Ein Leihrad des Anbieters Obike

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Es begann so fulminant wie nervig: Mit 7000 gelben Leihrädern überschwemmte Obike im Jahr 2017 quasi über Nacht das Stadtgebiet Münchens, später folgten weitere Großstädte. Doch das Europa-Abenteuer des Leihradanbieters ist nach einem Jahr wohl beendet, die Firma aus Singapur ist lokalen Medienberichten zufolge pleite.

Zurück bleibt jedoch nicht nur die Erinnerung an jede Menge Ärger, sondern auch 30.000 Fahrräder in Deutschland und den Niederlanden. Abgeholt hat die bisher niemand, erklärt Münchens Fahrradbeauftragter Florian Paul: "Das ist ein großes Ärgernis. Wir versuchen, seit Wochen und Monaten bei Obike jemanden zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmert." Auch andere deutsche und europäische Städte melden Probleme: In Hannover erreicht man laut einer Sprecherin der Stadt seit vergangenem Donnerstag niemandem mehr bei Obike. In Frankfurt habe die Firma immer seltener falsch abgestellte Räder rechtzeitig entfernt und sei dann teils nicht mehr erreichbar gewesen, sagte der Sprecher des Verkehrsdezernats

Obike ist im Zahlungsrückstand

Denn auch in der Logistik ging es bei Obike anscheinend recht chaotisch zu: So warten seit November letzten Jahres 10.000 gelbe Fahrräder in einer Lagerhalle bei Hamburg auf ihren Einsatz - neu und unbenutzt. Ursprünglich sollten sie im Frühjahr 2018 ausgeliefert werden, erklärt der Vermieter gegenüber SPIEGEL ONLINE. Passiert ist seitdem nichts, die Miete bezahlte das Startup Anfangs extrem spät - und später überhaupt nicht mehr, rund 35.000 Euro stehen noch aus.

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Doch Obike ist nicht nur bei Mieten im Rückstand: In Singapur stellte die Firma den Betrieb ein, nachdem die dortige Verkehrsbehörde Lizenzgebühren eingeführt hatte, um die Flut an Leihrädern in den Griff zu kriegen. Auf Obikes Vehikel müssen Radfahrer in Singapur künftig verzichten - doch nicht nur darauf: Für die Nutzung mussten zwischen 12 und 30 Euro an Kaution hinterlegt werden, die sie vermutlich nicht wiedersehen werden. Denn der Unternehmen finanzierte mit den Einnahmen wohl den laufenden Betrieb, rund vier Millionen Euro an Kautionsgebühren wurden bisher nicht zurückgezahlt.

Aufgeladenes Guthaben wohl wertlos

Auch in Europa kriegen Obike-Kunden gezahlte Kautionen vorerst nicht zurück - und auch das aufgeladene Guthaben ist wohl verloren. Herrenlos sind die Räder jedoch nicht und können deshalb auch nicht einfach entfernt werden. Sie gehören der Schweizer Firma "Umzug24", die eigentlich für die Wartung und Verteilung der Räder zuständig war: "Wir haben mit Obike vereinbart, dass die eingesammelten Fahrräder uns gehören, als Ausgleich für ausstehende Zahlungen", erklärt Umzug24-Mitarbeiter Sercan Ocar.

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

Eigentlich sollte die Firma die Räder europaweit ausliefern und defekte Exemplare einsammeln. Das gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht: Die App funktioniere nicht mehr richtig, das mache die Ortung der Räder schwierig. Für die Räder, die man bereits eingesammelt habe, sucht das Schweizer Unternehmen nun Käufer, die mindestens 500 Fahrräder kaufen wollen - denn Obike ziehe sich definitiv aus Europa zurück, das sei schriftlich zugesichert worden, so Ocar weiter.

ene/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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touri 11.07.2018
1.
Ein Schild an die Räder "zum mitnehmen" anheften oder einfach unabgeschlossen stehen lassen, dann erledigt sich das Problem ganz schnell von allein.
sonnemond 11.07.2018
2. Müll
Hier in München werden diese Räder als Müll betrachtet. Sie liegen überall rum, monatelang im Straßengraben, in der Isar und sonst wo. Und das in einer fahrradbegeisterten Stadt. Die Deutsche Bahn macht es mit ihrem Fahrradverleih wesentlich besser.
Oberleerer 11.07.2018
3.
Entweder oBike meldet Insolvenz an, oder es ist ein strafbarer Bankrott. Die Firma Umzug-24 kann die Räder nicht einfach einbehalten, das wäre Unterschlagung. Die Räder gehören vollstreckt und versteigert und der Erlös wird auf die Gläubiger aufgeteilt. Vorrangig wird der Insolvenzverwalter bedient, dann kommen die Gläubiger, wie z.B. der Vermieter der Lagerhalle. In München werden m.W. herrenlose Räder nach einem Jahr aus der Umwelt entfernt. Ich weiß nur nicht, ob oBike-Räder als herrenlos gelten. Interessant wäre, ob man aus den Rädern benutzbare Räder bauen kann, mit Luftbereifung und Schaltung. Hier in München gibt es hinterm Ostbahnhof eine städtische Firma, die aufgesammelte Räder wieder instandsetzt und verkauft.
Sibylle1969 11.07.2018
4.
Wer soll die Räder kaufen? Von allen in Frankfurt präsenten Leihfahrrädern machten die von Obike den schrottigsten Eindruck.
catzi 11.07.2018
5. 10.000 neu Fahrräder ...
warum geht man nicht an Schulen und verteilt diese Räder an Kinder die keines besitzen, nein das werden nicht nur Flüchtlingskinder seien sondern auch "Einheimische" deren Eltern es sich nicht leisten können Ihnen eines zu kaufen. So würde die Halle frei und 10.000 Kinder würden sich freuen, egal woher die Eltern kommen.
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