Ökoauto-Wettbewerb X-Prize: Dreirad mit Siegchancen

Aus Kassel berichtet

Zehn Millionen Dollar Preisgeld gibt es beim Automotive X-Prize zu gewinnen - einem Wettbewerb für alternative Fahrzeuge. Auf einen Teil des Geldes hofft TW4XP, das einzige deutsche Team am Start. SPIEGEL ONLINE besuchte die Spar-Tüftler.

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X-Prize: Sparen um die Wette
Angefangen hat alles mit einem Bericht auf SPIEGEL ONLINE. "Dort haben wir im April 2007 zum ersten Mal vom Automotive X-Prize gelesen", erinnert sich Martin Möscheid. Die Idee, dass eine amerikanische Versicherung zehn Millionen Dollar Preisgeld für ein wirklich zukunftsweisendes Fahrzeugkonzept auslobt, steckte ihn sofort an. Die Entscheidung, am Wettbewerb teilzunehmen, fiel unmittelbar.

Die Herausforderung kam Möscheid gerade recht. Schon seit den neunziger Jahren baut seine Firma das in der Schweiz entwickelte Elektrovehikel Twike - eine eigenwillige Mischung aus Liegefahrrad, Segelflugzeugrumpf und City-Stromer. Von diesem Mobil wurden mittlerweile rund tausend Exemplare an Kunden im deutschsprachigen Raum verkauft - zu Stückpreisen um 40.000 Euro. "Für den Massenmarkt jedoch wurde das Twike nicht konzipiert", räumt der Kfz-Mechaniker und studierte Maschinenbauer ein. Nur 85 km/h schnell, fast so eng wie ein Formel-1-Auto und ähnlich fragil wie ein rohes Ei - das Twike ist ein Fahrzeug für Ökofundamentalisten.

Da passt es gut, dass der X-Prize sehr viel praktischere Forderungen stellt. "Die Amerikaner suchen nicht das sparsamste Auto schlechthin, sondern sie verlangen Fahrzeuge, die alltagstauglich und ansehnlich sind. Und bezahlbar müssen sie auch sein." Nur wenn das Mobil schneller fährt als 128 km/h, in rund 13 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen und eine Reichweite von 160 Kilometern nachweisen kann, wird es überhaupt zugelassen. "Das sind realistische und vernünftige Kriterien", findet Möscheid.

Inzwischen sind diese Hürden genommen, und auch sonst haben die Entwickler, die ihre Werkstatt im Keller eines Kasseler Gründerzentrums betreiben, schon jetzt mehr Durchhaltewillen bewiesen als die beiden anderen deutschen X-Prize-Anwärter: Die nämlich sind mittlerweile ausgeschieden und zählen nicht mehr zum Kreis der rund 40 Finalisten.

Technisch ist der Zweisitzer mit dem sperrigen Projektkürzel TW4XP (Threewheeler for X-Prize) eine Weiterentwicklung des Twike. Mit dem Unterschied, dass der 2,80 Meter lange Wagen jetzt 1,50 Meter breit ist, so dass zwei Passagiere nebeneinander ordentlich sitzen können. Und die Höhe von 1,40 Meter macht den Wagen auch für Sitzriesen bequem. Außerdem ist der Gitterrohrrahmen des Twike einer stabilen Alu-Spaceframe-Konstruktion gewichen, die mehr Sicherheit bringen soll; ABS wird es als Option geben, Airbags allerdings nicht.

"Wo sollten wir die auch einbauen?" fragt Möscheid. Denn wo andere Autos ein Armaturenbrett haben, gibt es beim X-Prize-Typen Freiraum, und anstelle des Lenkrads ragen links und rechts des Fahrersitzes zwei Steuerknüppel auf. Mit denen wird das Vorderrad mechanisch dirigiert, und mit Hilfe von zwei Knöpfen wird beschleunigt oder gebremst. "Klingt ungewohnt, ist aber kinderleicht", verspricht Möscheid.

196 Lithium-Ionen-Zellen versorgen den Elektromotor mit Energie

In Fahrt bringt das Dreirad ein im Heck montierter Elektromotor, der permanent 23 und kurzfristig bis zu 41 PS leistet. Gespeist wird er aus 196 Lithium-Zellen, die ähnlich wie beim Elektrosportwagen Tesla Roadster, zu einem großen Akkublock verbunden und im Mitteltunnel untergebracht sind. "Ihre Kapazität reicht auf jeden Fall für die geforderten 160 Kilometer, wahrscheinlich für deutlich mehr", sagt Möscheid. "Das Verbrauchsziel des sogenannten Benzinäquivalent von 2,35 Litern schaffen wir locker. Unsere interne Zielvorgabe ist weniger als ein Liter Verbrauch."

Zwar arbeiten Möscheid und sein Team bereits seit gut zwei Jahren an dem Zweisitzer, doch jetzt müssen sie sich noch einmal ranhalten. Bis Ende März müssen sie den X-Prize-Organisatoren die Fahrfähigkeit nachweisen, Ende April muss das Auto in Detroit anrollen. Bis dahin braucht es nicht nur die endgültige Karosserie, sondern auch einen Namen und eine Farbe. "Das darf der Sponsor bestimmen", sagt Möscheid und hofft, dass er noch einen findet. Die Teilnahme am Wettbewerb verschlang bislang nämlich rund 400.000 Euro.

Das Ziel ist die Serienfertigung des X-Prize-Fahrzeugs

Der X-Prize ist für Möscheid und das Team von etwa einem Dutzend Entwicklern nur eine Etappe. Zwar rechnet sich die Mannschaft aus Kassel in ihrer Kategorie gegen 15 Mitbewerber gute Chancen auf die 2,5 Millionen Dollar Preisgeld aus, doch eigentlich herrscht der olympische Geist vor. "Wer hier dabei ist, hat schon viel erreicht", sagt Möscheid. Das eigentliche Ziel ist aber nicht so sehr das X-Prize-Finale im August, sondern die Serienfertigung des neuen Zweisitzers. Auch die X-Prize-Macher fordern einen Geschäftsplan, dem eine Jahresproduktion von 10.000 Fahrzeugen zu Grunde liegt.

Sollte es zur Serienfertigung des Wettbewerbfahrzeugs kommen, wird es wie beim Twike auf Wunsch auch Pedale im Fußraum von Fahrer und Beifahrer geben. Mit denen werden nicht direkt die Räder angetrieben, sondern Strom erzeugt, so dass die Reichweite um etwa zehn Prozent steigt. "Das ist aber nicht der entscheidende Grund", sagt Möscheid. Viele Twike-Fahrer betrachteten das als Teil der körperlichen Ertüchtigung. "Wer sonst nach Feierabend ins Fitnessstudio geht, hat im Twike das Workout schon auf dem Heimweg erledigt."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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1. gewinner???
smokeonit 28.02.2010
http://www.aptera.com/ ich glaube der Aptera hat einen wesentlich besseren cW-Wert, mehr Platz, mehr Komfort und grössere Reichweite... und er ist schon fertig... mal sehen wer den Progressive Automotive X-Prize gewinnt;)
2. nur eine frage...
logopaed 28.02.2010
wann gibt es das teil, und wieviel soll es kosten? so ähnlich muß wohl unsere mobile zukunft aussehen, nach möglichkeit in verbindung mit der elektrischen autobahn zum sicheinklinken.
3. Zurück in die Zukunft
varesino 28.02.2010
http://en.wikipedia.org/wiki/Bond_Bug Ohne Worte. Gruss Varesino
4. Seit Jahrzehnten diese Witzmobile
Umbriel 28.02.2010
Solche Wettbewerbe bringen nichts, weil: - die Techniken, die Tüftler bezahlen und ausprobieren können, sind absolut nichts Neues - die Vorausstzungen und Anforderungen an Automobilbauteile sind bei seriöser Planung unerfüllbar - unbequeme Mini Pedalmobile sind sinnlos
5. Das ist der Weg
imagine 28.02.2010
Die Jungs befinden sich auf dem richtigen Weg, denn die automobile individuelle Fortbewegung muss und wird sich ändern. Leider aber können ausgerechnet jene die dafür ein offenes Ohr haben, sich bis auf weiteres ein solches Ökomobil (Voraussetzung: Regenerative Stromversorgung) nicht leisten.
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Elektroautos: Typen
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versogt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzelle
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)

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