Offener Mercedes 380 SEL Ein Cabrio für die Königin

Das Gros der Auto-Urlauber öffnet im Süden das Schiebedach, doch wenn die Angehörigen des niederländischen Königshauses durch Italien kreuzen, darf es schon exklusiver sein. Etwa eine Cabrio-Version der Mercedes S-Klasse, die jetzt frisch restauriert wurde.


Königin müsste man sein. Da werden einem die Wunschautos einfach gebaut, falls es sie nicht ab Werk gibt. Auf diese Weise erhielt die britische Queen ihren Bentley mit Extra-Kopffreiheit und höherem Türeinschnitt, damit der Hut aufbleibt beim Ein- und Aussteigen. Auch die niederländische Königin Juliana bekam so jenes blaue Cabriolet der Mercedes S-Klasse, das sie sich nach ihrer Abdankung 1980 für sonnige Ausfahrten am Sommersitz des Oranier-Hauses im italienischen Porto Ercole gewünscht hatte.

In den letzten Jahren war der eigens für die sonst überaus bodenständige Monarchin angefertigte Prunkwagen jedoch ein wenig herunter gekommen. Obendrein war der Lack von der Sonne des Südens verblasst. Daher wurde das Auto nun von den Experten des Königshauses restauriert. Seitdem steht es als Prunkstück in einer Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der 2004 gestorbenen Mutter von Königin Beatrix. Die Schau ist noch bis zum 30. August im Palais Het Loo in Appeldoorn zu sehen.

Mit dem Wunsch nach einer Cabrio-Version der viertürigen Limousine trat Hollands Hof erstmals 1984 an Mercedes heran. Doch weil die Schwaben in der Baureihe W126 - wie auch bei der aktuellen Generation der S-Klasse - nur Limousine und Coupé im Angebot hatten, wurde nach einigen Verhandlungen der Schweizer Karosseriebauer Caruna mit dem Dach-Striptease beauftragt. Binnen zehn Monaten verwandelte die Firma aus Dietikon, die vor drei Jahren in Konkurs ging, die Luxuslimousine in eine königliche Sonnenbank, bei der an nichts gespart wurde. Das wie der Wagen in Surfblau eingefärbte Stoffverdeck öffnet sich in 25 Sekunden voll elektrisch, die Scheiben sind reihum komplett versenkbar, und wo das Auge hinsieht, blickt es auf feines Leder, das aufwändig gesteppt wurde.

Für Komfort sorgen Klimaanlage und hydraulisches Fahrwerk sowie zwei große Schminkspiegel in den Rücklehnen der Vordersitze. Dazu wurde das Auto mit den Insignien der Macht versehen: An den Kotflügeln flattern die Standarten der Oranier, in einem Klappfach liegen darüber hinaus verschiedene Zierstäbe mit silbernen Kronen zum Aufstecken.

Ein offizielles S-Klasse-Cabrio ist nicht in Sicht

Königin Juliana folgte mit der Wahl des Autos einer langen Tradition. Immer wieder sei das niederländische Königshaus mit Fahrzeugen von Mercedes-Benz unterwegs gewesen, berichtet Mercedes-Klassik-Sprecher Josef Ernst. Archivfotos zeigen die Regenten bei einem Besuch in Stuttgart vor einer repräsentativen Kompressor-Limousine mit Stern aus dem Jahr 1924, später bestellte die Königin Mutter einen 100 PS starken Mercedes Nürburg, der 1931 geliefert wurde, und natürlich waren auch die Oranier vom legendären 300 SL angetan. Selbst die Sonderumbauten haben Tradition: So ließ sich Julianes Mutter Prinzessin Wilhelmina nach der Abdankung im Jahr 1948 ein Mercedes 300 D Cabriolet so umrüsten, dass sie damit ihre Staffelei zu den schönsten Flecken des Landes mitnehmen konnte. Sie malte nämlich leidenschaftlich gern.

Welches Auto Königin Beatrix am liebsten fährt, ist nicht bekannt. Doch sollte ihre Schwiegertochter Maxima einen vergleichbaren Prunkwagen suchen, wird sie es bei Mercedes heute so schwer haben, wie Juliane damals in den achtziger Jahren. Zwar gab es bei den Schwaben mit dem Concept Ocean Drive vor zwei Jahren tatsächlich einmal die Idee zu einem S-Klasse-Cabrio, doch seitdem hört man nichts mehr zu dem Thema. Selbst intern ist die Studie angeblich in der Versenkung verschwunden: Erst stand er noch im Foyer des Designcenters, berichten Insider, doch mittlerweile ist er von da weggeräumt.



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