Ökoinitiative Stuttgart plant Elektrofahrrad-Netzwerk

Stuttgart gilt als deutsche Smog-Kapitale - das will die Stadt nun ändern. Bürgermeister Wolfgang Schuster plant ein Elektro-Bike-Netz mit Ladestationen. Damit wollen die Schwaben den Radanteil im städtischen Verkehr von derzeit sieben auf 20 Prozent steigern.

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Hamburg - Fahrradfahren ist in Stuttgart eine rechte Qual - in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs gibt es Höhenunterschiede von bis zu 300 Metern. Wer hier im Sommer zur Arbeit radelt, sollte eine Dusche im Büro haben. "Fahrräder fahren da zwar rum, aber nur auf dem Auto", sagt Frank Heitmeyer von der Firma E-Wheels. "Stuttgart ist eine Stadt für Pedelecs".

Pedelecs sind Fahrräder mit Elektromotor. Der Fahrer muss zwar in die Pedale treten, wird dabei aber von einem Stromantrieb unterstützt. Weil die Bikes nicht rein elektrisch unterwegs sind, gelten sie nicht als Mopeds. Der Fahrer benötigt keinen Führerschein.

Pedelec der Firma Ultra Motors: Das geplante Fahrrad-Abo ist einem Handy-Laufzeitvertrag nicht unähnlich.

Pedelec der Firma Ultra Motors: Das geplante Fahrrad-Abo ist einem Handy-Laufzeitvertrag nicht unähnlich.

Die Stadt Stuttgart will im Sommer einen der weltweit wohl größten Pedelec-Feldversuche starten. Im Rahmen des Kongresses "Cities for Mobility" wird Oberbürgermeister Wolfgang Schuster am Montag eine Kooperation mit dem Unternehmen Ultra Motors bekanntgeben. Das geht aus einer an Pressevertreter versandten Einladung hervor. Der britische Hersteller von Elektrofahrrädern soll Pedelecs für ein flächendeckendes Fahrradnetzwerk zur Verfügung stellen.

Akku-Wechselstationen an ÖPNV-Haltestellen

Für die meisten Fahrten dürfte die Pedelec-Reichweite (30 bis 70 Kilometer) zwar ausreichen. Macht die Batterie dennoch schlapp, könnte der Stuttgarter Pedelec-Besitzer seinen leeren Akku in eine der Stationen werfen und einen geladenen entnehmen.

Geplant ist, an den Stuttgarter Nahverkehrshaltestellen Akku-Automaten aufzustellen. "Zusätzlich soll es Ladestationen geben, in denen man sein Rad binnen 15 Minuten aufladen kann", sagt der Stuttgarter Projektkoordinator Wolfgang Forderer.

Stuttgart will für die Fahrräder eine Art Abo-Modell anbieten. Die Pedelecs würden ähnlich wie Handys subventioniert. Dafür verpflichtet sich der Pedelec-Käufer, eine Monatsgebühr zu zahlen und darf die Akku-Stationen benutzen. Das Konzept erinnert an jenes der israelischen Firma Project Better Place. Ihr Gründer Shai Agassi will in mehreren Ländern subventionierte Elektroautos im Abo-Modell verkaufen.

Das Rad gibt es gratis

Details zu den Preisen gibt es noch nicht. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen dürfte die Monatsmiete jedoch bei 15 Euro liegen, das Pedelec bekäme der Nutzer beim Feldversuch in Stuttgart umsonst. Im Laden kostet ein E-Bike ohne Abo etwa 1800 Euro. "Wir sind mit unserer Topografie der ideale Testort", glaubt Forderer, "das Pedelec macht die Stadt flach".

Bisher sind Pedelecs eine Randerscheinung - Heitmeyer von E-Wheels glaubt indes an den baldigen Durchbruch. Er eröffnet dieser Tage im ziemlich bergfreien Hamburg einen der ersten deutschen Spezial-Shops. "In Deutschland sehen viele Leute Fahrräder noch immer als Sportgeräte an", sagt er. Entsprechend hätten viele Konsumenten Vorbehalte gegen elektrische Unterstützung beim Strampeln. "In Holland ist das anders, da wurden 2007 bereits 115.000 Pedelecs verkauft."

SPIEGEL ONLINE fuhr in Hamburg kürzlich eines der Elektro-Bikes Probe. Das Fahrgefühl ist ungewöhnlich - sobald man in die Pedale tritt, bekommt man plötzlich zusätzlichen Schub. Flott und entspannt fährt es sich - allerdings ist die Leichtigkeit dahin, wenn man versucht, das Fahrrad eine Treppe hochzuhieven. Wegen des Lithium-Ionen-Akkus wiegen die Maschinen über 15 Kilo.



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