Aus Scottsdale berichtet Tom Grünweg
"John Wayne wusste, worauf es ankommt", sagt Greg Elder und bindet sich das grüne Halstuch über Nase und Mund, so als wolle er wie der Western-Darsteller in seinem letzten Film "The Shootist" nach Carson City reiten. Dann beginnt die Orgie aus Staub und Dreck.
Wir sind unterwegs in einem Extrem-Geländewagen - dem Tomcar. Bei dessen Entwicklung haben die Techniker so ziemlich alles weggelassen, was unterwegs kaputt gehen könnte. Die Karosserie rund um den enorm stabilen Rahmen und den rund 60 PS starken 1,0-Liter-Vierzylinder-Benziner besteht aus Kunststoff, das Verdeck ist eine Plastikplane, und ein Interieur, das diesen Namen verdient, gibt es gar nicht. Vier Schalter, drei Instrumente, zwei Pedale und ein Lenkrad - das reicht. Zwar gibt es einige Ablagemulden, doch die müssen ein Versehen gewesen sein: Schon nach wenigen Metern sind sie voller Sand.
Doch die gewählte Strecke ist nicht nur extrem sandig, sondern vor allem steil und steinig. Das hindert Elder nicht daran, ordentlich Gas zu geben. Mit 40, 50 und manchmal sogar mit 60 Sachen jagt er voraus. Unsere Tomcars fegen nur so über die Piste, springen über Kuppen, wühlen sich dann durch Furten und Furchen und klettern über Steine, die für jedes normale Auto das Aus bedeuten würden. Ein großes Vergnügen, schließlich lässt sich der Wagen einfach fahren.
Robuste Technik, riesiger Federweg
Die Bedienung ist in etwa so anspruchsvoll, wie ein Golf-Kart zu bewegen. Man braucht zwar etwas mehr Kraft zum Lenken und hat deshalb nach einer halben Stunde schwere Arme. Aber das Getriebe arbeitet automatisch, die Kupplung schließt per Fliehkraft, und vom Sperrdifferential sollen wir die Finger lassen, lautete die Anweisung. Und so rauscht man fast wie von selbst über die Trails und folgt dem Guide.
Geländegängige Fahrzeuge gibt es in den USA reichlich. Gerade in den dünn besiedelten Flächenstaaten wie Arizona tragen sehr viele Pick-ups ein sogenanntes All Terrain Vehicle - auch bekannt als ATV oder Quad - auf der Ladefläche. Doch das Tomcar ist allen überlegen. Denn kein anderes dieser extremen Geländevehikel lässt sich so leicht und komfortabel fahren wie der grüne Gelände-Haudegen. Und keines komme so problemlos voran, sagt Elder. "Bislang sind wir mit den Tomcars noch nie stecken geblieben."
Dass sich die metallenen Steinbeißer in der unwirtlichen Umgebung so gut schlagen, liegt nicht nur an der simplen und robusten Technik, an knapp 50 Zentimeter Federweg, einer üppigen Bodenfreiheit und grobstolligen Ballonreifen, die fast so breit wie hoch sind. Sondern es liegt auch an der eigentlichen Bestimmung des Tomcars. Denn entwickelt wurde der Extrem-Offroader für das Militär.
Vom Militärmobil zum Spaßgerät für Touristen
"Die israelische Armee gab das Tomcar in Auftrag", sagt Elder und berichtet von Missionen im Gaza-Streifen oder auf der Westbank. Danach habe der Mini-Jeep eine steile Karriere in Uniform gemacht. Mit den britischen Truppen kam das Vehikel nach Afghanistan, es ist in Indien im Einsatz, macht die US-Grenzschützer mobil und ebenso Soldaten in Australien. Down Under ist mittlerweile auch die Produktion des Tomcar angesiedelt.
"Und irgendwann haben Outdoor-Motorsportler den Wagen für sich entdeckt", sagt Elder, der jetzt schon seit mehr als zehn Jahren fast täglich eine Flotte von bis zu 30 giftgrünen Tomcars zum Kakteen-Slalom durch die Sonora-Wüste treibt. Das Tomcar ist inzwischen auch ein Gefährt für Reiseveranstalter wie Elders "Green Zebra", es wird von Filmteams für Dreharbeiten in der Wildnis genutzt, von Förstern und Rangern für die Arbeit in Wäldern und Nationalparks und als Spaßgerät von Privatkunden.
Um als Deutscher dieses Fahrgefühl zu erleben, muss man reisen. Denn in Europa wird das Fahrzeug offiziell nur in Spanien verkauft, für knapp 20.000 Dollar. Das ist einerseits nicht viel für ein Auto, das im Gelände vielen anderen, deutlich teureren Offroadern überlegen ist. Aber andererseits ist es eine Stange Geld für ein Spielzeug, mit dem man nichts anfangen kann, außer durchs Niemandsland zu karriolen.
Das Geschäftsmodell von Greg Elder immerhin funktioniert: Tag für Tag kommen mehrere Dutzend Touristen zu ihm und buchen für knapp 200 Dollar einen wilden Ausritt. Nach drei Stunden ist alles vorbei - die unbedingt nötige, ausgiebige Dusche noch nicht eingerechnet.
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